Ärztliche Notfall- und Grundversorgung im Glarnerland wird verbessert

Die Glarner Bevölkerung profitiert ab Sommer 2019 von zwei Neuerungen im Gesundheitswesen. Einerseits betreiben die Hausärzte am Wochenende eine Notfallpraxis am Kantonsspital, andererseits unterstützt und verbessert die Schweizerische Rettungsflugwacht Rega mit ihrem Notarzt die Rettungsversorgung im Kanton. Zudem werden die Massnahmen zur Sicherstellung der medizinischen Grundversorgung im Sernftal bis Ende 2020 fortgeführt.




Am 1. Juli 2019 eröffnet am Kantonsspital Glarus eine hausärztliche Notfallpraxis. Anstatt in ihrer eigenen Praxis, werden die Hausärzte ihren Notfalldienst an Wochenenden und Feiertagen künftig am Kantonsspital Glarus leisten. Damit wird die bestehende Zusammenarbeit zwischen der Glarner Ärztegesellschaft und dem Kantonsspital Glarus im ärztlichen Notfalldienst weiter ausgebaut.

Dank der neuen Organisation haben die Patienten bei Notfällen nur noch eine Anlaufstelle. Die leichten Fälle werden in der Notfallpraxis und die schwereren Fälle im Spitalnotfall behandelt. Damit verkürzen sich die Wartezeiten wesentlich. Gleichzeitig werden Kosten gespart, weil Bagatellfälle nicht mehr im infrastrukturintensiven Spitalnotfall behandelt werden. Die zeitliche Belastung durch den Notfalldienst reduziert sich für die Hausärzte, da anstatt wie bisher zwei nur noch ein Hausarzt Notfalldienst leisten muss. Diese Massnahme soll zu einer Attraktivitätssteigerung führen; der Kanton erhofft sich von diesem Lösungsansatz eine Entschärfung des Hausärztemangels.

Der Betrieb einer Notfallpraxis wurde im Rahmen eines Pilotprojekts von der Ärztegesellschaft und dem Kantonsspital bereits im Jahr 2018 erfolgreich getestet. Die Pilotwochenenden sind sehr zufriedenstellend verlaufen. Der ärztliche Notfalldienst kann so langfristig sichergestellt werden.

Da den Hausärzten durch die Organisation des ärztlichen Notfalldienstes und den Betrieb einer Notfallpraxis ungedeckte Kosten entstehen, beschloss der Regierungsrat gestützt auf die von der Landsgemeinde 2019 erlassenen neuen Bestimmungen über die Förderung der medizinischen Grundversorgung eine jährliche finanzielle Unterstützung von 90 000 Franken.

Rega unterstützt ärztliche Notfallorganisation

Die Schweizerische Rettungsflugwacht Rega ist im Kanton Glarus im Rahmen eines befristeten Pilotprojekts ab 1. September 2019 als Notarztzubringerin nicht nur in der Luft, sondern auch am Boden im Einsatz. Hierfür wird, in enger Koordination mit den zuständigen Behörden sowie dem Rettungsdienst des Kantonsspitals Glarus, auf der Rega-Basis Mollis ein Einsatzfahrzeug für den Notarzt stationiert. Während der Betriebszeiten der Basis – tagsüber an rund 280 Tagen im Jahr – kann die Rega so den kantonalen Rettungsdienst um einen Notarzt ergänzen. Bei einem Notfall wird bei Bedarf ein Notarzt – je nach Wetterlage und Örtlichkeit mit dem Auto oder mit dem Helikopter – vor Ort sein, was eine wesentliche Verbesserung gegenüber dem heutigen Zustand darstellt.

Für die Bevölkerung ändert sich an der Alarmierung der Rettungskräfte nichts: Grundsätzlich soll bei einem medizinischen Notfall die Sanitätsnotrufzentrale via Notrufnummer 144 alarmiert werden. Diese bietet die erforderlichen Rettungskräfte auf. Dieses für die Rega derzeit einmalige, zunächst auf ein Jahr befristete Pilotprojekt hat zum Ziel, bereits vorhandene Ressourcen noch besser für die Patientinnen und Patienten zu nutzen.

Fortführung der Sofortmassnahmen im Sernftal bis Ende 2020

Im Sommer 2018 musste der Kanton aufgrund der fehlenden Nachfolge für Dr. med. Thomas Zimmermann in Matt verschiedene Sofortmassnahmen zur Sicherstellung der medizinischen Grundversorgung im Sernftal ergreifen. Die Massnahmen wurden von der Bevölkerung gut aufgenommen und haben sich bewährt. Pro Monat wurden zwischen 18 und 32 Patienten im Alters- und Pflegeheim Sernftal bzw. zu Hause durch Dr. med. Martin Bendel und eine Advanced Practice Nurse (APN, Pflegeexpertin) des Kantonsspitals betreut. Zudem behandelten zwei Oberärzte des Kantonsspitals rund 80–100 Patienten pro Monat in den Praxen von Dr. med. Cornelia Hefti und Dr. med. Renato Kamm in Schwanden.

Der Regierungsrat sprach sich nun für eine Fortführung der ursprünglich bis Ende Juli 2019 befristeten Massnahmen in modifizierter Form aus. Anstelle eines Oberarztes aus dem Kantonsspital wird die Praxis von Dr. Kamm neu bis Ende Jahr entweder von Dr. Bendel oder Dr. med. Ulrich Nägeli an einem Nachmittag pro Woche unterstützt. Im Jahr 2020 wird eine Ärztin oder ein Arzt der Ärzte Netstal AG diese Aufgabe übernehmen. Dr. Hefti konnte mit Dr. med. Christian Erni aus Andelfingen (ZH) zudem einen Hausarzt für ihre Praxis gewinnen. Dr. Erni wird die ärztliche Betreuung der Bewohnerinnen und Bewohner des Alters- und Pflegeheims Sernftal und die Hausbesuche bei immobilen Patienten von Dr. Bendel übernehmen, aber auch Patienten in der Praxis behandeln.

Die Massnahmen sind bis Ende 2020 befristet und kosten den Kanton rund 20 000 Franken. Ab 2021 soll die medizinische Versorgung der Patientinnen und Patienten im Sernftal durch die geplante Gruppenpraxis in Schwanden übernommen werden.

Hinweise für alle Notfallpatienten:

Die Notfall-Telefonnummern bleiben gleich, rund um die Uhr, 7 Tage in der Woche:

  • Hausärztlicher Notfall:
    Glarus Nord: 0844 33 66 33
    Glarus (Mitte): 0844 44 66 44
    Glarus Süd: 0844 55 66 55
  • Schwere Notfälle, bei denen voraussichtlich der Rettungsdienst aufgeboten werden muss: 144