Antrittsrede Landratspräsident Samuel Zingg

Der frisch gewählte Landratspräsident Samuel Zingg begann seine Amtsperiode an der heutigen Landratssitzung mit folgenden Worten.



(Bild: jhuber)
(Bild: jhuber)

Meine Damen und Herren

ich danke Ihnen für das Vertrauen, das Sie mir mit der Wahl zum Präsidenten des Landrates entgegenbringen. Es ist mir eine grosse Ehre und zugleich eine Verpflichtung, dieses Amt in den kommenden Monaten auszuüben.

Mein Dank gilt zuerst meinem Vorgänger für seine ruhige und sorgfältige Amtsführung, dem Ratssekretariat für die verlässliche Vorbereitung und Unterstützung und Ihnen, liebe Kolleginnen und Kollegen, für Ihre Bereitschaft, Verantwortung für die Zukunft unseres Kantons und seiner Bewohnerinnen und Bewohner zu übernehmen.

Neben Ihnen, stellten sich auch einige Kolleginnen und Kollegen aus der letzten Legislatur weiterhin zur Verfügung. Doch unser Proporzwahlsystem ist streng objektiv und damit manchmal auch unendlich grausam. Verdiente und teilweise langjährige Kolleginnen und Kollegen sind heute nicht mehr im Rat dabei. Nicht, weil ihr Einsatz für Land und Leute schlecht war, sondern weil eine Proporzwahl dies so vorsieht. Ich möchte an dieser Stelle den Moment nutzen, um sie zu verabschieden und um ihnen einen grossen Dank auszusprechen. Danke
- Euphemia Elmer,
- Bruno Gallati,
- Marius Grossenbacher,
- Hans Jenny,
- Benjamin Kistler,
- Nadine Landolt Rüegg,
- Beat Noser,
- (This) Matthias Schnyder,
- Hans Schubiger,
- Dominique Stüssi,
- Barbara Vögeli und
- Martin Zopfi.
Danke für euren Dienst an Land und Volk.

 

Mein grösster Dank gilt jedoch meiner Familie und meinen Weggefährten für ihre Unterstützung. Nur so ist und wird es für mich möglich sein, dieses Amt auszuüben.

Den Aufgaben im kommenden Jahr, die Vertretung des Landrats nach Innen und Aussen, aber auch die Leitung der Landratssitzungen, sehe ich mit Freude, aber auch mit Respekt entgegen. Ich danke Ihnen bereits heute für Ihre Unterstützung und Ihre Nachsicht bei Fehlern, denn diese werde ich sicher machen.
Daraus zu lernen und denselben Fehler nicht zweimal zu machen, ist mein Ansporn. Diesen Ansporn möchte ich auch bei meiner täglichen Arbeit an die hoffentlich künftigen Vertreterinnen und Vertreter unseres Kantons weitergeben, den Jugendlichen an der Schule.

Unsere heutige Welt befindet sich mitten in Krisen. Die Entwicklung der Gesellschaft hin zu einem individuellen Freiheitsverständnis das zunehmend in Egoismus mündet und sich hinter dem Gedanken einer unbegrenzten Freiheit versteckt. Ein Krieg, der in Europa nun bereits über vier Jahre wütet. Und weitere Kriege und bewaffnete Konflikte überall auf unserem Planeten. Diese Krisen lassen die Herausforderungen im Kanton Glarus für einige als klein, vielleicht sogar unbedeutend erscheinen. Und doch sind es genau diese kleinen Herausforderungen, die, wenn sie ungelöst bleiben, immer grösser zu werden drohen und am Ende zu Spaltung oder sogar zu Konflikten führen.

Die Herstellung des Haushaltsgleichgewichts in allen unseren Gemeinwesen.
Die Sicherung und Stärkung unserer Infrastruktur für heute und für morgen.
Die Gewährleistung einer guten Grundversorgung für alle und überall.
Fragen rund ums Wohnen und der Mobilität.
All diese und weitere Herausforderungen stehen bei uns an und Sie haben sich dazu bekannt mitzuhelfen, diese möglichst gut für alle Menschen im Kanton zu lösen, zumindest anzugehen.
Damit wir auch in Zukunft einen starken Kanton und drei starke Gemeinden haben. Damit es auch in Zukunft engagierte Menschen in Vereinen und eine bemerkenswerte Solidarität in der Bevölkerung geben wird.

Für Ihre Bereitschaft und Ihr Engagement danke ich Ihnen als Mitbürger. Gleichzeitig werde ich mein Bestes zu geben, damit Sie diese Aufgabe hier im Rat erfolgreich erfüllen können.

Für mich ist es logisch, dass unterschiedliche Ansichten, Vielfalt und eine kindliche Neugier gegenüber seinen Mitmenschen zu besseren Entscheiden und Lösungen führen als Gleichheit, Macht oder gar Allmacht. Der Landrat ist der Ort, an welchem unterschiedliche Perspektiven geprüft, gemeinsame Lösungen erarbeitet und gemeinsame Entscheidungen getroffen werden sollen. Debatten dürfen und sollen leidenschaftlich geführt werden, aber sie müssen stets ehrlich und respektvoll bleiben. Ich lade uns alle ein, konstruktiv zu debattieren, pragmatische Lösungen zu suchen und zusammen, um Entscheidungen zu ringen, die für Land und Volk am besten sind.

 

Zum Abschluss möchte ich mich an die langjährige Tradition halten und drei Wünsche äussern. Ich werde sie mit drei Leitbegriffen einleiten — kurz und hoffentlich einprägsam:

1. Vertrauen – Gehen wir alle davon aus, dass unser Gegenüber Gutes für den Kanton will.

Je offener wir auf unser Gegenüber zugehen, desto mehr Chancen haben wir, gute Ideen zu entdecken und miteinander zu entwickeln. Ich wünsche mir, dass Sie mit offenem Visier auf andere Meinungen zugehen und sich nicht wie ein Igel den Ansichten Ihres Gegenübers einrollen.

2. Ergebnisorientierung – Diskutieren wir, um die beste Lösung zu finden, nicht um die eigene Idee als die einzig wahre durchzusetzen.

Wir brauchen gute Lösungen, und die findet man, indem man nicht unnachgiebig nur an der eigenen Idee festhält, sondern diese gemeinsam mit den anderen weiterentwickelt. Wichtig ist, dass alle mitdenken und ihre Ideen einbringen. Insofern haben Sie, meine Damen und Herren, einen wichtigen Schritt zur Erfüllung dieses Wunsches bereits gemacht – Sie nehmen eine politische Aufgabe wahr und engagieren sich damit hier im Rat für gute Lösungen.

3. Freude – Lachen Sie mindestens dreimal am Tag; es wird Ihnen und uns allen besser gehen.

Mögen diese drei Wünsche uns dieses Jahr begleiten:
Ich wünsche mir, dass wir mit Vertrauen aufeinander zugehen, dass wir ergebnisorientiert politisieren und dass die Freude nicht zu kurz kommen möge. Dies soll unser Handeln im kommenden Jahr lenken.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und für die Bereitschaft, diese Wünsche auch zu erfüllen.
Ich freue mich nun auf die gemeinsame Arbeit im Dienst des Kantons Glarus. Vielen Dank.