
Die Flinte wird geschultert und schon geht sie los. – Die Jagd nach dem Ungeheuer. Weg muss er – der Bär – der Störenfried. Die Rufe nach Rache wird immer lauter. Hier ein Schaf und dort ein Schaf. Gerissen und aufgefressen vom Bär. Schlimm!
Ja, liebe Leserinnen und Leser. Es ist schlimm. Und zwar schlimm, dass wir nicht mehr in der Lage sind, mit wilden Tieren zusammenzuleben. Es tut mir in meiner Seele weh, wenn man es immer wieder liest: Luchse, Wölfe, Bären – abgeschossen, einfach, weil sie nicht in unser Konzept passen. Da nützen die Rufe der Tierschützer um Nachsicht meistens nichts. Das wirtschaftliche Denken ist stärker. Alles was uns nicht in den Kram passt, wird weggeräumt. Aus, Schluss, basta! Und es herrscht wieder Ruhe. Einfach so.
Doch wo führt das hin? Sind manche Menschen schon so egoistisch geworden, dass sie anderen Lebewesen keinen Platz mehr gönnen? Haben manche das Verständnis und die Freude über die Natur schon verloren? Es macht den Anschein. Doch wir sollten uns doch freuen und stolz sein, wenn sich Bären, Wölfe und Luchse bei uns wieder heimisch fühlen. Viele sagen, diese Tiere seien eine Gefahr für die Menschen. Nun ja, wie viele Tote hat es wegen Angriffen schon gegeben? Mir ist zurzeit keiner bekannt. Und wie viele Menschen wurden von Autos schon überfahren? Zu viele! Aber deswegen werden nicht gleich alle Autos verschrottet. Die weiss Gott ja eine viel grössere Gefahr als wilde Tiere darstellen.
Ich habe einfach kein Verständnis dafür, die Schuld immer auf die Tiere zu schieben. Hunde, die auch eine Gefahr bedeuten, müssen sich einem Wesenstest unterziehen, bevor sie unter die Menschen gelassen werden. Und wie ist es mit uns? Ich denke, so manchem Menschen würde so ein Test auch nicht schaden. Krass?! Ja, das ist es. Aber es ist auch die Realität, und die wollen wir manchmal einfach nicht wahrhaben.
Unser Verstand sollte uns doch sagen, es ist möglich, mit diesen Tieren zusammenzuleben. Nun, es gehört auch Eigenverantwortung dazu, die scheint uns verloren gegangen zu sein. Doch Eigenverantwortung bedeutet manchmal auch Einschränkungen, die man hinnehmen muss. Rücksicht, Verständnis, Besonnenheit. So wünsche ich es mir.
In diesem Sinne
Ihr Martin C. Mächler
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