Akuter Mangel an Fachkräften und Auszubildenden

Das vergangene Jahr brachte für sämtliche 1200 Mitglieder des Glarner Baumeisterverbandes eine Vollbeschäftigung. Dies dank einer stabilen Baukonjunktur und trotz einem leichten Rückgang im Schweizerischen Baugewerbe.




Der neugewählte Präsident des grössten Arbeitgeberverbandes des Kantons Glarus, Hannes Schiesser, konnte an der Generalversammlung im Saal vom Braugasthof Adler in Schwanden 14 von insgesamt 15 Mitgliederfirmen begrüssen. Anwesend waren auch sechs Ehrenmitglieder, Regierungsrat und Baudirektor Kaspar Becker, Fridolin Luchsinger, Gemeinderat von Glarus Süd, sowie Marc Aurel Hunziker vom Schweizerischen Baumeisterverband.

Rückgang in der Bautätigkeit

«Beim Schweizerischen Baumeisterverband setzte sich der bereits zu Jahresbeginn 2018 abgezeichnete Rückgang über das gesamte Kahr fort. Der Gesamtumsatz ging dabei um rund 3,5 Prozent auf etwa 20 Mrd. Franken zurück. Im Hochbau um 2,9 Prozent oder gegen 9,96 Mrd. Franken.» Trotz einem Rückgang von rund 700 Mio. Franken müsse festgehalten werden, so Schiesser weiter, dass sich die Umsätze in den letzten Jahren mit jeweils 20 Mrd. Franken recht konstant gehalten hätten. «Ähnlich sieht die Bautätigkeit auch im Glarnerland aus, auch hier gibt es eine stabile Baukonjunktur und wir können auf ein Jahr mit einer Vollbeschäftigung unserer total 1200 Mitglieder blicken.» Infolge starkem Preisdruck konnten aber leider keine grossen Gewinne erwirtschaftet werden. Leider müsse auch vermehrt festgestellt werden, dass Bauaufträge an Firmen vergeben würden, welche nicht dem LMV unterstehen und sich nicht an vorgeschriebene Mindestlöhne oder an Arbeitszeiten halten.

Sorgenkind Auszubildende

«Die Anzahl der Lernenden, welche einen Maurer- oder Strassenbauerberuf erlernen möchten, ist nach wie vor rückläufig.» Im Verband sehe man diesem bedauerlichen Trend nicht untätig zu, sondern man versuche mit diversen Aktionen die Jugendlichen für den Bauberuf zu begeistern. «So werden interessierte Oberstufenschüler aus dem ganzen Kanton für einen Tag ins Maurerzentrum eingeladen, wo ihnen die Berufs- und spätere Aufstiegsmöglichkeiten aufgezeigt werden.» Geplant sei auch die Durchführung der Regionalmeisterschaft der Ostschweiz der Maurer vom 30. Oktober bis 3. November. «Anlässlich diesen Regionalmeisterschaften werden wir auch auf unser Maurerzentrum, das dieses Jahr 40 Jahre alt wird, hinweisen.» Wie Schiesser weiter ausführte, sei aber vermehrt ein sehr starker Mangel an Fach- und Führungskräften zu spüren. «Hier ist noch grosser Handlungsbedarf auch seitens des Verbandes, aber auch der Unternehmen nötig.

Masterplan «SBV-Berufsbildung 2030»

«Im Rahmen des Masterplans «SBV-Berufsbildung 2030» hat der Schweizerische Baumeisterverband den Auftrag, die Berufsbildung im Bauhauptgewerbe zu modernisieren, betonte Marc Aurel Hunziker, Leiter Berufsbildung beim Schweizerischen Baumeisterverband, in seinem kurzen, aber sehr informativen Referat. Das Ziel ist es, genügend und gut ausgebildete Fachleute auf allen Funktionsstufen zu schaffen sowie zeitgemässe, bedürfnisgerechte Grund- und Weiterbildungen für alle Alters- und Funktionsstufen zu erarbeiten. Der Masterplan ist im Januar 2019 gestartet. «Zentrales Ziel ist es, in Zukunft über genügend qualifizierte Berufsleute zu verfügen und ihnen die attraktiven Karriereperspektiven aufzuzeigen.» Ihnen auf diesem Weg aber auch zu helfen, führte Hunziker weiter aus.

Grüsse vom Regierungs- und Gemeinderat

Die Grüsse der Regierung überbrachte der Glarner Baudirektor Kaspar Becker. Er zeigte dabei grossen Respekt und Dank für die Mitarbeiter, welche bei jedem Wetter auf dem Bau oder an den Strassen im Freien mit grossem Einsatz arbeiten. «Ich freue mich, dass sich nun die Stichstrasse im Bau befindet und die Querspange wie auch die Umfahrung Näfels sich in entscheidenden Phasen befinden.» Der Richtplan Stichstrasse Leimen sei vom Regierungsrat angepasst worden und werde in nächster Zeit dem Landrat zur Beratung vorgelegt. «Beim Hochbau ist zurzeit der Erweiterungs- und Umbau auf dem Areal Berufsschule Ziegelbrücke ein wichtiges Thema. Hier spricht man von einem Projekt in zweistelliger Millionenhöhe.»

Die Grüsse der Gemeinde Glarus Süd überbrachte Gemeinderat Fridolin Luchsinger. «Ich unterschreibe pro Jahr gegen 300 Baugesuche und muss mich immer wieder über die verschiedenen, zum Teil sehr unverständlichen Einsprachen Einzelner wundern.» In Braunwald hat man sich über Jahre über die Bauruine des Hotels Alpenblick beklagt, kaum wird ein realistisches Baugesuch eingereicht, wird Einsprache erhoben. Oder ähnlich in Leuggelbach, auch hier haben Einsprachen eine moderne Überbauung verhindert. «Positiv kann ich aber vermelden, dass vor einigen Tagen in Luchsingen der Spatenstich für einen Fabrikneubau für die Firma Orgelbau Mathis stattgefunden hat. Ein weiteres Bauchgesuch mit hohem Wert ist in Luchsingen am Laufen.»

Die traktandierten Geschäfte der Versammlung verliefen wie gewohnt speditiv. Nachfolger für den zurückgetretenen Revisor Hans Heierle wurde Vinz Marti von der Firma Balz Marti AG Linthal gewählt.

Nach einer kurzen Pause erzählte Sergio Menzi in seinem spannenden Vortrag «Tretend unterwegs» von den Erlebnissen einer Ferienreise zusammen mit seiner Lebensgefährtin Ruth Sauter und ihren drei gemeinsamen Kindern Uma, Pepe und Lou. Sie reisten während rund einem Jahr mit fünf Fahrrädern und einem Anhänger durch ganz Europa.

Bei anschliessenden Apéro und einem feinen Nachtessen aus der Küche des Brauereigasthofs Adler hatten die Teilnehmer noch genügend Zeit über Vergangenes und Zukünftiges zu diskutieren.