Armon Orlik strebt zweiter Glarner Triumph an

Rund 135 Schwinger duellieren sich am Pfingstmontag, 21. Mai 2018, am Glarner-Bündner Schwingfest um Siegerstier «Kelvin». Als Favorit tritt der Schlussgangteilnehmer von Estavayer 2016, der Maienfelder Armon Orlik, an.




Erstmals seit 15 Jahren kommt das Glarner-Bündner Kantonalschwingfest wieder nach Schwanden. Für den schwingerischen Höhepunkt des Jahres im Kanton, der auf dem Fussballplatz Wyden über die Bühne geht, zeichnen sich die Harmoniemusik Schwanden sowie die Guggenmusik Hunghäfe verantwortlich. Als OK-Präsidentin steht dem Anlass mit Evelyn Thut eine Dame vor und als Ehrenpräsident amtet der Gemeindepräsident von Glarus Süd, Mathias Vögeli. Es ist eine Premiere, dass eine Frau den Posten des OK-Präsidiums besetzt an einem Glarner-Bündner. Sie ist aber nicht die einzige Frau, die anpackt. Gleich die Hälfte des OKs ist in Frauenhand. Und dass mit Claudia Frei, Sabrina Winiger und Nadja Stalder drei Damen das Gabenkomitee unter sich haben, ist ebenfalls ungewohnt. Fest steht, dass die 135 Schwinger aus den Kantonen Appenzell, Graubünden, Schwyz, St. Gallen, Thurgau, Uri und Glarus von einem auserlesenen bunten Gabentisch einen Preis mit nach Hause nehmen können. Die Zeit, als das Schwingen eine reine Männerdomäne war, gehört endgültig der Vergangenheit an. Mit Stier «Kelvin» aus dem Stall von Kaspar Luchsinger, Schwanden, und Kalb «Reh» aus dem Stall von Hans-Heinrich Zimmermann, Mitlödi, wird der von den drei Frauen zusammengestellte Gabentisch von zwei Lebendpreisen angeführt.

Wieder ein Bündner?

Das Schwingfest findet wie bei der letzten Austragung 2003 auf dem Fussballplatz statt. Dass es wie vor 15 Jahren einen Bündner Sieg absetzt, jene Chancen sind gross. Damals, 2003, siegte der Prättigauer Stefan Fausch, vier Jahre später Schlussgangteilnehmer am Eidgenössischen Schwingfest in Aarau. Diesmal tritt Armon Orlik als klarer Favorit an. Orlik stand am letzten Eidgenössischen, 2016 in Estavayer, gegen Matthias Glarner im Schlussgang. Im gleichen Jahr gewann er (in Glarus) auch erstmals das Glarner-Bündner (Schlussgangsieg über Arnold Forrer). 2017 in Niederurnen konnte der Titelverteidiger wegen einer Nackenverletzung nicht mittun. Am 21. Mai gilt er jedoch als klarer Favorit. Orlik siegte in diesem Frühling an den regionalen Wettkämpfen in Thal SG und Domat/Ems. Bei seinem ersten Kranzfesteinsatz, am Zürcher in Hausen am Albis, belegte er nach einem Gestellten zum Auftakt gegen Martin Hersche und fünf Siegen den Ehrenplatz. Orlik ist technisch der vielseitigste Schwinger im gesamten NOS-Verband und ist immer auf ein Resultat aus. Sein Offensivdrang ist ungebrochen und deswegen wird er vom Publikum auch so verehrt.

Rückkehr von Bösch

Zu den härtesten Widersachern von Orlik im Kampf um Siegermuni «Kelvin» gehören der St. Galler Daniel Bösch, der Höfner Reto Nötzli, der Appenzeller Martin Hersche und Lokalmatador Roger Rychen. Unspunnen-Sieger Daniel Bösch musste sich im Winter einem operativen Eingriff im Knie unterziehen. Darum hat er bis am Auffahrtstag (Pfannenstiel-Schwinget ob Meilen) pausiert, ehe er siegreich auf die Schwingplätze zurückkehrte. Im Schwanden bestreitet er sein erstes Kranzfest 2018. Auch wenn er noch ein wenig Trainingsrückstand aufweist, der Toggenburger weiss wie man im Glarnerland gewinnt. 2010 (Elm) und 2012 (Niederurnen) zierte sein Name die Siegerliste. Der Appenzeller Martin Hersche hat sich 2017 mit dem Sieg am Nordwestschweizerischen Teilverbands national ins Zentrum geschwungen. Wegen einer Verletzung verpasste er den Unspunnen-Schwinget und musste ebenfalls eine Zeit lang pausieren. Reto Nötzli aus der Ausserschwyz ist ebenfalls Teilverbandssieger. 2014 gewann er das Innerschweizerische in Cham. Nach einem missratenen Kranzfestauftakt 2018 am Zuger liess er am Schwyzer und Ob/Nidwaldner Kantonalen eine deutliche Leistungssteigerung erkennen.

