Antrittsrede von Landratspräsident Emil Küng

Heute wurde Emil Küng zum neuen Landratspräsidenten gewählt. Mit folgenden Worten startete er in sein Amt.



(Bild: jhuber)
(Bild: jhuber)

Meine Damen und Herren

Ich bedanke mich bei Ihnen.
Sie haben mir soeben das Amt des Präsidenten des Landrates des Kantons Glarus anvertraut.
Ihr Vertrauen ehrt mich und meine Familie und ist auch eine Ehre für die Region Kerenzerberg; also für den «Chirezer», wie wir sagen.

Sie übertragen mir eine neue Aufgabe, die ich mit Respekt und Demut angehe.

Immerhin wird erwartet, dass ich das Parlament unseres Kantons Glarus geschickt leite und den Landrat gegen innen und aussen vertrete.

Etwas leichter fällt das, weil ich meine Vorgängerin, jetzt alt Landratspräsidentin Daniela Bösch-Widmer, in ihrer Amtszeit begleiten konnte. Und als Vizepräsident beginnt man plötzlich, die Arbeit der Präsidentin etwas genauer zu verfolgen. Man macht so etwas wie ein Lehrjahr und ich bestätige, dass ich eine gute Ausbildnerin hatte.

Bevor wir die Ratsarbeit fortsetzen, schenken Sie mir ein paar Minuten, in denen ich einige Gedanken mit Ihnen teilen will.
Ich werde mit einem Blick auf die geopolitische Lage beginnen, den Zusammenhang zu unserem Kanton herstellen, einen Abstecher zur künstlichen Intelligenz und zu den Grundsätzen unseres Handelns wagen, bevor ich dann mit drei Wünschen abschliesse. Ich finde, die paar Stichwörter versprechen ein rechtes Durcheinander; hoffentlich gelingt es mir, die Themen miteinander zu verknüpfen.

Die Berichterstattung in unseren Medien ist im Moment geprägt von zwei Kriegen, die in oder in der Nähe von Europa stattfinden. Daneben gibt es weltweit je nach Quelle etwa 100 weitere bewaffnete Konflikte.
Die geopolitische Lage ist also eine traurige, eine, die wenig Hoffnung macht, eine, die plötzlich an unerwarteten Orten zu neuen Konflikten führen kann.
Das macht es schwierig, Vorgänge richtig einzuordnen.
Dabei ist es egal, ob wir die Lage mit emotionalem oder rationalem Verständnis beurteilen.
Das kann Menschen verunsichern.

Gleichzeitig müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass wir zwar von der geopolitischen Lage betroffen sind, diese aber nicht beeinflussen können.
Ich stelle zudem die These auf, dass neben der geopolitischen Lage eine zweite zentrale Entwicklung für Verunsicherung sorgt: Viele Menschen spüren, dass das Aufkommen von künstlicher Intelligenz radikale Veränderungen für verschiedene Berufe oder ganze Gesellschaften mit sich bringen wird.
Natürlich darf man hoffen, dass Methoden der künstlichen Intelligenz zum Beispiel in Kombination mit Biotechnologie zu wirklich bahnbrechenden neuen Medikamenten führen. Umgekehrt muss man aber auch befürchten, dass mit derselben Kombination völlig neuartige Waffensysteme entwickelt werden.

Nun sind wir also von Dingen beeinflusst, die wir umgekehrt wenig beeinflussen können.
Wie sollen wir reagieren, wie uns eine Meinung bilden?
Wie sollen wir Handeln, wie vernünftige Entscheidungen treffen?

Ich glaube, in einer turbulenten Welt ist es umso wichtiger, kleinräumig mit Besonnenheit und Sorgfalt, mit der Pflege eigener Stärken und mit Solidarität unterwegs zu sein.
Das ist das, was wir im Kanton Glarus machen können und in den eigenen Händen haben.
Wenn wir zum Beispiel in der Politik, insbesondere im Landrat, unsere Stärken pflegen, unsere Entscheide gut nachvollziehbar abwägen und uns solidarisch verhalten, dann gibt das den Menschen im Kanton Sicherheit und Vertrauen. Und wer sich in der staatlichen Gemeinschaft sicher und verwurzelt fühlt, trägt diese auch mit.

Mit diesen Überlegungen zu unserer politischen Arbeit lässt sich gut der Übergang zu den drei Wünschen finden, die traditionsgemäss jede Landratspräsidentin und jeder Landratspräsident formulieren darf:

  • Erstens freue ich mich, wenn Sie nachvollziehbar und kraftvoll im Interesse des Kantons Glarus politisieren; das heisst in der Konsequenz aber auch, dass Sie den erfolgreichen Kompromiss suchen und mittragen.
  • Zweitens bitte ich Sie – und ich verlasse mit diesem Wunsch den Landratssaal –, mit den Menschen im Kanton das Gespräch zu suchen und unsere Entscheidungen aus verschiedenen Blickwinkeln, mit den eigenen wie auch den gegnerischen Argumenten, zu erklären. Sie tragen damit zu einer umfassenden Meinungsbildung bei und schaffen Vertrauen in die Politik.
  • Und drittens – und ich bleibe auch mit diesem Wunsch ausserhalb des Rathauses: Wenn Sie schon das Gespräch mit den Leuten führen, dann laden Sie jemanden ein, an die nächste Gemeindeversammlung oder an die kommende Landsgemeinde mitzukommen oder gar selbst politisch aktiv zu werden.

    Je mehr Leute gegen innen mitmachen, desto weniger werden sie von äusseren Einflüssen mitgerissen. Die politische Arbeit für den eigenen Kanton kann helfen, Vertrauen und Sicherheit zu verbessern.

Und zum Schluss noch das: Als Präsident werde ich voraussichtlich oft die Gelegenheit haben, den Landrat zu vertreten. Ich werde das im Sinn und Geist machen, wie ich es eben herzuleiten versuchte.
Ich hoffe, Sie sind damit einverstanden oder es ist wenigstens die Basis für ein Gespräch mit Ihnen.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.