Melina Nkapou ist 17. Ihre Familie musste aus Togo fliehen, weil der Vater Flugblätter gegen die Diktatur verfasst hatte. Melina besucht den Kindergarten, die Grundschule, die Realschule. Irgendwann wird zu Hause nur noch Deutsch gesprochen. Wenn es in der Schule eine Feier gibt, kocht ihre Mutter zwar afrikanische Spezialitäten, aber Melina isst lieber Bratwurst.
Dann kommt der Tag, der alles verändert. Die Familie wird um 05.00 Uhr morgens von der Polizei aus dem Schlaf gerissen. Ihre Duldung ist abgelaufen. Nun sollen sie nach Togo abgeschoben werden. Sie haben eine halbe Stunde Zeit um 20 Kilo Gepäck für ihr zukünftiges Leben zu packen – ein Leben in Westafrika, das Melina nur aus den Erzählungen ihrer Eltern und aus dem Fernsehen kennt. Eine Reise ins Ungewisse beginnt, an deren Ende ein Land auf sie wartet, dessen Amtssprache Französisch Melina genauso wenig beherrscht wie die Stammessprache Ewe.
Raimou Hamadou ist nach Europa gekommen, um Geld zu verdienen. Er wusste keinen anderen Ausweg, seine Familie zu Hause durchzubringen. Die Tomatenmarkfabrik, für die er in Ghana gearbeitet hatte, war zusammengebrochen. EU-subventionierte Produkte hatten den Markt überschwemmt. Seine abenteuerliche Flucht quer durch Afrika nach Europa endet am Spültisch eines Restaurants.
Sie sind unfreiwillige Passagiere der ersten europäischen Sammelabschiebung. Ein Erfolgsmodell mit EU-Mitteln gefördert, entwickelt von Udo Krapke von der Ausländerbehörde. Ein schnelles Stück, das mit seiner aktuellen Thematik und seinen rasanten Szenen und Figurenwechseln den Nagel auf den Kopf trifft.
«Abflug» basiert auf dem Artikel «Abschiebeflug FH 6842», der im Januar 2008 im «ZEIT-Magazin» erschienen ist. Das Theater Stückwerk hat frei nach dieser Geschichte realer Personen sein Theaterstück entwickelt.
Zirkus Mugg probt für Jubiläums-Varieté «Traumschmiede»



