
So weit, dass die neue Produktionsanlage – eine Zusammenarbeit der Geska AG und Glarner Milch AG – bereits die Tätigkeit aufnehmen kann, ist es noch lange nicht. Am letzten Montag fand ja erst der Spatenstich statt. Obwohl Spatenstich für die kleine Aktion nicht gerade der richtige Ausdruck war. Passend zum Thema Milch zeigte der Präsident der Glarner Milch AG, Hermann Luchsinger, sein Talent am Melchstuhl und an der Kuh Sascha.
Die Milchproduzentengenossenschaft Glarus und Umgebung (MPG) und die Glarner Schabzigerfabrik GESKA AG gründeten im Mai 2009 gemeinsam die Glarner Milch AG. Die Glarner Milch AG soll in Zukunft die gesamte Tal-Rohzigerproduktion übernehmen, die in den Jahren 2009 bis 2012 von der MPG und bis zum Jahr 2009 zu 50 Prozent ausserhalb dem Kanton produziert wurde. Um die stetig steigenden Qualitätsanforderungen an den Rohziger garantieren zu können sowie die notwendige Kapazitätserweiterung und eine Effizienzsteigerung zu erreichen, entsteht nun eine Neuinstallation mit modernsten Produktionsanlagen. Bis auf einen kleinen Anbau werden die neuen Anlagen der Glarner Milch in das bis anhin alleine von der Geska genutzte Produktionsgebäude integriert. Die beiden Firmen regelten die Gebäudenutzung mit einem Stockwerkeigentumvertrag und profitieren von neuen, gemeinsamen und ökologisch ausgerichteten Infrastrukturanlagen, Wegfall von Transportwegen sowie Synergien in vielen übrigen Bereichen.
Die Glarner Milch AG betreibt die Herstellung von Rohziger eigenwirtschaftlich und investiert 6,9 Millionen Franken. Die neue Gebäudenutzung und Neuinstallationen der GESKA AG lösen zusätzlich Investitionen von 2,2 Millionen Franken aus. Insgesamt werden an der Ygrubenstrasse 9,1 Millionen Franken für die nachhaltige Produktion von Rohziger und Schabzigerprodukten investiert. Bund und Kanton stellen für dieses eine der sechs Teilprojekte der Regionalstrukturmassnnahme «Chäs & Ziger» total 2,7 Millionen Franken für die Glarner Milch zur Verfügung. Die Inbetriebnahme der neuen Anlagen ist für April 2013 geplant. Die neuen Anlagen sind umweltfreundlicher und sparen 125 Tonnen CO2 pro Jahr. Deshalb unterstützt auch die Klimastiftung Schweiz das Projekt. Auch die Berghilfe sagte für die Glarner Milch die Unterstützung zu. Für die Generalplanung verantwortlich zeichnen sich die Kundert Ingenieure AG, die Bauausführung obliegt der Halter Generalunternehmung mit Architekt und Subunternehmen aus dem Glarnerland, die Prozessanlagen für die Rohzigerproduktion liefert die Kalt Maschinenbau AG aus Lütisburg. Zudem macht sich auch die Glarner Kantonalbank für das Projekt stark.
Umweltverträgliche Produktionsstätte
Im neu genutzten Gebäude werden die Milchannahme, die Rohzigerproduktion, die Rohzigerreifung und die neuen Schabzigerproduktionsanlagen untergebracht, die nach den höchsten internationalen Lebensmittelstandards effizient und besonders ökologisch durchgeführt werden können. «Durch den Standort der neuen Rohzigerproduktion im gleichen Gebäude wie die Schabzigerfabrik, können wir die Synergien mit den beiden Firmen maximal ausschöpfen. Unser Ziel ist es, wo immer möglich, die Infrastruktur und gleiche Funktionen zusammenzulegen und gemeinsam zu nutzen», erklärt Johannes M. Trümpy, CEO der GESKA und Glarner Milch.
Besonderen Wert werden auf die ökologischen Aspekte der neuen Rohzigerproduktion gelegt: Neubauten und die Gebäudetechnik werden nach neusten energetischen Grundsätzen ausgerichtet. Insbesondere werden geringe Lärmemissionen, Luftreinigung, Abwasserneutralisation und Wärmerückgewinnung sowie ein tiefer Energieverbrauch erreicht. Dazu kommt, dass durch die Konzentration und Verlagerung der Produktionsstätten kein zusätzliches Kulturland gebraucht wird und keine zusätzlichen Transportwege mehr anfallen. Die Klimastiftung Schweiz begrüsst dieses Engagement. «Die Glarner Milch AG zeigt, dass KMU, die CO2 sparen, moderner und wirtschaftlicher werden können», sagt Vincent Eckert, Geschäftsführer der Klimastiftung Schweiz. Die Stiftung fördert für jährlich 3 Millionen Franken Umweltprojekte von Schweizer KMU.
Gewinn für alle Beteiligten
Die neu gegründete Glarner Milch AG ist für die lokale Milchverarbeitung von grosser Bedeutung, da sie für rund 50 Landwirte im Kanton Glarus den Milchabsatz gewährleistet. Damit können Arbeitsplätze in der Region erhalten werden. Die Schabzigerfabrik wiederum profitiert davon, dass die Rohstoffe für die Schabzigerproduktion auch in Zukunft in optimaler Qualität und ausreichender Menge geliefert werden können.
«Die Kapazität der Rohzigerproduktion ist auf 4,2 Mio. Kilo Milch ausgelegt. Dies entspricht rund 20 Prozent der im Glarnerland insgesamt gemolkenen Milch. Mit Betriebsstart werden es 3,2 Mio. Kilo Milch resp. rund 15 Prozent sein. Dies zeigt, welchen Stellenwert die neue Rohzigerproduktion für das Glarnerland hat, denn bis 2009 waren es erst 1.9 Mio. Kilo Milch, der übrige Rohziger resp. die übrige Milch kam von ausserhalb des Kantons Glarus», erklärt Johannes M. Trümpy. Und er ist überzeugt: «Die Verarbeitung von 100 Prozent echter Glarner Milch und neu mit Bergzertifikat ausgezeichnet, schafft zusätzliche Glaubwürdigkeit und Authentizität für die Produkte der GESKA AG!»
Novum in der Schweiz
Die GESKA AG ist mit 49 Prozent an der Glarner Milch AG beteiligt, die anderen 51 Prozent gehören den Genossenschaftern der MPG. Dass sich Milchproduzenten und Vermarkter in einer Aktiengesellschaft beteiligen, um effizienter und zeitgemässer produzieren zu können, sowie Synergien zu nutzen, ist in dieser Form einzigartig für die Schweiz. Einmal mehr zeigten zwei Glarner Unternehmen Pioniergeist und Innovation. Johannes M. Trümpy dazu: «Das Projekt trägt langfristig zu einer höheren Wertschöpfung und zur Existenzsicherung von rund 50 Milchproduzenten und der Schabziger-Produktion im Kanton Glarus bei.»
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