70 Glarner Ziegen freuen sich auf feines Bündner-Gras

Rund 80 Geissen aus dem Glarnerland, davon 33 von den beiden Netstaler Ziegenbauern Kurt und Martin Zwicky, verlegten am letzten Samstag frühmorgens ihr Domizil ins bündnerische Bauerndorf Curaglia am Lukmanier-Pass, wo sie von Mitte Juni bis Ende September auf der Alp Puzzetta ihre Sömmerung verbringen.



Es ist Samstag, der 13. Juni. Über 30 Ziegen sollen wie schon im letzten Jahr in aller Herrgottsfrühe mit einem Tiertransporter auf die Alp Puzzetta verlegt werden. Die Turmuhr der evangelischen Kirche hatte soeben die sechste Stunde geschlagen. Da kommt plötzlich Hektik in den Stall bei der Mugiweid am Fusse des Wiggis. Ziegenbauer Kurt Zwicky und seine drei Helfer sind eifrig daran, den Transport der Netstaler Ziegenherde ins Bündnerland zu organisieren. Kurts Bruder Martin konnte diesmal wegen einem Spitalaufenthalt an der Alpauffahrt nicht teilnehmen!

Ziegen verladen – da geht die Post ab!

Das Verladen der Ziegen ist in der Tat kein einfaches Unterfangen, da die sonst sehr intelligenten und agilen Tiere eher eigenwillig, zuweilen sogar als störrisch dargestellt werden. Der Verlad der Tiere auf das Transportfahrzeug verlangt Konzentration und muss schon Tage zuvor gut organisiert und koordiniert werden. Voraussetzung sind zusätzlich gute Nerven und viel Geduld. Jahrelange Erfahrungen beim Verladen der Ziegen erleichtern den Verlad. Um 06.45 Uhr, pünktlich wie geplant, geht es ab in die Bündner Berge!

Kein Platz auf Glarner Alpen

Gleichzeitig zum Verlad und Transport in Netstal findet dasselbe Prozedere bei zwei anderen Glarner Ziegenbauern statt, die wie die Zwicky-Brüder ihre Ziegen ins «Ausland» verfrachten müssen. Hier stellt sich automatisch die Frage, warum das so ist. «Eine reine Ziegenalp, wo gemolken und gekäst wird, gibt es leider im Kanton Glarus nicht. Vonseiten der drei Gemeinden und auch von den landwirtschaftlichen Organisationen kommt wenig Interesse für uns Ziegenmilchhalter. Unverständlich, da die Endprodukte von Ziegen immer mehr gefragt werden», erklärt Kurt Zwicky leicht enttäuscht. Nach einer rund zweistündigen Fahrt mit dem Viehtransporter und einem anschliessenden dreiviertelstündigen Fussmarsch ist das Endziel auf der Alp Puzzetta in der Nähe des Dorfes Medels erreicht. Von Ferne hört man den Motorenlärm der vielen Fahrzeuge, die täglich die endlosen Serpentinen des Lukmanier-Passes emporklimmen. Die Alp Puzzetta gehört zum Gemeindegebiet von Curaglia und liegt auf einer Höhe von 1850 bis 2800 Meter über Meer, dies mitten in einer prächtigen, atemberaubenden Berglandschaft mit saftigen Magerwiesen. Gerade wegen ihrer Lage ist diese Alp für die Sömmerung von Ziegen geradezu prädestiniert.

Verschiedene Ziegenrassen

Die 70 Ziegen aus dem Glarnerland verbringen die nächsten Wochen und Monate gemeinsam mit rund 250 Artgenossen aus dem Kanton Graubünden auf dieser typischen Ziegenalp. «Meine Geissen fühlen sich dort oben immer pudelwohl. Grund dürften die nahrhaften, saftigen Bündner-Gräser sein», erklärt Ziegenbauer Kurt Zwicky. Von heute bis Ende September sömmern verschiedene Ziegen-Rassen auf der Alp Puzzetta, unter ihnen «Pfauenziegen» und die «gemsfarbige Gebirgsziege». Die Pfauenziege, auch Prättigauer Ziege genannt, stammt ursprünglich aus dem Kanton Graubünden. Die Pfauenziege ist eine an das Leben im Gebirge angepasste Hausziegenrasse. Die gemsfarbige Gebirgsziege, die ursprünglich aus den Kantonen Bern (Brienzer Ziege) und Graubünden stammt, sind heute überall in der Schweiz und den Alpenregionen der angrenzenden Länder weit verbreitet. Ihr Vorzug besteht darin, dass sie auch bei extensiver Haltung hohe Milchleistung erbringt.

Mit Herdeschutzhunden gegen den Wolf

Während der Sömmerung werden drei Personen (1 Käserin und 2 Hirtinnen) sich um die rund 300 Milchziegen kümmern und diese tagsüber bewachen. Am Abend beschützen Herdeschutzhunde auf einer Nachtweide die von Wölfen gefährdeten Ziegen. Dies mit gutem Grund, hatte doch im letzten Jahr eine Wolf-Population ganz in der Nähe in einem anderen Tal ihr Unwesen getrieben und dabei 25 Schafe gerissen. Das will man in diesem Jahr auf der Alp Puzzelt mit allen Mitteln verhindern.