Ab jetzt läuft es rund bei den Glarner Fledermäuse

Fledermäuse haben einen engen Zeitplan! Nach der Jungenaufzucht findet ab August sofort die Paarung statt. Das hat den Vorteil, dass beide energiezehrenden Lebensphasen auf das nahrungsreiche Sommerhalbjahr fallen und den Jungtieren Zeit bleibt, sich vor dem Winter ein Fettpolster anzufressen. Bei den Flattertieren ist also gerade viel los. Nun lädt das Naturzentrum Glarnerland zur Fledermaus-Pirsch ein.



Jetzt schon an den Winter denken! Wer seinen Brennholzvorrat aufstockt, schafft Überwinterungsplätze für Rauhautfledermäuse. Foto © www.fledermausschutz.ch
Jetzt schon an den Winter denken! Wer seinen Brennholzvorrat aufstockt, schafft Überwinterungsplätze für Rauhautfledermäuse. Foto © www.fledermausschutz.ch

Abend für Abend finden in grünen Quartierstrassen, auf Friedhöfen und in Parks Flugshows statt. Unversiegelte Flächen wie Gärten mindern in Dörfern nicht nur die Sommerhitze. Naturnah gestaltet, sind sie auch Lebensraum für einheimische Tiere wie Fledermäuse. Im August lassen sich hier Zwerg- und Rauhautfledermäuse beobachten. Sie gehören mit 20 Zentimetern Flügelspannweite zu den kleinsten einheimischen Arten. Tagsüber schlafen sie in Spalten an Gebäuden, zum Beispiel hinter Fensterläden. In der Paarungszeit beanspruchen Männchen solche Verstecke für sich. Fliegen am Abend Weibchen vorbei, locken sie sie mit Balzrufen und Showflügen an. In Paarungsquartieren sind nur weibliche Gäste erwünscht. Männliche Artgenossen werden im Flug verfolgt und mit lauten Rufen vertrieben. Das ist anstrengend und macht Hunger.

Insektenjagd im Dorf

Als Nahrung dienen kleine Fluginsekten wie Mücken. Zwergfledermäuse jagen im wendigen Zickzackflug um Sträucher, Bäume und sogar Strassenlampen. Künstliches Licht zieht Insekten an und macht sie zur einfachen Beute. Es stört aber auch deren Fortpflanzung. Der Schein trügt also im wörtlichen Sinne: Erhellt zu viel künstliches Licht die Nacht, schmälert das langfristig die Nahrungsgrundlage der Fledermäuse. Auch Rauhautfledermäuse jagen in Parks und Gärten sowie entlang von Waldrändern. Ihren Durst stillen sie wie alle Fledermäuse im Tiefflug über Weihern, Swimmingpools und anderen ruhigen Gewässern. Da die Tage kürzer werden und die Fledermäuse früher am Abend ausfliegen, lässt sich nun all das bequem beobachten. Sogar bei der Rauhautfledermaus: Im Gegensatz zur Zwergfledermaus, die das ganze Jahr bei uns lebt, hat sie die letzten Monate in Nordosteuropa verbracht.

Fledermäuse ums Haus fördern

Jeden Spätsommer legen Rauhautfledermäuse bis weit über 1000 Flugkilometer zurück, um bei uns zu überwintern. Im Frühling geht es wieder zurück. Damit diese energiezehrende Reise aufgeht, brauchen sie viel Nahrung und dunkle Flugkorridore. Auch in Privatgärten und auf öffentlichen Grünflächen lassen sich naturnahe Lebensräume fördern. Rauhautfledermäusen kann man zudem Überwinterungsplätze anbieten. Die Tiere verkriechen sich gerne an witterungsgeschützten Standorten in Scheiterbeigen. Ob eine Scheiterbeige neu errichtet oder ob eine bestehende Holzbeige aufgestockt wird, damit der Brennholzvorrat im Winter nie aufgebraucht wird, spielt keine Rolle. Hauptsache, das Quartier ist bald parat. Der Zeitplan der Fledermäuse ist eben eng! Nach der Paarung beziehen sie sofort ihre Winterschlafplätze. Die Weibchen beweisen auch da Organisationstalent: Obwohl sie sich im Spätsommer paaren, werden sie erst nach dem Winterschlaf trächtig. Sie verschieben dafür einfach ihren Eisprung und damit die Befruchtung ihrer Eizellen auf den Frühling. Fledermäuse haben ihre Agenda voll im Griff!

Auf zur Fledermaus-Pirsch

Wer die Ultraschallrufe jagender Fledermäuse hören will, kann im Naturzentrum Glarnerland gegen einen Unkostenbeitrag einen Ultraschall-Detektor ausleihen. Anlässlich der aktuellen Sonderausstellung über Fledermäuse bietet das Naturzentrum zudem zwei geführte Fledermaus-Spaziergänge zusammen mit dem kantonalen Fledermausbeauftragten Thomas Ortega an: am 20. August 2026 um 19.30 Uhr in Schwanden und am 24. September 2026 um 19.00 Uhr in Niederurnen. Treffpunkt ist jeweils der Bahnhof. Die Anlässe dauern zwei Stunden und finden nur bei guter Witterung statt. Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung nicht erforderlich. Weitere Infos unter www.naturzentrumglarnerland.ch oder Tel.: 055 622 21 82.