Advent ist, was man daraus macht

Advent: Zeit von Kerzen und Licht, von Besinnung und Stille? Oder von Hektik und Konsum, von Stress und hohen Erwartungen?




Eigentlich ist der Advent eine besinnliche und stille Zeit, in welcher sich die Christenheit auf die Geburt Jesu vorbereitet. Sie wird mit vielfältigen Traditionen feierlich begangen: mit Adventskränzen, deren Kerzen an den vier Sonntagen vor Weihnachten nacheinander angezündet werden. Mit festlichen Dekorationen in Häusern und Gärten. Mit Weihnachtsbeleuchtungen in den Strassen und Schaufenstern. Mit Adventskalendern, die 24-mal Freude bringen und die Wartezeit versüssen sollen. Mit stimmungsvollen Advents- oder Weihnachtsmärkten, wie Glarus soeben einen erlebt hat. Mit Besinnungen, Gebeten und Liedern in den Kirchen. Und mit Weihnachtsguetzlis, die oft selber zu Hause gebacken werden.

Der vom Ursprung her ruhige Charakter der Adventszeit geht jedoch im vorweihnachtlichen Stress häufig verloren. Die Einladung zu Besinnung und Stille als Vorbereitung auf Weihnachten wird von vielen als hektische Zeit wahrgenommen. Die Agenda ist vollgestopft mit Weihnachtsessen und Anlässen, bei denen man dabei sein sollte. Das Jahr neigt sich dem Ende zu – da muss noch alles erfolgreich zu Ende geführt werden. Zudem müssen die Weihnachtsgeschenke eingekauft werden. Und diese sollen noch dazu möglichst originell und einzigartig sein.

Muss dies alles sein? Nein! Schliesslich ist die Adventszeit auf die Geburt Jesu ausgerichtet und nicht auf möglichst viel Rumwirbeln und Kommerz. «Advent ist, was man daraus macht», habe ich irgendwo gelesen. Stimmt! Ich kann mich ausklinken, der Hektik entfliehen, abschalten, die Ruhe geniessen. Das kann durchaus zu magischen Momenten führen. Am Sonntagmorgen habe ich beispielsweise ein Schaumbad genommen. Just als ich im wohlig warmen Wasser lag, ging die Sonne hinter den Bergen auf und liess unser Tal in einer wunderbaren Lichtfülle erstrahlen. Ich konnte nur noch staunen und wurde ganz still.

Ja, Advent ist eine Einladung zur bewussten Stille. Es tut gut, einmal still zu sein, innezuhalten, die Augen zu schliessen, die Geräusche von aussen und die Gefühle von innen wahrzunehmen. Ob kürzer oder länger – es hilft beim Herunterfahren. So schöpft man Kraft, um für die Herausforderungen des Alltags gewappnet zu sein. Aber wie ich diesen Alltag in der Adventszeit gestalte, ist mir überlassen. Sorgen wir auch für Zeiten der Ruhe. Lassen wir Dinge sein, die uns stressen und die wir nicht unbedingt machen müssen. Schenken wir Menschen Zeit, statt teure Dinge zu kaufen. Und denken wir auch an diejenigen, die es schwer haben im Leben.

Früher bereiteten sich die Menschen innerlich auf die Ankunft von Jesus vor: mit Stille, Gebet und Fasten. Aus Stille ist hektisches Treiben geworden, aus Fasten Schlemmen. Wollen wir das? Die Entscheidung liegt bei uns. Eben: Advent ist, was man daraus macht.