Acis und Galatea

Verzaubernder Abschluss der Musikwoche Braunwald. Es war eine glückhafte Fügung, dass dieses reizende Werk zum Schluss der 81. Musikwoche Braunwald in der Tödihalle zur Aufführung gelangte.




Einst liebte der Hirte Acis eine Nymphe mit Namen Galatea. Sie war es, die den Zyklopen Polyphem abwies. Bei ihm machten sich Rachegefühle und rasende Eifersucht breit. Im Zweikampf unterlag Acis. Galatea verwandelte ihn in eine emporsprudelnde Quelle.

Der wechselvolle Inhalt dieser Sage aus der Antike war derart reizvoll, dass er von Georg Friedrich Händel, Mozart und andern musikalisch umgesetzt wurde. Es wuchs ein Werk, das rohe Kraft, Anmut, Trauer, innige Zuneigung, Magisches, Abweisendes und Hoffen, viel Liebliches und Verspieltes, Beschwörendes in sich birgt. Händel schrieb 1708 die italienischsprachige Sernade Aci, Galateo e Polifemo. Die englischsprachige Bearbeitung entstand mit grösster Wahrscheinlichkeit im Frühsommer 1718. Sie hat keine Gemeinsamkeiten mit der ersten Komposition. Die Szenen wurden vom Sizilianer Theokrit im dritten Jahrhundert vor Christus und später vom Römer Ovid überliefert. Acis und Galatea war bereits zu Händels Lebzeiten eines der beliebtesten Stücke, das häufig gespielt wurde.

Es war eine glückhafte Fügung, dass dieses reizende Werk zum Schluss der 81. Musikwoche Braunwald in der Tödihalle zur Aufführung gelangte. Ein willkommenes Begegnen war dank der klugen Wahl des musikalischen Leiters, Reto Cuonz, dem aus acht Personen bestehenden Ensemble la fontaine mit Kerstin Kramp, Oboe; Priska Comploi, Blockflöte; Plamena Nikitassova, Johannes Frisch, Giuseppe lo Sardo (alle Violine), Arno Jochen, Violoncelle; Matthias Spaeter, Theorbe und Marttin Zimmermann, Cembalo und Orgelpositiv, engagierten Sängerinnen und Sängern der Chorwoche und den Solisten Jessica Jans, Sopran (Galatea); Jakob Pilgram, Tenor (Acis); Ulla Westvik, Sopran (Damon) und Thill Mantero, Bass (Polypheme) und der Regisseurin Ann Allen gar überzeugend umgesetzt worden.

Die Intentionen der Regisseurin setzen die Chorleute und Solisten bühnenwirksam um. Es ergaben sich berührende Bilder, die nach jeweils wenigen Stellungswechseln wuchsen. Mit vornehmer Aufmerksamkeit und riesiger Präsenz hielt sich der Chor oft im Hintergrund, bildete den Rahmen, in dem sich die berührend wechselvoll und brillant gestaltenden Solisten zu bewegen wussten. Es war in jeder Beziehung bewegend, wie intensiv gesungen und ausgestaltet wurde. Die Solisten sangen ausnahmslos kunstvoll, innig, herzlich, zu den jeweiligen Geschehnissen absolut passend. So kamen Tragik, Trauer, Verspieltheit, Ablehnung und anderes zum Tragen, weckten bei den zahlreichen Besucherinnen und Besucher ganz viel Anteilnahme. Die Orchesterleute prägten das szenische Geschehen in brillanter Abgestimmtheit, riesiger spielerischer Eleganz und Innigkeit mit. Reto Cuonz dirigierte mit ganz viel Anteilnahme, professionellem Engagement und spürbarer Präsenz. Sein Fordern wurde mit viel Aufmerksamkeit umgesetzt.

Es wäre unangemessen, die vielen musikalischen Kostbarkeiten im Detail aufzuführen. In der Fülle des Genusses, der Anteilnahme, des weit fassenden Erlebens ginge zu viel verloren. Es war eine derart innige Reichhaltigkeit, die wohl weit in jede Seele hinein bewegte. Der bedrohlich agierende, herrschsüchtige, misstrauische Polypheme, die verspielte, leidenschaftliche Galatea mit dem mittragenden, helfenden, tröstenden Damon, der Hirte Acis, dem das Schicksal so schlecht gesinnt ist, die mittragenden Chorleute, die so präsent und aufmerksam sangen und die Orchesterleute liessen die zahlreichen Geschehnisse zur farbenreichen Handlung werden.

Man verabschiedete sich mit der Gewissheit, etwas Einzigartigem beigewohnt zu haben. Vieles klang nach. Der herzliche und lange Beifall war mehr als verdient, war auch ein riesiger Dank für dieses exzellente Ausgestalten.