Antrittsrede von Fredo Landolt

Vor sechs Jahren stellte ich mir die Frage: Wie hoch ist nach 25 Jahren Engagement in Näfels mein «Marktwert»? Ich überliess die Antwort den Stimmbürgern. Und ich konnte positiv feststellen: «Mein Marktwert ist gut.» Mit 53 Jahren wurde ich als «alter Junglandrat» ins Kantonsparlament gewählt. Und die politische Arbeit im Landrat hat mich sehr schnell fasziniert und «gepackt».



Mit der Aufforderung: Es gibt viel zu tun – verlieren wir keine Zeit und fangen wir an
Mit der Aufforderung: Es gibt viel zu tun – verlieren wir keine Zeit und fangen wir an

Und heute – sechs Jahre später – haben Sie, geschätzte Damen und Herren Landräte, mich zu Ihrem Präsidenten gewählt. Ich danke Ihnen herzlich für Ihr Vertrauen. Ich freue mich auf diese Aufgabe – bin mir aber auch bewusst, dass sie neben Ehre und Würde ein hohes Mass an Arbeit für Aktenstudium, Sitzungsvorbereitung und Geschäftsführung mit sich bringt. Aktenstudium muss ich selber betreiben. Für die Sitzungsvorbereitungen kann ich auf die Unterstützung von Ratsschreiber Hansjörg Dürst und Ratssekretär Sepp Schwitter zählen. Die Geschäftsführung findet dann im Plenum statt. Da bin ich dann auch auf Ihr konstruktives Mitwirken angewiesen.

Die Wahl zum Landratspräsidenten ist Ehre und gleichzeitig Verpflichtung. Ehre für mich, meine Familie, meine Wohn- und Heimatgemeinde Näfels und die CVP des Kantons Glarus. So viel zur Ehre – die Verpflichtung kann ich dann nicht mehr mit all den genannten Personen und Institutionen teilen; die Verpflichtung muss ich selber tragen. Und darauf freue ich mich!

Mein Vorgänger, Matthias Auer, hinterlässt mir eine sehr gute Ausgangslage. Und ich spreche ihm an dieser Stelle für die sachliche und kompetente Ratsführung unser aller Dank aus und wünsche ihm – zurück im Plenum – alles Gute.

Die Statistik sagt mir, dass ich der 127. Präsident bin und der 9. Landratspräsident aus Näfels. Als letzter Näfelser sass mein Sulzboden-Nachbar Martin Landolt auf diesem Stuhl – für ihn wurde das zum Meilenstein in eine erfolgreiche Bundespolitik. Für mich wird es ziemlich sicher Höhepunkt meiner politischen Arbeit sein.

Aus meiner Sicht hat die Politik im Kanton Glarus viele Chancen, um unserem Land eine positive Zukunft zu bringen. Aber wir dürfen nicht warten, bis andere etwas ändern, wir müssen selber anpacken. Wir haben viele Trümpfe, die wir aber geschickt einsetzen und ausspielen müssen. Unser Kanton verfügt über starke Landschaftsbilder und damit über einmalige Chancen für unseren Tourismus. Wir haben fleissige Arbeitskräfte und innovative Cluster in den Bereichen Wasser, Energie und Kunststoff. Wir beheimaten eine exzellente Lebensmittelindustrie und einen hoch spezialisierten Maschinen- und Apparatebau und haben gute Geschäftsbereiche rund um die Aviatik. Und das alles ist eingebettet in ein breites Netz von Zulieferfirmen für alle möglichen und unmöglichen Dinge auf kleinstem Raum. Und das nochmals eingebettet in unsere Nähe zum Wirtschaftsraum Zürich: Das sind unsere Trümpfe!

Und genau da beginnt die Aufgabe der Politik: mit Erkennen und richtigem Einsetzen dieser Trümpfe und Vorzüge. Es ist also nicht Aufgabe der Politik, Arbeitsplätze zu schaffen. Unsere Aufgabe ist es, attraktive Rahmenbedingungen für unseren Lebens-, Arbeits- und Erholungsraum zu schaffen.

Ich habe eingangs erwähnt, dass mich die Politik als Mitglied des Landrates sehr schnell gepackt hatte. Der Glarner Landrat ist – wie unsere Landsgemeinde – in Bezug auf Geschäftsabwicklung eine hoch effiziente und aufrichtige Institution. Viele würden sagen: Die Glarner leben eine gepflegt-traditionelle Demokratiekultur. Das mag sein. Dafür haben wir im Rat einen ausgeprägten Ordnungssinn in Bezug auf alle Feinheiten im Abstimmungsverfahren. Da könnten viele politische Gremien, Verwaltungsräte und auch Generalversammlungen von uns lernen. Sie und ich sind Bestandteil dieser Kultur. Ich muss sagen, ich habe durch Sie – geschätzte Kolleginnen und Kollegen – viel gelernt in den letzten Jahren. In den nächsten zwölf Monaten werde ich nun zum «Organisator» und kann nicht mehr aktiv an den Debatten teilnehmen. Ich bin gespannt auf diese neue Rolle und ich freue mich, zusammen mit Ihnen etwas zu bewegen, zu bewirken und zu erreichen. – Ich komme zum Schluss und «deponiere» drei Wünsche:

1. Weniger parteipolitisches Muskelspiel, mehr Hinhören und Mitdenken


Mein Wunsch ist eine sachliche, lösungsorientierte politische Arbeit im Rat. Wir wissen, dass Parteien unterschiedliche Programme und Ansichten haben. Und das ist gut so. Auch in der Politik ist es aber möglich, dass andere Dinge sehen, die mir aus meinem Standpunkt entgehen. Wer also hinhört und mitdenkt, wird zum Mitgestalter. Denken wir also immer an unser aller Ziel «einen wettbewerbsfähigen Kanton und drei starke Gemeinden» zu schaffen.

2. Zeigen Sie Emotionen


Zeigen Sie Emotionen, das fördert den kreativen Denkprozess, und sie verlassen das «Schlauchdenken» in vielleicht alten Denkmustern.

3. Halten Sie sich an die Planungsvorgaben


Die Jahresplanung ist für Regierung und Landrat eine verbindliche Richtschnur. Wir sind ein Miliz-parlament und haben insbesondere in den Monaten Oktober bis Februar ein anspruchsvolles Programm zu bewältigen. Das ist mit unseren persönlichen Geschäftsagenden nur plan- und lösbar, wenn wir uns alle an die vorgesehenen Zeitfenster halten.

Geschätzte Ratsmitglieder, wir haben eine grosse Verantwortung. Unsere Arbeit bestimmt die Zukunft unserer Kinder … und die meines vierwöchigen Enkels Rocco Adriano.

Unser Jahresprogramm ist mit 13 Landsgemeindevorlagen, mehr als zehn sogenannten Routinegeschäften und ebenso vielen zu traktandierenden parlamentarischen Vorstössen ordentlich beladen. Es gibt viel zu tun – verlieren wir keine Zeit und fangen wir an.