Abschiedsrede von Mathias Zopfi

Mit folgenden Worten schloss Mathias Zopfi seine Amtszeit als Landratspräsident:




Ich komme damit zu meiner eigenen Abschiedsrede. Im Wahljahr ist es ja jeweils so, dass für den Landratspräsidenten schon im April Schluss ist. Mindestens, was die Sitzungen angeht. Im Amt bleibe ich natürlich schon noch etwas.

Ich möchte meine Abschiedsrede genauso halten, wie es mein Vorgänger, Kollege und Freund Matthias Auer getan hat. Nämlich stehend und – bewusst im Gegensatz zur Antrittsrede – auf Mundart.

Drei Wünsche habe ich bei meiner Wahl geäussert. Mein erster Wunsch war, dass wir beim Politisieren immer an die Menschen denken. Nicht schlecht erreicht, würde ich sagen. Schliesslich haben einige von Ihnen in diesem Jahr mit genau diesen Menschen argumentiert, wenn sie zum Beispiel gegen eine Auflage in der Bauverordnung oder für eine Pflicht im Umweltschutzgesetz votiert haben.

Meine Erfahrung zeigt aber auch, dass vielleicht nicht immer jeder zum gleichen Fazit kommt, wenn er an die Menschen denkt. Das liegt in der Natur der Sache: Wir sind Volksvertreter und sollen die Breite der Bevölkerung auch zum Ausdruck bringen. Da kann nicht jeder gleich ticken.

Wir haben es aber, meine ich, doch geschafft, in diesem Jahr hochpolitische Themen anständig und meist mit den Anliegen unserer Bürgerinnen und Bürger im Hinterkopf zu beraten. Wir sind keine abgehobene Debattierstube.

Dafür danke ich Ihnen, auch im Namen der Menschen, die wir repräsentieren. Ohne kritisieren zu wollen: Wenn Sie das eine oder andere Mal vielleicht noch etwas zusätzlich über den eigenen Tellerrand blicken würden, wäre vielleicht sogar noch mehr zu erreichen.

Mein zweiter Wunsch war, dass wir respektvoll und anständig bleiben. Auch in diesem Punkt bin ich zufrieden. Es gab hitzige Debatten, längere Voten und sogar längere Sitzungen. Schliesslich durfte ich zum ersten Mal in meiner Zeit als Landrat ganztägige Sitzungen erleben. Aber sie sind diszipliniert geblieben und haben die Geschäfte fertig beraten. Bleiben Sie so. Gewichten Sie das Funktionieren und die Würde unseres Rates höher als Ihre eigenen Ideen, Vorstellungen und Emotionen. Das heisst nicht, dass ie diese Emotionen nicht zeigen können. Aber immer mit Respekt vor dem Anderen und vor unserem Rat.

Mein letzter Wunsch war es, dass wir den Landrat stärken. Hier orte ich das grösste nicht genutzte Potenzial. Natürlich, wir haben über eine Teilrevision der Landratsverordnung beraten. Wir haben am einen und andern Ort Zeichen gesetzt. Aber wir haben auch viel Potenzial nicht genutzt.

Jetzt kann man argumentieren, dass es für den Bürger nicht relevant ist, wie der Landrat funktioniert. Da bin ich grundsätzlich anderer Meinung. Wir, meine Damen und Herren, sind die Vertretung unserer Bürgerinnen und Bürger. Wir kontrollieren die Verwaltung an deren Stelle, wir bereiten die Landsgemeinde vor und wir müssen, nicht immer aber ab und zu, ein Gegengewicht gegen die Regierung setzen. Ich schätze unsere Regierung und unsere Verwaltung sehr, aber am Ende sind wir im ganzen Umzug die einzigen Milizler. Wenn wir unsere eigene Rolle geringschätzen, dann werden wir dem Auftrag nicht gerecht, den uns das Glarner Volk und unsere Verfassung erteilt haben. Dann schätzen wir letztlich unsere Wähler gering.

Es ist klar: Der Landratspräsident ist vielleicht der höchste Bürger im Kanton, weil er ausserhalb der Verwaltung steht. Aber unser Landammann ist der höchste Glarner, nicht der Landratspräsident. Nur – wie schon mein geschätzter Vorgänger Martin Baumgartner festgestellt hat – der Landratspräsident vertritt unseren Rat, der die Regierung kontrolliert und deren Ideen stützt, verhindert oder ergänzt. Das ist unsere Aufgabe. Und damit wir diese wahrnehmen können, müssen wir, wo nötig, stark sein und uns auch durchsetzen können.

Auch wenn wir also noch einiges verbessern können betreffend meinem dritten Wunsch, bin ich aber doch zufrieden. Vor allem deshalb, weil wir doch, die Artikel in der Landratsverordnung hin oder her, mit der Regierung gut und konstruktiv zusammenarbeiten. Auch hier dürfte es wenige Kantone geben, die uns noch übertreffen. Das liegt an uns, aber auch an unserer Regierung und der guten Verwaltung.

Ich möchte deshalb zum Dank kommen und Landammann Dr. Rolf Widmer und dem Gesamtregierungsrat für die gute Zusammenarbeit mit dem Landrat im vergangenen, spannenden Jahr und der ganzen Legislatur ganz herzlich danken. Der Verwaltung danke ich für die hervorragende Arbeit und ihren grossen Einsatz.

Speziell danken möchte ich unserem Parlamentsdienst. Allen voran natürlich dem Ratsschreiber Hansjörg Dürst, der als Bindeglied zwischen Landrat und Regierungsrat und als mein Berater hier oben geamtet hat.

Ich danke aber auch und ganz besonders Michael Schüepp, unserem Ratssekretär. Er hat mich nicht nur vorbildlich unterstützt, sondern auf unsere ausserkantonalen Anlässen auch dafür gesorgt, dass ich nicht allzu fest «verhocke».

Dem Ratsweibel Peter Schätti danke ich für seine Arbeit im Hintergrund. Ebenso Esther Beglinger. Ich hoffe, dass mein Dank an die weiteren Mitglieder der Staatskanzlei weitergeleitet wird.

Aber natürlich danke ich auch Ihnen, meine Damen und Herren. Sie haben es interessant gemacht, Ihnen vorsitzen zu dürfen. Ich habe grosse Hochachtung vor diesem Rat und jedem von Ihnen, der sich hier engagiert. Es war mir eine riesige Ehre, als einer der jüngsten Landratspräsidenten der Geschichte dieses Amt ausüben zu dürfen. Speziell danke ich meinen ehemaligen und aktuellen Bürokollegen und namentlich meinem Landratsvizepräsidenten Bruno Gallati. Lieber Bruno, du wirst mit Bravour wieder in den Landrat gewählt und ich verspreche dir: Es macht Spass, diesen Rat ein Jahr präsidieren zu dürfen.

Meine Damen und Herren, ich habe auf verschiedene Engeler angespielt bei meiner Wahl. Etwas fällt nebst allem, was ich damals gesagt habe, auf: Die Engeler bleiben gerne etwas länger. Martin Baumgartner, 37 Jahre, David Baumgartner, 35 Jahre, Leonhard Blumer, 36 Jahre und Alfred Blumer gar 39 Jahre. So lange gehörten meine Engeler Vorgänger dem Landrat an. Und alle wurden in den ersten Jahren ihrer Landratskarriere Präsident. Ich fürchte also, wenn denn der Wähler mitmacht, dass Sie mich noch eine Weile ertragen müssen.

Meine Damen und Herren: Hoch sollen Land und Leute von Glarus und ihr Landrat leben. Ich danke Ihnen für die Aufmerksamkeit.