Anna Göldi – die Suche nach ihrer Identität

Das Anna-Göldi-Museum bot einen spannenden Abend mit der berühmten Schweizer Schriftstellerin Eveline Hasler, der renommierten Filmemacherin Gertrud und mit Sachbuchautor Dr. Walter Hauser. Das Thema «Anna Göldi – eine Frau – hundert Bilder» war eine hochinteressante Retrospektive auf das Leben der Magd aus dem rheintalischen Sennwald.




Wer war Anna Göldi? Es ist die immer wiederkehrende Frage unzähliger Schriftsteller, Historiker, Politiker, Künstler, Journalisten und vieler gewöhnlicher Menschen. Wer war die Anna Göldi, wie sah sie aus, wo kam sie her? Alles Fragen und Spekulationen, die im Konsens nicht vielfältiger sein könnten.

Ein freier Blick, der Angst macht

Die drei Bilder, welche von Hasler, Hauser und Pinkus gezeichnet wurden, waren in der Stossrichtung identisch. Hasler beschrieb in der Szene, in der Anna Göldi von Frau Tschudi bei der Anstellung «begutachtet» wurde und feststellte: «Eine Magd, der man etwas zumuten kann, erfahren und bewandert.» Doch die aufrechte Haltung, der freie Blick habe der Frau Doktor auch Angst gemacht. Hauser beschrieb Göldi als getriebene Frau, stets auf der Flucht. Sie sei offenbar sehr liebevoll mit den Kindern umgegangen, auf der anderen Seite sehr bestimmt bis hart aufgetreten, beispielsweise, als sie sich gegen ihre Entlassung beim Camerarius und beim Landammann gewehrt habe. Pinkus schilderte die Schwierigkeiten, für ihre starke Anna die passende Schauspielerin zu finden. Alle drei Vortragenden verwiesen darauf, dass ihr Anna-Bild aufgrund intensiver, sehr aufwendiger und umfassender Recherchen Arbeit in allen zur Verfügung gestandenen Ur-Quellen entstanden sei.

Spannende Annäherungen an Annas Person

Trotzdem: Je mehr man sich mit der Geschichte auseinandersetzt, desto mehr zeigt sich offenbar, dass Anna Göldis Biografie zu unscharf für ein klares Bild ist, und so bleibt in Vielem oft nur die Interpretation. Hasler, Pinkus und Hausers Bilder sind auf jeden Fall spannende Annäherungen an Annas Person und ihr Umfeld. In der anschliessenden Diskussionsrunde wurden von den Anwesenden ganz persönliche Anna-Göldi-Bilder gezeichnet und viele Fragen aufgeworfen.

Für einen phänomenalen musikalischen Background sorgten Komponist und Pianist John Wolf Brennan, der Vokalist und Multiinstrumentalist Tony Majdalani sowie die stimmgewaltige Sängerin und Jodlerin Sonja Morgenegg, die einen eigens von Brennan komponierten «Song for Anna» vortrugen. Fazit der Veranstaltung: Ein toller, hochinteressanter und bereichernder Abend ganz im Banne von Anna Göldi.