Alle bestanden Maturaprüfung

«Ein kleiner, aber feiner Maturajahrgang» wurde am Freitagabend in der Aula der Kantonsschule verabschiedet. Alle 42 Maturandinnen und Maturanden bestanden die Prüfungen. Auch Bänz Friedli – Autor, Kabarettist und Sprachkünstler – gratulierte.




Dass alle die Maturaprüfung bestehen, kommt laut Rektor Peter Aebli eher selten vor. Er gratulierte denn auch zur «aussergewöhnlichen Leistung». Allen voran den «Besten der Besten»: Selina Lienhard (Notendurchschnitt: 5,46), Petra Luchsinger (5,32), Andrea Beglinger (5,29) und Helena Golling (5,23). «Packen Sie weiterhin so an, bewahren Sie Ihre Begeisterungsfähigkeit und Ihren Optimismus», sagte er zu allen 42 Lernenden in Anspielung auf die Hochbeete auf dem Pausenplatz, welche die Scheidenden gebaut und gepflanzt hatten. Bei der Ernte werden sie nicht mehr dabei sein.

Die Maturandinnen und Maturanden hätten sich in verschiedensten Bereichen zusätzlich engagiert, was auch für die Lehrpersonen eine grosse Freude gewesen sei. «Sie haben damit einen positiven Beitrag zum Bild geleistet, welches die Öffentlichkeit von unserer Schule hat. Dafür danke ich Ihnen ganz speziell», so der Rektor.


Angesichts der begeisternden Musik an der Feier meinte Peter Aebli, die Kanti habe musikalisch gewaltig aufgerüstet. «Wir sind nicht nur eine Roboterschule, sondern auch musisch orientiert.» Das Schwerpunktfach Musik und die Kanti-Band unter der Leitung von Randy Müller sowie das Harfenduett mit Maren Weisshaupt und Joelle Wachsmuth begeisterten denn auch die fast volle Aula.

Janice Lienhard aus Niederurnen blickte in ihren witzigen und persönlichen Gedanken auf die Schulzeit zurück – vom eher verängstigten Anfang bis zum Ende, «von 100 auf Null». Wenn sie ehrlich sei, werde sie vieles vermissen: die Lehrer, die mit Leidenschaft unterrichteten, das Sekretariat, das BG-Zimmer, schlussendlich auch das Nervige. Das gehöre dazu. «Ich habe die sechs Jahre hier wirklich genossen», meinte sie in ihren Dankesworten. Auch die Maturareise nach Südafrika sei der Hammer gewesen.

Umwege sind manchmal Abkürzungen

Die Gedanken und die Musik hätten ihn beeindruckt, sagte der bekannte Autor, Kabarettist und Sprachkünstler Bänz Friedli. Er habe in seiner humorvollen Ansprache eigentlich coole Sprüche machen wollen – was wohl nicht ganz ernst gemeint war.

«Wisst Ihr, welches das längste Wort in Italienisch ist? Und welches in Englisch?», fragte er die Scheidenden. Er habe dies in der Schule gelernt, sich gemerkt, aber nie mehr gebraucht. «Gelernt ist gelernt. Ich werde es ein Leben lang nicht vergessen. Aber brauchen tu ich‘s nie.» Im Vergleich zu den heutigen Anforderungen sei seine Matura 1984 ein Dreck gewesen: «Wir haben gelauert und gekifft. Heute ist es knüppelhart. Seid stolz auf euch.»

Als Frechheit bezeichnete er den Ausspruch, der Jugend gehöre die Welt. «Wir haben sie an die Wand gefahren. Ihr sollt nun alles ausbaden und aufräumen?» Nur eine kleine Welt stehe ihnen wirklich offen. Dabei werde es als Frau schon in der Schweiz schwierig, obwohl die Frauen immer vorne seien, wenn es um die Matura gehe. Doch ihr Anteil in den Chefetagen und Verwaltungsräten sei erbärmlich.

«Aber euer Leben steht euch offen», betonte der Redner. Die Scheidenden sollten sich nicht verwirren lassen von den «896 möglichen Studienrichtungen oder Berufswegen» in der Schweiz. «Es gibt keine richtigen oder falschen Entscheide.» Eventuell lerne man etwas «für nichts, für die Füchse», wie er zum Beispiel Altgriechisch. «Aber ich habe es geliebt. Das ist wie ein Schatz in mir drin.»

Zunächst sollten die Maturandinnen und Maturanden nun chillen und dann mit Freude und Leidenschaft das machen, was sie gerne täten. Auch mit Umwegen notabene: Diese sowie auch Krisen oder Zweifel, Irrungen und Wirrungen, hätten ihn erst zu dem gemacht, was er heute sei. Ein Umweg sei manchmal eine Abkürzung zu sich selber. «Nehmt euch Zeit. Es kommt gut», so der Redner.

Bildungsdirektor Benjamin Mühlemann überbrachte die Grüsse und Glückwünsche der Glarner Regierung und des Kantonsschulrates: «Sie dürfen stolz sein, Sie haben Grosses erreicht.» Im Vergleich mit seinem Vorredner, der im Matura-Alter Gemeinderat und damit jüngster Exekutivpolitiker der Schweiz gewesen sei, würdigte er speziell die 19-jährige Rafaela Hug, Maturandin und neu gewähltes Mitglied der Schulkommission von Glarus Süd. «Solche Schlagzeilen möchte ich gerne mehr lesen», sagte der Regierungsrat, ehe er den drei Klassen die Maturazeugnisse übergab. Von den Klassenlehrern gab es zusätzlich eine Rose.