100 Jahre Kulturverein Glarus

Symphonium, Technik und Geschick aus dem Appenzellerland mit Martin O.



Da steht auf der Bühne des «Schützenhauses» Glarus so ein kleines Gerät, oben mit irgendwelchen Tasten versehen, mit einem aus «appenzellischem Nussbaumholz» geschnitzten Oberteil und mit einer soliden Metallröhre geerdet und von Martin O. bedient.

Der muntere Appenzeller hat in sich eine Kunstform, die unnachahmlich vielfältig ist. Es ist eine Vermischung von intelligenten Kommentaren, mehrstimmigem Gesang, Schlagzeugrhythmen, einschmeichelnd Volkstümlichem, kurzzeitig heldenhaft Aufklingendem, Kinderliedern, Ohrwürmern aus verschiedensten Epochen, alles riesig charmant angeboten. Auf Einladung der Kulturgesellschaft Glarus gastierte er «mehrfunktional» auf jenen Brettern, die für gar viele die Welt bedeuten.

Er hatte sich spürbar intensiv durchs hundertjährige Bestehen der Kulturgesellschaft durchgearbeitet und vermochte eine Zusammenfassung abzugeben, die nicht nur aufs Lesen der Jubiläumsbroschüre Einstimmung war. Martin O., mit Jahrgang 1975, wird als «Stimmartist, Beatboxer und Musiker» vorgestellt. Von seinem Charme, dem klugen Zusammenbüscheln von Informationen, seiner Gabe des munteren Kommentierens und dem Erklären, wenn man den zuweilen horrenden Tempi aller Anmerkungen nicht mehr zu folgen vermag und die persönliche Aufnahmefähigkeit spürbar strapaziert ist, soll auch geschrieben sein. Er fügt eine Vielzahl an Impulsen in meisterlicher Art. Dank Technik wird aus dem Martin O. ein Chor, beginnt eine aus Schlagzeug, Trompete, Bratsche, elektrischer Gitarre und anderem bestehende Band zu begleiten, wird mehrstimmig, was in Urfassungen zuweilen bescheiden einherkommt.

Martin O. begann mit Wortgebilden, die der afrikanischen Kultur zu entstammen schienen; elegant, temporeich, ansteckend munter waren; und nach Aussagen des Interpretierenden mit dem Jubiläum, dessen Gast er ja war, viel zu tun hatten. Und man spürte als aufmerksam Hinhörender, dass er sich in das zehn Jahrzehnte umfassende und in der eigens ausgearbeiteten Jubiläumsschrift klug gestalteten Geschehens intensiv eingearbeitet hatte.
Er nimmt jene Elemente zu Hilfe, die situationsgerecht notwendig scheinen. Da liegt eine seiner vielen Stärken. Talerschwingen, Lead-Stimme, Patriotisches, Textauszüge – alles, was sich fügt, ist bühnenwirksam, kunstreich zusammengefügt.
So ist beispielsweise von alten nur aus zwei Zahlen bestehenden Telefonnummern, von Konzerteintritten in der Höhe von zwei Franken, kulinarischem Verwöhnen anstelle hoher Gagen, Theaterkostümierung, Flyern, Plakaten, passender Namengebung für die Kulturgesellschaft, Statistischem, Finanzen, Präsidialem die Rede – in einem Tempo, das schwindlig machen könnte. Alles ist witzig, richtiggehend elegant und enorm kunstreich serviert.
Es musste zu Zugaben kommen. «Don `t worry, be happy» war ein Teil des abschliessenden Verwöhnens.