«Abflug» – eine Ausschaffung hautnah erleben

«Ausschaffung» ist ein Schlüsselwort des Jahres 2010. Doch was steckt dahinter? Das Theaterstück «Abflug» erzählt die Geschichte einer Ausschaffung und den menschlichen Schicksalen, die davon betroffen sind. Ein Theaterstück zwischen den Welten, zwischen Afrika und Europa. Über Fluchtgründe. Über Wege in die Fremde. Über Heimat und Integration. Aufwühlend, berührend, ein Thema, bei dem man nicht wegschauen sollte. Das Stück wird in Zusammenarbeit mit Amnesty International ab Januar 2011 in zehn Schweizer Städten und Dörfern gezeigt. Am Mittwoch, 9. Februar, in der Aula der Kantonsschule Glarus. Die Aufführungen organisieren Amnesty-Gruppen und Aktiv-Mitglieder/-innen.



Das Theaterstück «Abflug» wird am 9. Februar in der Aula der Kantonsschule aufgeführt. (Bild: zvg)
Das Theaterstück «Abflug» wird am 9. Februar in der Aula der Kantonsschule aufgeführt. (Bild: zvg)

Melina Nkapou ist 17. Ihre Familie musste aus Togo fliehen, weil der Vater Flugblätter gegen die Diktatur verfasst hatte. Melina besucht den Kindergarten, die Grundschule, die Realschule. Irgendwann wird zu Hause nur noch Deutsch gesprochen. Wenn es in der Schule eine Feier gibt, kocht ihre Mutter zwar afrikanische Spezialitäten, aber Melina isst lieber Bratwurst.
Dann kommt der Tag, der alles verändert. Die Familie wird um 05.00 Uhr morgens von der Polizei aus dem Schlaf gerissen. Ihre Duldung ist abgelaufen. Nun sollen sie nach Togo abgeschoben werden. Sie haben eine halbe Stunde Zeit um 20 Kilo Gepäck für ihr zukünftiges Leben zu packen – ein Leben in Westafrika, das Melina nur aus den Erzählungen ihrer Eltern und aus dem Fernsehen kennt. Eine Reise ins Ungewisse beginnt, an deren Ende ein Land auf sie wartet, dessen Amtssprache Französisch Melina genauso wenig beherrscht wie die Stammessprache Ewe.
Raimou Hamadou ist nach Europa gekommen, um Geld zu verdienen. Er wusste keinen anderen Ausweg, seine Familie zu Hause durchzubringen. Die Tomatenmarkfabrik, für die er in Ghana gearbeitet hatte, war zusammengebrochen. EU-subventionierte Produkte hatten den Markt überschwemmt. Seine abenteuerliche Flucht quer durch Afrika nach Europa endet am Spültisch eines Restaurants.
Sie sind unfreiwillige Passagiere der ersten europäischen Sammelabschiebung. Ein Erfolgsmodell mit EU-Mitteln gefördert, entwickelt von Udo Krapke von der Ausländerbehörde. Ein schnelles Stück, das mit seiner aktuellen Thematik und seinen rasanten Szenen und Figurenwechseln den Nagel auf den Kopf trifft.

«Abflug» basiert auf dem Artikel «Abschiebeflug FH 6842», der im Januar 2008 im «ZEIT-Magazin» erschienen ist. Das Theater Stückwerk hat frei nach dieser Geschichte realer Personen sein Theaterstück entwickelt.