Der kantonale Kirchenrat der Reformierten Glarner Kirche nehme zur Kenntnis, dass der Landrat die Regierung beauftragt habe, für Anna Göldi eine formale Rehabilitation vorzubereiten. Dies sei ein politischer Entscheid, der demokratisch zustande gekommen und deshalb zu akzeptieren sei. «Der Druck der Medien war dabei sehr gross», sagte Pfarrer Alfred Meier an der Synode.
Der kantonale Kirchenrat halte daran fest, «dass das Schicksal der Anna Göldi und die damaligen Umstände, die zum Todesurteil führten, uns heute herausfordert, uns zu engagieren gegen ungerechte und unwürdige Zustände von Frauen». Zudem halte der Rat daran fest, dass der Fall Göldi auch zu einem Fall Steinmüller geworden sei: «Der Schlosser Rudolf Steinmüller entzog sich dem genau gleichen Urteil, wie es über Anna Göldi gefällt wurde, durch Suizid.» Wenn man wisse, wie zu dieser Zeit mit Menschen, die Suizid begingen, bezüglich Bestattung umgegangen worden sei und was dies für ihre Angehörigen bedeutete, müsse man sich dafür engagieren, «dass auch dieser Teil unserer Geschichte aufgearbeitet wird, umso mehr da ja auch das Vermögen den Hinterbliebenen entzogen wurde».
Wie auch immer nun die politische Rehabilitation von Anna Göldi angegangen werde – der kantonale Kirchenrat beharre darauf, dass, wie 1989 und 1990 die Synode bereits entschieden habe, das heutige Engagement im Mittelpunkt zu stehen habe: «Den Anna-Göldi-Fonds gilt es neu aufzuwerten. Frauen in unwürdigen Zuständen in der Schweiz gilt es zu schützen und zu unterstützen, zum Beispiel im Bereich des Frauenhandels und der Zwangsprostitution, wo Betroffene praktisch heute noch chancenlos sind, sich aus diesen Zuständen auf humane Weise zu befreien. Und in der Begleitung und Unterstützung von Angehörigen von Menschen, die Suizid begingen, respektive in der Präventionsarbeit gilt es aktiv zu werden usw.»
Der kantonale Kirchenrat werde den Prozess, den der Landrat jetzt angestossen habe, «weiterverfolgen, entsprechende Gespräche führen und am Ball bleiben», so Alfred Meier.




