„Anderes Verständnis von Ämtern“

In seinem Vortrag führte Hans Rudolf Stauffacher die Gäste des Freulerpalastes in eine vordemokratische Zeit. In eine Zeit in der politische Ämter aus Gründen der Fairness durch Los verteilt wurden.



Von Pannerherrn und Landvögten: Historiker Hans Rudolf Stauffacher referierte über die Zeit der Loskugeln im Glarnerland. (Bild: jhuber)
Von Pannerherrn und Landvögten: Historiker Hans Rudolf Stauffacher referierte über die Zeit der Loskugeln im Glarnerland. (Bild: jhuber)

„Von Demokratie konnte damals keine Rede sein.“ Das „damals“ von dem Hans Rudolf Stauffacher in seinem Vortrag sprach, war das 17. und 18. Jahrhundert. Die Zeit in der über gewissen Teil der politischen Ämter per Los bestimmt wurde. Dies vor allem, weil vorher mit unlauteren Mitteln Stimmen erworben wurden, die Prestige oder Geld versprachen. „In dieser Zeit waren solche Ämter persönlich und man legte der Öffentlichkeit keine Rechenschaft ab,“ erklärte Stauffacher, der in den 80er Jahren seine Dissertation zu diesem Thema verfasste. Um den „Ämterkauf“ vor allem als Landvogt, oder den Schrankenämtern – Pannerherr oder Zeugherr – zu unterbinden, wurden ab 1630 die Lose eingeführt. Doch auch in dieser Phase bliebt die macht im Lande Glarus auf einige einflussreiche und mächtige Familien beschränkt. „Wie das Losbuch zeigte, vielen alle wichtigen Ämter in dieser Zeit den gleichen Familien zu.“ Dass nicht immer alles mit Rechten Dingen zu ging, kann man auch davon ableiten, dass eine Person über 20 Jahre das gleiche Amt inne hatte, bei einer Amtszeit von 2 Jahren. Wie dem Glück ein wenig nachgeholfen wurde ist nicht immer überliefert. Es ist möglich, dass manchmal, das Los „weiterlief“. „Oftmals war auch so, dass kaum Gegenkandidaten aufgestellt wurden.“ Der Vortrag „Mit Losglück ins Landesamt“ war gleichzeitig der Auftakt des Zyklus „Glanzlichter aus der Sammlung“. Wie Christoph Zürrer erwähnte, ruhen wohl rund 80 % des Inventars des Landesmuseums im Archiv. Der Zyklus ist dabei eine gute Möglichkeiten einzelne Bijous wieder ans Licht der Öffentlichkeit zu bringen. Und auch für den Referenten waren die runde (reformierten) und (ovalen (katholischen) Loskugeln sicher ein Glanzlicht. Denn, obwohl seine Arbeit immer noch die ausführlichste und profundeste zu diesem Thema ist, hat Stauffacher selber die Loskugeln bisher noch nicht zu Gesicht bekommen.