Andreas Hefti präsidiert neu die Synode

Im Zeichen von Wahlen, Finanzen und hohem Besuch stand die Herbst-Synode der Evangelisch-Reformierten Landeskirche des Kantons Glarus. Neuer Synodepräsident wurde Andreas Hefti aus Glarus.




Die Synode begann am Donnerstagmorgen mit einem Gottesdienst in der Stadtkirche Glarus, gestaltet von Dekan Christoph Schneider, Pfarrer im Grosstal. «Wer ist mein Nächster?», fragte er in seiner Predigt, in welchem es ihm am Beispiel des barmherzigen Samariters um den Rahmen und nicht ums Bild ging. «Hilfreich wäre, wenn wir sagen könnten, wer wir sind. Was bedeutet es, reformiert zu sein?»

Aber es stelle sich auch die Frage, ob es nötig sei, «die eigene Existenz und Haltung selbst zu rechtfertigen». Der Unterschied besteht laut dem Dekan nicht darin, wer dazu gehört und wer nicht, sondern in unserer Haltung. Nicht in der Theorie leerer Formeln, sondern im praktischen Tun: «Die Antwort heisst nicht fragen, sondern der Barmherzigkeit folgen.»

Mehr Einheit ohne mehr Zentralismus?

Über «Unsere Kirche für morgen» referierte anschliessend Pfarrer Dr. Gottfried Locher, Ratspräsident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes. Er stellte die neue Verfassung der «Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS)» vor, die 2020 in Kraft treten soll.

«Wir werden kleiner», betonte der hohe Gast vor den Synodalen. Gab es vor 50 Jahren noch etwa 50 Prozent Katholiken und 50 Prozent Reformierte, sind es heute noch rund 40 Prozent Katholiken und 25 Prozent Reformierte. Fast eine Million Schweizer gehören nicht mehr einer Landeskirche an. Im Wachstum befindet sich der Islam, dessen religionsbewusste Kultur eine Herausforderung für die Zukunft darstellt.

So entsteht eine neue Religionslandschaft. «Wir müssen mehr zusammenarbeiten, sonst fällt der Protestantismus zusammen», sagte der Ratspräsident. Aber wie erreicht man mehr Einheit ohne mehr Zentralismus, der in reformierten Kreisen ja verpönt ist?

Der Schweizerische Evangelische Kirchenbund, 1920 als politischer Dachverband der reformierten Kirchen gegründet, soll nach 100 Jahren übergehen in eine Kirchengemeinschaft unter dem Namen «Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz». Der Name bedeutet, dass die EKS selbst Kirche ist, deren Auftrag klar und präzis definiert ist: Das Evangelium von Jesus Christus in Wort und Tat zu verkündigen. Durch Wort und Sakrament, Diakonie und Seelsorge, Erziehung und Bildung.

Einheit in der Vielfalt

Dies soll auf drei Ebenen gelebt werden: national durch die EKS, kantonal durch die Mitgliedkirchen, lokal durch die Kirchgemeinden. Und zwar durch ein engeres Miteinander und Zusammenwirken.

Die Leitung dieser Kirchengemeinschaft wird neu dreiteilig: synodal (die bisherige Abgeordnetenversammlung wird durch eine nationale Synode mit neuer Gewichtung der Stimmkraft ersetzt), kollegial durch den Rat und personal durch die Präsidentin oder den Präsidenten. «Man muss uns sehen, das ist mir ein Herzensanliegen», sagte der Ratspräsident bezüglich Vertretung in Politik und Gesellschaft. Dabei seien persönliche Beziehungen sehr wichtig.

Die anschliessende, kurze Diskussion kreiste um die Volkswahl von Pfarrpersonen, das Abrücken der Schulen, den Zerfall der Solidarität und die Veränderungen, die nach vorangegangener Kritik nun zur Akzeptanz der neuen Verfassung geführt haben. Wobei die Schlussabstimmung noch aussteht. Sie soll am 18. Dezember in Bern erfolgen.

Neue Amtsperiode

Nach einer Kaffeepause dislozierten die Synodalen samt Gottfried Locher in den Landratssaal. Da eine neue Amtsperiode begann, oblag die Eröffnung der Synode dem Dekan. Christoph Schneider befasste sich in seiner Ansprache mit dem Populismus und der Überforderung durch die Freiheit, der Herrschaft der eigenen Meinung sowie dem technischen Fortschritt.

«Reformiert ist anders», betonte er. Wie denn? «Dogmatisch gesprochen: Die Königsherrschaft Jesu Christi, die Befreiung zum verantwortlichen Handeln durch Kreuz und Auferstehung, die Entzauberung irgendwelcher anderer Autoritäten.»

