«Aber, lieber Beethoven, was haben Sie denn da wieder gemacht.» Mit diesen wenig schmeichelhaften Worten kanzelte Fürst Nikolaus II. von Esterházy die Messe in C-Dur op. 86 von Ludwig van Beethoven ab, die dieser 1807 im Auftrag des Fürsten zum Namenstag von dessen Frau Josepha Maria Hermengild komponiert hatte. Esterházy war mit dem Werk alles andere als zufrieden und rügte den Komponisten und dessen Messe in einem Brief als «völlig lächerlich und abscheulich.» Zum Glück liess sich der berühmte Komponist aus dem Rheinland von solch fürstlicher Enttäuschung nicht ins Bockshorn jagen. Im Gegenteil, Beethoven war von seinem Werk überzeugt und sagt darüber, er habe den Text der Messe behandelt, «wie er noch wenig behandelt worden.»
Dirigent Kurt Müller Klusman führte die C-Dur-Messe im Chor der Stadtkirche auf. Trennwände sorgten dafür, dass der Klang klar und direkt zu den Zuhörenden gelangte. Müller Klusman bemerkte zu Beginn, dass der Tenor des Abends, Simon Witzig, trotz seiner Erkältung singen werde. Die Gesangssolisten Deborah Leonetti (Sopran), Brigitte Kuster (Mezzosopran), Simon Witzig (Tenor) und Peter Brechbühler (Bass) trugen denn auch wesentlich zum Gelingen des Konzerts bei. Müller Klusman dirigierte mit Verve das von Rudolf Aschmann gegründete und heute von Felix Schudel geleitete Neue Glarner Musikkollegium. Auch die Sängerinnen und Sänger des Glarner Kammerchors gaben ihr Bestes, was zu einem hervorragenden Gesamteindruck der Messe führte.
21-jähriger Violinsolist
Als zweites Werk des Abends hatte Müller Klusman nicht von Ungefähr das C-Dur-Violinkonzert von Joseph Haydn gewählt. Erstens werden die Esterházys nicht nur Beethovens, sondern vor allem Haydns Dienstherren, also hatte Haydn auch ihren Musikgeschmack geprägt. Zweitens aber konnte Müller Klusman dem Glarner Publikum den jungen Violinisten Samuel Frühauf präsentieren – und damit eben einen kommenden Star der klassischen Musikszene.
Frühauf faszinierte das Glarner Publikum von Beginn weg. Er meisterte auch die schwierigen, schnellen Passagen – Haydn hatte das Werk 1761 für den italienischen Virtuosen Luigi Tomasini am Hof von Paul Anton Fürst Esterházy komponiert – mit jugendlicher Unbekümmerheit und grossem Können. Das Neue Glarner Musikkollegium begleitete ihn durchsichtig und mit grosser Spielfreude. Besonders stach dabei der Mittelsatz, das Adagio, mit seinem Einsatz der Solo-Violine unter diskreter Pizzicato-Begleitung des Orchesters heraus. Spannend wäre sicher der Vergleich der beiden Konzerträume gewesen – die Näfelser Hilarius-Kirche eignet sich nämlich hervorragend für die Werke der Klassik – aber auch beim Glarner Publikum blieb ein nachhaltiger Eindruck, den es mit grossem Applaus belohnte.




