100 Wappenscheiben funkeln aus der Tiefe der Zeit

Die Stiftung für das Dr. Kurt-Brunner-Haus präsentiert eine grossartige Sammlung an historischen Glasgemälden auf einer benutzerfreundlichen Website.



Hinter den verschlossenen Fensterläden des Brunnerhauses in Glarus verbirgt sich ein Schatz, dessen Strahlkraft jede Besucherin und jeden Besucher in seinen Bann zieht. Im Auftrag der Stiftung für das Dr. Kurt-Brunner-Haus hat der Glarner Fotograf Urs Heer die 100 farbigen Glasscheiben nach den Regeln der Kunst abgelichtet. Die Kleinodien sind nun auf www.brunnerhaus.ch für die Öffentlichkeit erschlossen. Die Website vereinigt die brillanten Bilder mit den hervorragenden Beschreibungen der Zürcher Kunsthistorikern Silvia Klöti-Grob zu einem vollständigen Inventar. Die einfache Navigation mit Übersicht, Inhaltsverzeichnis und Suchfunktion machen den virtuellen Besuch zum Erlebnis.

Kulturgut von nationaler Bedeutung

Das Brunner-Haus ist ein repräsentatives Bürgerhaus im Zentrum von Glarus. 1811 von Fernhändler und Landessäckelmeister Cosmus Zweifel errichtet, überlebte es den Brand von Glarus 1861 unversehrt und gelangte 1904 in den Besitz der ehemaligen Textilunternehmerfamilie Brunner. Die letzten Besitzer versahen das Haus mit bedeutenden Gemälden und Einrichtungen, die an die Lebensweise des Glarner Bürgertums im 19. Jahrhundert erinnern sollen. Seit 1967 dient das Haus als Empfangs- und Gästehaus des Regierungsrates und des Gemeinderates von Glarus. Die Wappenscheiben datieren aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Es sind vor allem Glarner und Toggenburger Familienwappenscheiben. Auch Standesscheiben und Scheiben der Landschaften Gaster, March und der Grafschaft Werdenberg befinden sich darunter. Auf den Glasgemälden finden sich neben den Wappen biblische Szenen, Bilder aus der römischen und der Schweizer Geschichte, Bekleidungs- und Tafelsitten, Episoden aus dem Alltag, Jagdszenen, Darstellungen von Musikanten, Soldaten, Bauern und Gewerbetreibenden. Oft stehen die Abbildungen in einem direkten Zusammenhang mit Beruf und Herkunft des Scheibenstifters. Aufgrund ihrer hohen dokumentarischen und ikonographischen Bedeutung stehen die Wappenscheiben seit 1980 im schweizerischen Inventar der Kulturgüter von nationaler Bedeutung. 

Resultat macht stolz

Am Anfang standen Probeaufnahmen mit der eigenen Wappenscheibe im Fotostudio. Dann richtete Urs Heer im Brunner-Haus ein komplettes Studio mit mobiler Blitzanlage ein. «Meine Frau und ich haben die einzelnen Oberfenster ausgehängt und jede einzelne Wappenscheibe an einer speziellen Aufnahmevorrichtung mit Auf- und Gegenlicht digital hochauflösend fotografiert», schildert Urs Heer das Vorgehen. Da die Scheiben einen sehr grossen Unterschied zwischen den hellsten und den dunkelsten Tönen und Farben aufweisen, wurden alle Aufnahmen am PC bearbeitet. Die digitale Bildbearbeitung hat riesige Vorteile gegenüber der früheren Analogtechnik. Sie kann punktuell eingesetzt werden und erlaubt es, noch so kleine Darstellungen und Details wie etwa Bleifassungen korrekt und plastisch sichtbar wiederzugeben. «Das Resultat macht mich stolz», sagt Urs Heer, der sich zusammen mit dem Stiftungsrat über die hochprofessionellen Aufnahmen freut.