Schon zeitig am Morgen sieht man Scharen von Männern, die sich bereits gut gelaunt auf den Weg machen. Mit ihren oft selbst gebastelten und dekorierten Holzkarren, auf denen kistenweise Bier gestapelt ist, ziehen sie laut grölend durch die Strassen.
Ich war an diesem Donnerstag am Müggelsee im Osten von Berlin unterwegs. Ich dachte mir, ein Spaziergang am See ist bestimmt erholsam. Doch da habe ich die Rechnung ohne den Herrentag gemacht. Wo sonst die Vögel pfeifen, die Spechte trommeln und Enten sowie Schwäne ihre Ruhe geniessen, hörte ich nur mehr oder weniger schönes Gesänge oder laute Musik. Auf Schritt und Tritt begegnete ich ganzen Trupps von Männern. Die einen kostümiert, die anderen nicht. Alle nur mit dem einen Ziel: Die Bierkästen müssen bis zum Abend leer werden. Und gegen Mittag sah ich schon den einen oder anderen, der bereits unsicheren Schrittes daherkam.
So genoss ich inmitten dieser bunten Schar im Restaurant Rübezahl Bratwurst und Pommes. Je mehr die Zeit verging, umso mehr Feierlustige sammelten sich an. Dutzende, batteriebetriebene und selbst gebastelte Hi-Fi-Anlagen dröhnten. Das Bier floss in Strömen. Und irgendjemand kam auf die Idee, mit den leeren Flaschen könnte man ja Kegeln spielen. Die Treffsicherheit der Mitspieler hielt sich in Grenzen, doch das tat der guten Laune keinen Abbruch.
Am frühen Nachmittag machte ich mich wieder auf den Heimweg – mit Ehefrau wohlverstanden. Doch da war ich an diesem Tag ein Exot, und ich musste mir einige Bemerkungen anhören. Wieso, weshalb und warum ich am Herrentag mit der Frau unterwegs sei.
Wie auch immer. Ich fühlte mich gut und war froh. Sollen doch die anderen Kopfschmerzen bekommen. So ging der Herrentag für mich einigermassen ruhig vorbei. Was man nicht von allen behaupten konnte. So mach einer wird wohl froh gewesen sein, am Freitag nicht arbeiten zu müssen.
Möchte man an Christi Himmelfahrt einen ruhigen Tag erleben, bleibt man am besten zu Hause.
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