Augen auf – Ohren auf!

Jedes Jahr zum Schulanfang ist Polizist Ruedi Uhlmann in einem speziellen Einsatz. Seit vielen Jahren besucht er im Rahmen der Sicherheitskampagne die Kindergarten- und Schulkinder im ganzen Kanton. Start war dieses Jahr in Mollis. Gleichzeitig war es auch das letzte Mal, dass Uhlmann die Kinder auf die Gefahren im Strassenverkehr aufmerksam macht. Auf nächstes Jahr geht er in Pension.



Seine Abschiedstour startete er in Mollis, hier besuchte er am vergangenen Freitag zwei Klassen der Unterstufe. «Dies vor allem, weil die Kinder, um zum Mittagstisch zu gelangen, die relativ stark befahrene Kerenzerbergstrasse überqueren müssen.» Ruedi Uhlmann erklärte, dass der Unterricht als Repetition der Kindergartenlektion zu betrachten sei. Diese Aufgabe führe er seit einigen Jahren im Auftrag der Lehrerpersonen und der Schulleitung durch.

Start im Schulzimmer


Gespannt blicken die Erstklässler nach vorne, hier steht für einmal nicht ihre Lehrerin Frau Hagmann, sondern der Polizist Uhlmann. Ruhig, und damit alle seine Worte verstehen, begrüsst er die Kinder in hochdeutsch. Die erste Frage gilt dem Sicherheitsgurt, welcher jeder Schüler bereits zu Beginn des Schuljahres erhalten hat. «Haben alle den TCS-Gurt auf dem Weg von zu Haus in die Schule getragen?» Ein klares und einstimmiges Ja ist die Antwort. Welche Farbe hat ein Fussgängerstreifen? ist seine zweite Frage und prompt kommt die Antwort aus mehreren Mündern: «gelb». Das Eis ist gebrochen, Uhlmann hat in seiner bekannten ruhigen Art den Draht gefunden und kann sicher sein, dass alle sehr aufmerksam seinen Ausführungen folgen werden. Immer wieder bezieht er die Kinder mit leichten, aber doch wichtigen Fragen, in seinen Unterricht ein. «Wichtig ist, dass ihr stets die Augen und die Ohren offen haltet und immer zuerst nach links schaut.» Es weist darauf hin, dass bei Strassen mit einer Insel in der Mitte der Blick dann zuerst nach rechts und anschliessend nochmals nach links gerichtet werden muss. Uhlmann versteht es, ein ernstes Thema leicht verständlich und immer mit ein wenig Humor gespickt den Kindern zu vermitteln. «So, nun haben wir alles in der Theorie gelernt, nun gehen wir nach draussen.»

Eine rote Mütze als Geschenk


Vor dem Schulhaus verteilt Uhlmann jedem Kind eine rote Mütze und ersetzt seine Polizeimütze spontan ebenfalls durch eine solche. In Zweierkolonne, vorweg Uhlmann und am Ende Lehrerin Hagmann, begibt sich der Tross in Richtung Kerenzerbergstrasse. Immer wieder lässt Uhlmann anhalten, um auf eine mögliche Gefahr hinzuweisen und wie man solchen Situationen am besten begegnet. Bei der Kerenzerbergstrasse angekommen, erklärt er ein weiteres Mal die Regeln, die für ein sicheres Überqueren einer Strasse nötig sind. Mit den ersten zwei Kindern stellt er sich an den Rand des Fussgängerstreifens. «Wir schauen zuerst nach links, dann sperren wir die Ohren auf und erst, wenn bei einem heranrollenden Fahrzeug die Ränder still stehen, gehen wir bis zur Mitte.» Dort angekommen wiederholt er das Ganze, um den Erstklässlern die notwendige Sicherheit zu geben. Immer wieder geht er zurück, nimmt zwei weitere Kinder an die Hand und begleitet sie über die Strasse. Freundlich winkt er den anhaltenden Fahrzeuglenkern zu und bedankt sich für das korrekte Verhalten. Nachdem alle Kinder auf der andern Strassenseite angekommen sind, besammelt er sie zu einer kurzen Besprechung, und dann beginnt das Ganze nochmals von vorne. «Wichtig ist aber auch die volle Konzentration der Kinder, denn sie lassen sich allzuschnell ablenken.» Dass dem so ist, beweist kuze Zeit später eine Gruppe, die sich mitten auf der Strasse durch ein lautes Geräusch eines Motorrades ablenken lassen. Uhlmann ist konsequent, die beiden müssen die Übung nochmals wiederholen. Aber auch in solchen Augenblicken ist der Polizist wie immer freundlich und hilft ihnen mit seinen väterlichen Ratschlägen, die Situation zu verstehen.

Während vielen Jahren hat Polizist Ruedi Uhlmann die Kinder im Strassenverkehr unterrichtet und sicher viel dazu beigetragen, dass sie stets unfallfrei von der Schule nach Hause zurückgekehrt sind. Nach Mollis wird er wie jedes Jahr noch verschiedene Schulen besuchen, um sein Wissen weiterzugeben. Er wird bestimmt überall mit Freuden erwartet, sei es von den Kindern, aber auch vom Lehrerpersonal. Auch in den kommenden Jahren wird die Sicherheitskampagne des TCS und des bfu weitergeführt, allerdings ohne Ruedi Uhlmann.

* Edi Huber ist stellvertretender Kommunikationsbeauftragter der TCS Sektion Glarus.