glarus24.ch: Sie sind aus dem Glarnerland ausgewandert in ein fremdes Land. Wo verbringen Sie heute Ihre Tage und wie lange leben Sie schon an diesem neuen Ort?
Alois Speck: Heute verbringe ich die meiste Zeit hier in Guayaquil, der grössten Hafenstadt Ecuadors. Seit mehr als 53 Jahren wohne ich in diesem schönen Land und habe hier auch meine Familie gegründet. Meine Frau Trudy ist gebürtige Ecuadorianerin, ihr Vater Kurt Ferber aber ist ein waschechter St. Galler und kam als junger Kaufmann zur Schweizer Import-Export-Firma Max Müller & Co., notabene die gleiche Firma, wo ich die ersten acht Jahre arbeitete.
glarus24.ch: Was ist der entscheidende Grund, weshalb Sie sich seinerzeit zu diesem Schritt entschieden haben, und war dies schon lange Ihr Wunsch?
Alois Speck: Meine Gründe auszuwandern wurden aktuell, als ich als damaliger Angestellter der Firma Zschokke Genf nicht ans Linth-Limmern-Werk in Linthal dislozieren konnte. Wir verloren damals das Projekt an die Italiener. Ich bewarb mich dann auch als Zeughausverwalter in Glarus, verlor aber im Ausstich gegen meinen Kollegen Zopfi aus Schwanden. Damit war der Entscheid zum Auswandern definitiv.
glarus24.ch: Sie Leben nun in einem für uns fremden Land. Einen früheren Teil Ihres Lebens haben Sie aber im Glarnerland verbracht. Erzählen Sie uns etwas über diese Zeit.
Alois Speck: Meine Lebensjahre in Netstal sind für mich unvergesslich. Mit meinen Eltern – Vater Julius, Mutter Katharina, auch Didi genannt, Schwester Käthi und Bruder Hans – wohnten wir damals am Postweg, in unmittelbarer Nähe der katholischen Kirche und verbrachten in diesem gemütlichen Haus gemeinsam eine nicht ganz unbeschwerte, aber trotzdem glückliche Jugendzeit. Meine Schuljahre absolvierte ich in der Primarschule und anschliessend in der Sekundarschule in Netstal. Nach der Schulzeit erlernte ich den Beruf als Kaufmann. Viel zu erzählen gäbe auch noch vom legendären Jahrgang 1933. Wir waren tatsächlich bekannt bis über die Kantonsgrenzen hinweg und als fröhliches und gesangsfreudiges Trüpplein überall beliebt. Allerdings würden unsere Streiche, die wir damals gespielt haben, heute wohl kaum noch goutiert.
glarus24.ch: Unsere Leser interessiert aber selbstverständlich auch, wie Sie heute Ihr Leben verbringen. Wie sieht bei Ihnen der Alltag fernab vom Glarnerland aus?
Alois Speck: Ich bin seit bald 20 Jahren Rentner, gehe aber fast jeden Tag ins Geschäft meines jüngsten Sohnes Marcel im Zentrum von Guayaquil. Dort betreibt mein Sohn ein Catering Center mit täglich 3000 Mittagessen. Ich erfülle dort verschiedene Kontrollarbeiten und bin der «Mann für alle Fälle».
glarus24.ch: Wenn Sie einmal Vergleiche ziehen, was ist nach Ihrer Ansicht besser als im Glarnerland und hat sich der Entschluss auszuwandern für Sie rückblickend betrachtet gelohnt?
Alois Speck: Was hier in Ecuador sicher besser ist, als im Glarnerland, ist das Klima. Bei uns in Guayaquil wird es eigentlich nie kalt. Während 8 Monaten (April bis November) haben wir hier Temperaturen zwischen 18 und 30 Grad Celsius. In diesen Monaten haben wir keinen Tropfen Regen. In der Regenzeit wird es dann sehr warm und die Temperaturen steigen dann von 30 bis 40 Grad Celsius. In der Regenzeit haben die Kinder Schulferien (3 Monate) und viele Familien verbringen diese Zeit mit Badeferien am Meer oder im Hochland, beispielsweise in der Hauptstadt Quito, wo die Temperaturen fast nie über 25 bis 28 Grad Celsius steigen. Dort wohnt und lebt gemeinsam mit seiner Familie auch mein ältester Sohn Alois, heute einer der bekanntesten Fotografen Ecuadors. Eines meiner Hobby war über viele Jahre die Jagd. Diese und die Fischerei sind bei uns natürlich auch viel einfacher als in Glarus. Wir brauchen nur die Bewilligung zum Tragen der Waffen und die Fahrlizenz als Kapitän des Bootes. Die Jagd habe ich schon lange aufgegeben und die Fischerei vor einem Jahr. Trotz vielen Vorteilen hier in Ecuador freue ich mich jedes Mal, in meiner Heimat bei meinen Besuchen alte Freunde anzutreffen und den Wiggis und den Glärnisch bei Sonnenschein zu betrachten.
glarus24.ch: Zum Schluss noch eine Frage; vermissen Sie von Zeit zu Zeit das Glarnerland oder Ihren Geburtsort und wenn ja, was fehlt Ihnen bei diesem Gedanken am meisten?
Alois Speck: Wenn ich das Rad der Zeit zurückdrehe, kann ich nur feststellen, dass mein Entschluss nach Ecuador auszuwandern, mit viel Gottessegen unterstützt wurde. Anfangs war es wirklich ziemlich hart, in Ecuador Fuss zu fassen. Meine erste Geschäftsreise in die Provinz Loja – die südlichste Provinz Ecuadors – würde mit all den Eindrücken in einer komplett anderen Welt ein halbes Buch füllen. Selbstverständlich habe ich das wunderschöne Glarnerland, wo ich eine unbeschwerte Jugendzeit erleben durfte, nie vergessen. Jedes Jahr verbringen wir zwei Monate in Mallorca, wo meine Frau Trudy und ich ganz in der Nähe meines zweiten Sohnes Christian, der in Mallorca als Architekt schon viele Projekte ausführte, eine kleine Wohnung gekauft haben. Die Nähe zur Schweiz nutze ich jedes Mal, um mein Heimatland für wenige Tage zu besuchen. Dabei freue ich mich, wenn ich auf meinem Kurztrip ehemalige Schulkollegen antreffe. Mein Hauptziel ist aber immer mein Dorf Netstal, wo Bruder Hans mit seiner Frau Mayte lebt. Er ist es, der mir immer alle Neuigkeiten von Netstal und dem Glarnerland via Skype nach Ecuador übermittelt. Eine tolle Sache ist aber auch das Internet-Portal von «glarus24», welches ich fleissig nutze und welches mir meine Heimat beträchtlich näher brachte.
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