Die ganz spezielle Näfelser Fahrt im Bann des Corona-Virus.

Die ganz spezielle Näfelser Fahrt im Banne des Corona-Virus. Der Erlebnisbericht eines Glarners, der Jahr für Jahr an der traditionellen Fahrt teilnahm.



Eigentlich hätte ich heute im Auftrage der Redaktion des Internetportals www.glarus24.ch über die Näfelser Fahrt 2020 in Wort und Bild berichten müssen. Doch es kam alles anders! Ein kleiner Fiesling namens Covid-19 hat mir ein Strich durch die Rechnung gemacht. Bekanntlich wurde die Näfelser Fahrt 2020 vom Regierungsrat des Kantons Glarus schon vor Wochen aufgrund der ausserordentlichen Lage und der lebensbedrohlichen Situation wegen des zur Pandemie gewordenen Corona-Virus, und gestützt auf die Anordnungen und Empfehlungen des Bundesrates und des BAG (Bundesamt für Gesundheit) wohlweislich ersatzlos gestrichen. Um es vorweg zu nehmen: Es wäre eine tolle Fahrt geworden.

Im Unterschied zum letzten Jahr, wo es «Metzgerblusen» schneite und die Mützen der Musikanten mit einer dicken Schicht Schnee auf ihren Hüten bedeckt waren, strahlte am heutigen Tag der Fahrt von morgens früh bis in den späten Nachmittag die Sonne. Obwohl es in der Frühe recht kalt war, hätte die wärmende Frühlingssonne nicht nur die Natur, sondern auch die Herzen der momentan gebeutelten Menschen in unseren Landen erreicht. Jung und Alt erlebt täglich ein Wechselbad der Gefühle voll Angst vor einer Ansteckung, Trauer und die lieben verstorbenen und Beklommenheit über das Ungewisse, welches wie ein Damoklesschwert über unseren Köpfen schwebt.

Nichtsdestotrotz habe ich heute an und auf den Hotspots der Näfelser Fahrt einen Augenschein genommen und diese fotografiert. Auf dem ganzen Weg von Glarus über Netstal nach Näfels sind mir insgesamt vier Personen mit grossem Abstand begegnet. Ein Gespräch kam nicht zustande, einzig an dem mittlerweile berühmt-berüchtigten Ort, wo ein sonst mit Kinderhänden geschmückter Gedenkstein immer wieder von einer Person mit Ästen überdeckt wird, in der irrigen Meinung, er könne die Behörde mit seinen sinnlosen Aktionen beeindrucken. Nachdem sich dieser als Besitzer der Liegenschaft erkenntlich gab und, mich mit seinem Handy fotografierte und mir schlussendlich noch den Stinkefinger zeigte, verliess ich unverrichteter Dinge diesen Ort des Grauens, als ob wir nicht schon genug Gräuel hätten! Ansonsten herrschte überall eine gespenstische, beklemmende Ruhe. Die Strassen und Plätze in Näfels, dort wo sonst ein emsiges Treiben herrschte, waren menschenleer. Auf dem Fahrtsplatz, welcher mit parkierten Autos vollbesetzt war, überbrachte ein Postbote ein Paket in ein benachbartes Haus. Das Restaurant Rössli, wo sonst viele Fahrtgänger einen ersten Marschhalt einlegen oder dabei die legendäre Bratwurst als Stärkung diente, war sowieso geschlossen. Wirtin «Olgälis» Gesundheit liess es leider nicht mehr zu, das Kultrestaurant für die Fahrtsgäste zu öffnen. Auf dem Weg zur St. Hilarius-Kirche begegnete mir einzig und allein ein bekannter Näfelser Politiker, der die Stille der Kirche zum morgendlichen Gebet benützte. Einzig beim Schlachtdenkmal turnten einige Kinder herum und ein bekannter Glarner Historiker liess sich von einem ebenso bekannten Fotografen ablichten. Ansonsten herrschte im Dorf, wo am 9. April 1388 die Schlacht stattfand, eine gespenstische Ruhe.

Die Geschichte der Näfelser Fahrt 2020 wird wegen dem Corona-Virus die Annalen füllen. Hoffen wir alle, dass uns dieser ungebetene «Gast» rasch möglichst verlässt und wir uns umso mehr auf die Näfelser Fahrt 2021 freuen können.