
Beim Verabschieden konnte ich mich meistens zusammenreissen, aber dann auch nur bis das Tschüss-Sagen vorbei war. Manchmal erhöhte sich bei mir aber auch in ganz normalen Momenten der Druck in der Brust und ich bekam ganz plötzlich diesen Kloss im Hals und fing an zu weinen. Ich wusste zwar immer, dass es bald vorbei ist und ich nach Hause muss, aber in gewissen Momenten, mit oder ohne wirklichen Grund, konnte ich diese Traurigkeit nicht mehr kontrollieren und sie übermannte mich.
Natürlich freute ich mich auch auf Zuhause, doch meistens standen die Abschiede im Vordergrund und das Wissen darüber, dass ich niemals wieder in dieses Leben zurückkehren werde.
Meine besten Freunde und meine Gastfamilie waren da eine grosse Hilfe, da ich mich an so einiger Schulter anlehnen durfte.
Am Tag des Abschieds hatte ich eigentlich schon allen tschüss gesagt und musste mich nur noch von meiner Gastfamilie verabschieden. In diesem Moment habe ich mich so hilflos gefühlt und war eigentlich am Boden zerstört. Doch irgendwie hatte ich aber kaum Gefühle und benahm mich fast wie ein Roboter, vor allem nachdem ich mich auch von meiner irischen Familie verabschiedet hatte.
Als dann das Flugzeug abhob und ich die grünen Wiesen Irlands unter mir sah, sprangen mir sofort die Tränen ins Gesicht. Ich sass heulend auf meinem Sitz, weil ich realisierte, dass der Moment, vor dem ich mich am meisten gefürchtet hatte, gekommen war; ich musste Irland, mein zweites Zuhause mitsamt meinem irischen Leben, welches ich nur ein paar Monate früher aufgebaut hatte, verlassen!
Der Zwischenstopp in London war ungefähr genauso schlimm. Ich musste zwei Stunden auf meinen Anschlussflug nach Zürich warten und fing ständig wieder an zu weinen. Die Leute starrten mich nur komisch an, ich muss schrecklich ausgesehen haben, was mir in diesem Moment so was von egal war.
Beim Gate angekommen, war ich schon wieder von Schweizern umgeben. Man konnte sie von meilenweiter Entfernung als Schweizer identifizieren mit ihren grossen Rucksäcken, den strengen Gesichtern zu kurzen T-Shirts, Wanderhosen und Wanderschuhen. Sie trugen das wirklich, das ist kein Witz!
Im Flugzeug sass ich dann natürlich neben einem Schweizer. Ich weigerte mich aber Deutsch zu reden, weil Englisch inzwischen einfach einfacher geworden war und weil ich noch an etwas von Irland festhalten wollte. Der arme Mann verstand natürlich kein Wort und versuchte sich mit Handzeichen zu verständigen. Mir hat das Ganze viel Spass bereitet, obwohl es natürlich etwas gemein war.
In der Schweiz gelandet machte ich mich dann auf den Weg zu meiner Familie, die ich nach fast einem Jahr zum ersten Mal wieder sah!
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