In seiner Kindheit blickte er auf sie herab oder war mindestens auf Augenhöhe. Fridolin Walcher verbrachte seine Kindheit in Braunwald hoch über dem Glarnerland, hoch über dem Tal. Es war wohl ein Gefühl der Freiheit und der Offenheit. Mit knapp dreizehn Jahren kam er „herunter“ nach Glarus. Und hier kam er erstmals mit der Enge in Kontakt. „ Die Berge hatten damals etwas sehr bedrohliches für mich,“ meinte Fridolin Walcher anlässlich der Vernissage seiner Ausstellung und der Präsentation seines Bildbandes „Vertikale Ebenen“ im Güterschuppen Glarus. Seit dieser Zeit beschäftigten ihn neben anderen Projekten immer wieder die Berge. „ Auf einmal verschwand das Bedrohliche und ich sah die Schönheit.“ Das Resultat konnte er am letzten Samstag zahlreichen Gästen präsentieren.
Emotionen aus Eis und Fels
Es sind Bilder, die gestochen scharf und mit vielen Details trotzdem Emotionen übertragen. Die wohl kältesten Materialien – Schnee und Fels – erhalten in den Aufnahmen von Walcher Wärme und Leben. Und daneben sind sie auch Zeitzeugen. „Die Aufnahmen vom Mutsee sind auch Bilder des Leisen Abschieds.“ Durch das Projekt Linthal 2015 entsteht dort ein neuer grösserer Stausee und die Landschaft wird sich verändern. Ergänzt werden die Bilder im Buch „Vertikale Ebenen“ von Texten von Otto Brühlmann. Mit Walcher arbeitete der ehemalige Lehrer bereits vor 15 Jahren an einem Projekt. „Damals hat er mich überredet, heute musste ich ihn dazu überreden,“ meinte Walcher zur Zusammenarbeit. „Die Texte geben dem Buch einen Rhythmus, und regen zum Nachdenken an,“ erklärte dazu Martin Walser.
Stadt und Land
Der Stadtrat von Zürich lernte Walcher während des Lehrerseminars kennen und hielt die Laudatio. „In einem kleinen Land wie die Schweiz sollte man die Abgrenzung zwischen Stadt und Land nicht machen.“ Er selbst lebe seit seiner Kindheit in der Stadt, habe aber seine Freizeit immer in den Berger verbracht. Ausserdem hat er seit längerer Zeit eine Ferienwohnung im Glarnerland. Ebenfalls gebe es zahlreiche Glarner, die immer wieder in die Stadt gehen, wegen kulturellen, sportlichen Anlässen oder aus anderen Gründen. „Wenn ich heute wieder nach Zürich gehen, kommen zahlreiche Glarner Jugendliche mit mir.“
In einem neuen Licht
Die Bilder von Fridolin Walcher zeigen die Glarner Berge –unsere Berge- in einem neuen Licht. Tagtäglich stehen sie vor uns, wirken manchmal einengend oder bedrückend oder einfach nur überwältigend. Walcher zeigt auch ihre zarte Seite und rückt sie mit seinen Bilder in ein anderes Licht.
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