Rychen mit Chancen

Ebenfalls um den Festsieg mittun möchte Lokalmatador Roger Rychen. Seit seinem Sieg am Mittelländischen am Landsgemeinde-Sonntag über Schwingerkönig Kilian Wenger ist der Molliser in aller Munde. Rychen hat in den letzten Jahren für einen Aufschwung des Schwingsport im Zigerschlitz gesorgt. Das einzige, was dem 26-jährigen Standschwinger noch fehlt, ist ein Sieg an einem Kranzfest. In Schwanden unternimmt er einen nächsten Anlauf. Auf einen Sieg am Heimfest warten die Glarner schon sehr lange. Der Näfelser Bruno Jutzeler war es, der vor 43 Jahren, 1975 in Ennenda, für den letzten einheimischen Sieg sorgte.

Neun Eidgenossen im Einsatz

Ebenfalls an der Spitze mittun möchten die weiteren Eidgenossen, der unverwüstliche 44-jährige Thurgauer Stefan Burkhalter, der schon 102 Kränze aufweist und mit einem weiteren in Schwanden zum erfolgreichsten Thurgauer der Geschichte aufsteigen würde. Im Moment weisen er und Otto Brändli (eine Legende aus den 60er-Jahren) gleich viele auf. Ebenfalls dessen Klubkamerad Domenic Schneider, Sieger vor drei Jahren am Kantonalen in Näfels. Auch der Appenzeller Marcel Kuster und der Bündner Routinier Mike Peng verfügen über den Status eines Eidg. Kranzschwingers. Nicht antreten kann der ebenfalls angemeldete zehnte Eidgenosse, der Zürcher Fabian Kindlimann. In Folge eines Bandscheibenvorfalles musste er die Saison bereits beenden. Somit sind neun Eidgenossen am Fusse des Kärpfs am Start.

Aufgepasst auf Oertig

Auch vom Mittelfeld kommen diverse Namen für einen Spitzenplatz infrage. Etwa der technisch visierte Gasterländer Dominik Oertig, Dritter am Auffahrtstag am Baselstädtischen Schwingfest. Aber auch Mario Schneider, der ältere Bruder von Eidgenosse Domenic Schneider sowie der Winterhurer Hüne Samir Leuppi, Sieger am Zürcher Kantonalen 2017 in Weiach. Die beiden Gastklubs aus der benachbarten Innerschweiz, March-Höfe und Bürglen, komplettieren das Teilnehmerfeld. Seitens der Urner ist der visierte Nationalturner Matthias Herger Kranzanwärter. Auch der Märchler Routinier Florian Hasler ist Kranzkandidat.

Glarner hoffen auf einen Neukranzer

Aus Sicht der Gastgeber sind mit Christian Jöhl (Mollis) und Reto Landolt (Näfels) nur zwei weitere Kranzschwinger am Start. Sie streben wie im Vorjahr in Niederurnen das Eichenlaub an. Hinter den drei Kranzschwinger Jöhl, Landolt und Rychen sind die Glarner dünn besetzt. Darum hofft man die durch den Rücktritt von Peter Horner entstandene Lücke zu stopfen und am Montagabend wieder einen vierten Kranzer in den Reihen aufzuweisen. Kandidaten sind vorhanden. Etwa der Netstaler Forstwart Thomas Riedi, der am Thurgauer schon nahe dran war. Aber auch der Molliser Hüne Christian Pianta, der heuer schon mehrfach positiv auffiel. Auch Peter Horners jüngerer Brüder Sämi ist für eine Überraschung parat. Die weiteren Glarner Teilnehmer sind Loris Elmer (Schwanden), Tobias Fässler (Engi), Nils Gallati (Näfels), Christof Kirchmeier (Mollis), Andreas und Michael Laager (Mollis), Beni Rhyner (Ennenda), Patrik Schiesser (Linthal), Christian Schnyder (Näfels), sowie die beiden Ennendaner Simon Trümpy und Mario Tschudi. Alle wollen sie vor heimischer Kulisse den Ausstich erreichen und je nach Festverlauf sich noch weiter oben einordnen. Dies wird im hochkarätigen Teilnehmerfeld jedoch kein leichtes Unterfangen. Die Einteilung steht unter der Obhut des Technischen Leiters der Glarner Schwingerverbandes Fridolin Beglinger. Anschwingen ist um 8 Uhr. Der Anlass am Pfingstmontag findet bei jeder Witterung statt. Freuen wir uns auf packende Duelle, Folklore, die Ehrendamen, Bratwurst- und Kaffi-Träsch-Geruch und einen würdigen Gla-Bü Sieger 2018.