Amanda (est lingua Latina)

Am Montag vor den Sportferien nahmen die Schüler der Klassen 2A und 2B der Kantonsschule Glarus an einem Lateinwettbewerb teil, der vom Verein Forum Alte Sprachen Zürich, zu dem die Fachschaft Latein der Kantonsschule Glarus als einzige ausserkantonale Fachschaft angehört, organisiert wurde.



Die Sieger der Klasse 2B v. l. n. r. Curdin Brugger (3.)
Die Sieger der Klasse 2B v. l. n. r. Curdin Brugger (3.)

Der Verein Forum Alte Sprachen Zürich führt Lateinwettkämpfe an Kantonsschulen durch. Für die zweite Kantonsschulstufe gibt es jeweils einen Wettkampf, ein certamen, das einerseits den Schulstoff thematisiert, andererseits auch auf das Latein im Alltag eingeht. Ziel dieses certamen soll es sein, bei den Schülern Freude an Sprachen zu wecken, sie zu ermuntern, sich auch in ihrer Freizeit mit Sprache auseinanderzusetzen, sie zu hinterfragen. Für die besonders talentierten Lateinschüler der 5. Kantonsschulstufe findet alljährlich das certamen Turicense statt, bei dem die Schüler einen lateinischen Text über das mittelalterliche Zürich übersetzen, kommentieren und interpretieren müssen. Ziel dieses Wettkampfes ist es, Schüler für einen Studiengang der klassischen Sprachen (Latein und Griechisch) zu gewinnen. Daneben organisiert das Forum Alte Sprachen auch von Zeit zu Zeit Events, die mit Latein und Griechisch zu tun haben. So konnten letzten Dezember einige willige Kantonsschüler aus Glarus in Zürich einem Vortrag über Gladiatoren lauschen und römische Legionäre beim Exerzieren beobachten.

Dass sich das Latein zwar als Sprache nicht mehr verändert, heisst nicht, dass es tot ist, nur verändert sich eben nicht die Sprache, sondern der Lerninhalt. Stand früher stures Formenlernen, also die grammatikalische Kompetenz, im Vordergrund, sieht sich das Latein heute als Königsweg zu den modernen Fremdsprachen, lebt es ja in den romanischen und teilweise in den germanischen Sprachen weiter, und zu einer guten Allgemeinbildung. So soll der Lateinunterricht dazu dienen, auf die modernen Sprachen einzugehen und zwar so, dass eine fächerübergreifende Zusammenarbeit entsteht, zum Wohle der sprachlichen Ausbildung. Da Latein im Gegensatz zu den anderen Fremdsprachen nicht oral beherrscht werden muss, bleibt Zeit, auf Grundlagen der menschlichen Sprache einzugehen: Ziel sollte es sein, den Schülern aufzuzeigen, wie Sprache gebildet wird, was für sprachübergreifende Gemeinsamkeiten es gibt, wie sich Sprache verändert. Der Lateinunterricht soll aber auch dazu dienen, die heutige Welt besser verstehen zu lernen, indem man sich mit der Kultur der Antike auseinandersetzt: Zukunft braucht Herkunft!

Hätten Sie gewusst, dass der Name Kalifornien, wo so angesagte Serien wie O.C. California oder Laguna Beach spielen, ursprünglich aus dem Lateinischen stammt? Was bedeutet er wohl? Wir geben Ihnen hier eine kleine Auswahl: schöner Platz; bebender Spalt; heisser Ofen; glänzender Sand.

So sah eine der 36 Multiple-Choice-Fragen zu den Hauptbereichen Grammatik und Latein im Alltag aus, welche die Klassen 2A und 2B Kantonsschule Glarus vorgesetzt bekamen. Aber warum in die Ferne schweifen, hat unsere Schweiz doch reichlich Lateinisches zu bieten! Wir wussten schon vor den Miss Schweiz-Wahlen, wer das Rennen machen wird: nomen est omen! Der Vorname der amtierenden Miss Schweiz, Amanda Ammann, stammt nämlich aus dem Lateinischen. Was bedeutet er wohl? Auch hier geben wir Ihnen wieder vier Lösungsvorschläge: die, welche man ehren muss; die, welche man wählen muss; die, welche man gewinnen muss; die, welche man lieben muss. Wenn Sie der Meinung sind, eine Miss Schweiz sei nicht typisch genug für unser Land, hoffen wir, Sie mit folgender Frage gnädig zu stimmen. Wie heisst der wohl bekannteste Song von Patent Ochsner, in dem eine römische Göttin in urchig-schweizerischer Rechtschreibung vorkommt? E. Lena vo Bümpliz; W. Nuss vo Bümpliz; D. Meter vo Bümpliz; I. Vana vo Bümpliz. Immer noch nicht überzeugt? Wie wäre es dann mit unserem Landeskürzel CH, mit dem Sie auf unserem Münzgeld oder auf Nummernschildern wohl täglich in Kontakt kommen? Wofür steht das CH? Concilium Hellesponticum; Civitas Helvetica; Confoederatio Helvetica; Cursus Honorum.

Wir hoffen, Sie ein wenig überzeugt zu haben, dass Latein eben doch nicht so tot, verstaubt ist, wie viele meinen und wollen hier gleich noch die Gelegenheit nutzen, uns bei der Bücherei Baeschlin und natürlich bei allen Schülern der Klassen 2A und 2B recht herzlich zu bedanken und gratulieren victoribus victricibusque certaminis Glaronii MMVIII:

Klasse 2A

1. Platz Thomas Schranz

2. Platz Florian Keller

3. Platz (geteilt) Andreas Hug und Darius Müller

Klasse 2B

1. Platz (geteilt) Lisa Hämmerli und Judith Sigrist

3. Platz Curdin Brugger

Ach ja! Hier sind noch die Lösungen zu den im Text eingestreuten Fragen:

Kalifornien kommt von calidus (heiss) und furnus (auch fornus; Ofen), also: heisser Ofen. Amanda kommt von amare (lieben) mit Gerundivum amanda, also: die, welche man lieben muss. Der Song von Patent Ochsner heisst W. Nuss vo Bümpliz; W. Nuss = Venus, die römische Göttin der Liebe. CH steht für Confoederatio Helvetica (wörtlich: helvetische Bündnisgemeinschaft) = Die Schweizerische Eidgenossenschaft.

Forum Alte Sprachen Zürich

Fachschaft Latein Kantonsschule Glarus