Und dieses ist in der Tat überwältigend: Da ist einmal die atemberaubende Virtuosität: Jede noch so schwierige Passage bewältigt Lee im wahrsten Sinn vom Wort spielend. Und doch verkommt die Virtuosität nie zum blendenden Selbstzweck, denn Jinsang Lee besticht in jedem Moment genauso mit seinen reflektierten und differenzierten Interpretationsansätzen.
Das Programm, das Jinsang Lee an diesem Freitag in Glarus präsentiert, ist denn genau auf ihn und seine Stärken zugeschnitten. Unter dem Namen «Hommage an Liszt» präsentiert der junge Künstler ein durchdachtes und stimmiges, aber auch hochvirtuoses Programm, das vielfältige kompositorische und biografische Verbindungen aus der Epoche der musikalischen Romantik aufzeigt. Ausgangspunkt bildet Beethovens Liederkreis «An die ferne Geliebte», der schon bald nach seiner Entstehung im Jahr 1816 höchste Anerkennung erntete. Franz Liszt schrieb vom Zyklus – wie von vielen Opernausschnitten, Vokal- oder Instrumentalwerken auch – eine Fassung für Klavier solo.
Schumanns Fantasiereichtum
Für Robert Schumann wurde Beethovens «An die ferne Geliebte» offensichtlich zu einem Schlüsselwerk. Er zitiert den Zyklus in seiner Fantasie op. 17, die Franz Liszt gewidmet ist. Schumanns Fantasiereichtum scheint in diesem Werk kaum Grenzen zu kennen: Wie ein Kaleidoskop verschiedenster Gemütslagen jagt eine Stimmung die andere; fein ausgearbeitete Übergänge wechseln sich mit abrupten Gedankensprüngen ab. Der zweite Satz gehört mit seinen riesigen und schnellen Sprüngen in beiden Händen zu den gefürchtetsten Stellen der gesamten Klavierliteratur.
«Unspielbare» Sonate
Noch berüchtigter ist die Klaviersonate von Franz Liszt. Das gigantische Werk, das Liszt wiederum Robert Schumann zueignete, gehört mit seiner Monumentalität, den über weite Strecken extremen spieltechnischen Anforderungen und der weiträumigen Form zu den schwierigsten Klavierwerken überhaupt. Noch bis ins frühe 20. Jahrhundert haftete der Sonate immer wieder den Ruf der «Unspielbarkeit» an. Die Aufführung dieses grandiosen Werks gehört mitunter zu den faszinierendsten Erlebnissen eines Klavierrezitals – man darf sich also auf den Klavierabend in Glarus freuen!
Viele neue Funktionäre erwartet



