Ausgeglichener Lehrstellenmarkt

Die Lage auf dem Lehrstellenmarkt im Kanton Glarus kann, wie Karl Arnold, Chef der Kantonalen Berufsberatung, in einer Medienmitteilung bekannt gab, als recht ausgeglichen bezeichnet werden. Dies obwohl im Vergleich zum letzten Jahr 30 Schulabgänge mehr zu verzeichnen waren. Trotzdem bleibt die Lehrstellensituation im Glarnerland ein vielbeachtetes und diskutiertes Thema.



Ausgeglichener Lehrstellenmarkt

Wie Arnold weiter mitteilte, sind zum Wahlverhalten der Schulentlassenen genaue Kennzahlen sehr wichtig um der Situation angepasste Möglichkeiten zu prüfen und eventuell nötige Massnahmen einzuleiten.

Ausgangslage

Bei einer ersten Umfrage nach den Frühlingsferien gaben 48 von 488 Schüler/innen an, noch keine verbindliche Lösung zu haben. Die Schlussbefragung wurde von der Berufsberatung im Juni 2008, etwa zwei Wochen vor Schulschluss, durchgeführt. Sie erfasste alle Schülerinnen und Schüler der folgenden Stufen: Kleinklasse, Oberschule, Realschule, Sekundarschule, 9. Schuljahr, (Werkjahr, Nine Now), 10. Schuljahr, (BeVo, Ten Top). Dank einer Rücklaufquote von praktisch 100%, können mit Hilfe der vorliegenden Zahlen klare Aussagen zur aktuellen Situation in unserem Kanton gemacht werden.

Ergebnisse 2008

Von total 495 befragten Jugendlichen haben sich 204 Knaben und 124 Mädchen für eine Berufsausbildung entschieden. Acht Knaben und 21 Mädchen werden eine weiterführende Schule besuchen und 50 Knaben und 66 Mädchen haben sich für eine Zwischenlösung entschieden. Sehr gering ist der Anteil der noch nicht entschiedenen oder derjenigen, welche unmittelbar nach der Schule in den Arbeitsprozess (ohne Lehre) einsteigen.

Hitliste der meistgewählten Berufe 2008

Bei den Knaben steht an oberster Stelle die Lehre als Polymechaniker (19) gefolgt von der kaufmännischen Berufsschule (18), Mauerlehre (14), Automobil-Fachmann (12), Zimmermann (11), Elektroinstallateur (10) und Sanitärinstallateur (9). Anders sieht verständlicherweise die Liste der Mädchen aus. Hier steht zuoberst klar die Ausbildung zur Kauffrau (37) , gefolgt von der Ausbildung zur Detailhandelsfachfrau (16). Weitere Favoriten sind Fachangestellte für Gesundheit (8), Medizinische Praxisassistentin (8), Köchin (7) und Coiffeuse (6). Die genaue Liste finden die Leser in diesem Bericht angehängt PDF-file. Die Knaben wählten insgesamt 60 und die Mädchen 33 verschieden Berufe.

Schlussbemerkung

Fest steht, dass die Anzahl der Jugendlichen, die nach den Sommerferien keine Lösung haben, im Vergleich zum letzten Jahr praktisch gleich geblieben ist. Da die Lehrstellensuche, vor allem bei den Mädchen, in einem engeren Spektrum erfolgt, sind auch die Zwischenlösungen bei ihnen zahlreicher. Jugendliche mit einer schwächeren Schulbildung und/oder mit sprachlichen und sozialen Problemen, haben vermehrt Schwierigkeiten eine für sie akzeptable Lösung zu finden. Anderseits werden mit Engagement und positiver Einstellung immer wieder auch von Schwächeren gute Lösungen gefunden.

Einige Jugendliche haben, trotz grossen Anstrengungen, noch keinen Ausbildungsplatz gefunden. Zu hoffen bleibt, dass sie den Mut nicht verlieren und intensiv weitersuchen. Die Tatsache, dass Ende Juni immer noch ca. 60 offene Lehrstellen gemeldet waren, bestärkt in der Annahme, dass einige der Suchenden noch etwas finden werden.

Bei anderen Jugendlichen, die bis heute nicht fündig wurden, ist der Grund auch in mangelnder Arbeitsbereitschaft und wenig Flexibilität zu suchen. Auch ein Überschätzen der eigenen Fähigkeiten kann bei Einigen angeführt werden.

Trotz der guten Wirtschaftslage hat es auch jetzt noch Berufssparten, in denen mehr Lehrstellen gewünscht wurden wie z.B.: Gestalterischer Bereich, Detailhandelsbereich, (insbesondere Detailhandelsassistentin EBA), Gesundheitsbereich (FAGE, FABE). Andererseits sind im handwerklich/technischen Bereich, in der Automobilbranche und bei den Bau- und Holzberufen immer noch Lehrstellen offen.

Der rasante technologische Wandel, strukturelle und konjunkturelle Veränderungen haben eine ungeahnte Dynamik in die Berufs- und Arbeitswelt gebracht. Traditionelle Berufsfelder verschwinden, neue Arbeitstätigkeiten und Berufe entstehen. Das bedeutet eine grosse Herausforderung für unsere Jugendlichen und der Grundsatz des lebenslangen Lernens wird in den meisten Berufssparten zu einem absoluten Muss.