Umfangreiche Wahlgeschäfte

Dann folgten die Wahlen. Als Nachfolger von Hans Thomann bestimmte die Synode zunächst Andreas Hefti aus Glarus zum neuen Synodepräsidenten. Dieser stellte drei Gedanken an den Anfang seiner Amtszeit.

Erstens: Wir sollten Sorge tragen zur Verankerung der Landeskirche in der Verfassung des Kantons Glarus. «Wir müssen eine öffentliche Institution mit einer klaren – reformierten – Botschaft bleiben und dürfen uns nicht in das private Schneckenhaus zurückziehen.»

Zweitens: Wir dürften vor lauter Papier und Elektronik unseren Auftrag nicht aus den Augen verlieren. «Das innere Feuer des Evangeliums können wir nicht mit Papier einfangen, wir müssen es leben. Denken wir also bei unserem Handeln stets daran, ob wir nur Papier produzieren oder etwas bewirken.»

Drittens: «Man kann ein Parlament auch mit Humor leiten. Dies werde ich versuchen.» Der Applaus war ihm gewiss.

Als Vizepräsidentin der Synode bestätigt wurde Regierungsrätin Marianne Lienhard, als Aktuarin Jacqueline Paysen-Petersen aus Schänis. Neue Stimmenzähler im Büro wurden Hansheinrich Hefti aus Schwanden und Michael Wachsmuth aus Mitlödi.

Bestätigt wurden weiter Pfarrer Ulrich Knoepfel als Präsident des kantonalen Kirchenrates sowie die verbleibenden Mitglieder Otto Wyss aus Luchsingen, Barbara Hefti aus Schwändi und Pfarrer Sebastian Doll aus Glarus. Ihren Rücktritt eingereicht hatten Quästorin Rosmarie Figi sowie Andrea Trümpy und Pfarrer Peter Hofmann. Neu gewählt wurden Daniel Jenny aus Riedern als Quästor und Pfarrerin Christina Brüll Beck aus Mollis als Mitglied des Kirchenrates. Ein Sitz bleibt vorderhand vakant.

Hansheinrich Hefti ersetzt Andreas Hefti als GPK-Präsident. Als Beauftragte für die Rechnungsrevision beliebten Susanne Abesser aus Ennenda und Ruth Kälin aus Mollis. Weitere GPK-Mitglieder sind Elisabeth Fischli aus Niederurnen sowie neu Daniel Sprüngli aus Luchsingen.

Hansjürg Gredig aus Schwanden vertritt weiterhin die Glarner Kirche in der GPK der Stiftung Pensionskasse Evangelisch-Reformierter Kirchen der Ostschweiz. Und Pfarrer Beat E. Wüthrich aus Matt wird an der Herbst-Synode 2019 predigen.

Budget gutgeheissen

Unbestritten blieb das Budget 2019, welches bei einem Gesamtaufwand von 1,189 Millionen Franken und einem Gesamtertrag von 1,177 Millionen ein Defizit von rund 12 000 Franken ausweist. Der Steuerfuss bleibt unverändert bei 1,8 Prozent (0,2% Finanzausgleich, 1,35% Aufgaben Landeskirche, 0,25% Baufonds). Zur Kenntnis genommen wurde der Finanzplan 2019–2023, welcher eher dunkle Wolken vorhersagt.

Diskussionslos passierte auch ein Beitrag von rund 37 000 Franken aus dem Baufonds für Pflästerungen um die Kirche Elm.

Zurückgewiesen wurde hingegen auf Antrag von Hans-Markus Stuck, Niederurnen, mit 23:20 Stimmen eine Totalrevision der synodalen Verordnung über den Auftrag der Kirche im Bereich Ökumene, Mission und Entwicklungszusammenarbeit. Er störte sich vor allem an einigen «unklaren und schwammigen Festlegungen».

Kirchenratspräsident Ulrich Knoepfel informierte über den gesundheitlich bedingten Rücktritt von Christoph Schneider als Dekan. Vizedekanin Dagmar Doll übernimmt interimsweise die Geschäfte. An der Frühlings-Synode vom 6. Juni 2019 wird sich dann Peter Hofmann zur Wahl stellen.

Anwesend war zudem die neue Kirchenratsschreiberin Sandra Felber aus Rüti ZH; sie stellte sich den Synodalen persönlich vor. Am 1. Mai 2019 wird sie die Nachfolge von Sekretariatsleiter Markus Beerli übernehmen.

Schliesslich verabschiedete Andreas Hefti mit persönlichen Worten seinen Vorgänger Hans Thomann, Stimmenzähler Matthias Peters sowie Andrea Trümpy, Rosmarie Figi und Peter Hofmann vom kantonalen Kirchenrat. Alle bekamen nebst Geschenken einen langen, verdienten Applaus vom reformierten Kirchenparlament.