Atemberaubendes und «Unspielbares»

Es war ein denkwürdiger Moment, als der junge südkoreanische Pianist Jinsang Lee im Sommer 2009 den Zürcher Géza-Anda-Klavierwettbewerb für sich entschied. Noch nie waren sich Jury und Publikum so einig: Lee wurde nicht nur mit dem Ersten Preis geehrt, sondern gleich auch mit sämtlichen Sonderpreisen für sein Klavierspiel überhäuft.



Ein ganz spezieller Konzertgenuss: Klaviervirtuose Jinsang Lee kommt nach Glarus. (Bild: zvg)
Ein ganz spezieller Konzertgenuss: Klaviervirtuose Jinsang Lee kommt nach Glarus. (Bild: zvg)

Und dieses ist in der Tat überwältigend: Da ist einmal die atemberaubende Virtuosität: Jede noch so schwierige Passage bewältigt Lee im wahrsten Sinn vom Wort spielend. Und doch verkommt die Virtuosität nie zum blendenden Selbstzweck, denn Jinsang Lee besticht in jedem Moment genauso mit seinen reflektierten und differenzierten Interpretationsansätzen.

Das Programm, das Jinsang Lee an diesem Freitag in Glarus präsentiert, ist denn genau auf ihn und seine Stärken zugeschnitten. Unter dem Namen «Hommage an Liszt» präsentiert der junge Künstler ein durchdachtes und stimmiges, aber auch hochvirtuoses Programm, das vielfältige kompositorische und biografische Verbindungen aus der Epoche der musikalischen Romantik aufzeigt. Ausgangspunkt bildet Beethovens Liederkreis «An die ferne Geliebte», der schon bald nach seiner Entstehung im Jahr 1816 höchste Anerkennung erntete. Franz Liszt schrieb vom Zyklus – wie von vielen Opernausschnitten, Vokal- oder Instrumentalwerken auch – eine Fassung für Klavier solo.

Schumanns Fantasiereichtum

Für Robert Schumann wurde Beethovens «An die ferne Geliebte» offensichtlich zu einem Schlüsselwerk. Er zitiert den Zyklus in seiner Fantasie op. 17, die Franz Liszt gewidmet ist. Schumanns Fantasiereichtum scheint in diesem Werk kaum Grenzen zu kennen: Wie ein Kaleidoskop verschiedenster Gemütslagen jagt eine Stimmung die andere; fein ausgearbeitete Übergänge wechseln sich mit abrupten Gedankensprüngen ab. Der zweite Satz gehört mit seinen riesigen und schnellen Sprüngen in beiden Händen zu den gefürchtetsten Stellen der gesamten Klavierliteratur.

«Unspielbare» Sonate

Noch berüchtigter ist die Klaviersonate von Franz Liszt. Das gigantische Werk, das Liszt wiederum Robert Schumann zueignete, gehört mit seiner Monumentalität, den über weite Strecken extremen spieltechnischen Anforderungen und der weiträumigen Form zu den schwierigsten Klavierwerken überhaupt. Noch bis ins frühe 20. Jahrhundert haftete der Sonate immer wieder den Ruf der «Unspielbarkeit» an. Die Aufführung dieses grandiosen Werks gehört mitunter zu den faszinierendsten Erlebnissen eines Klavierrezitals – man darf sich also auf den Klavierabend in Glarus freuen!