Bänz Friedli – betrachtet, kommentiert, formuliert

Nachdem am vergangenen Sonntag auch der letzte Teil der Wegstrecke bis zum Richisau frei geworden und Hundertschaften von parkierten Autos am Klöntalersee passiert werden konnten, war die Zeitspanne mit Bänz Friedlis Lesung im restlos gefüllten «Richisau» erwünschte Tatsache. Aber noch hatte man auf die Ankunft des Postautos zu warten, bevor Hansrudolf Frey, ehemaliger Verleger, Bänz Friedli begrüsste und vorstellte.




Er tat dies mit einer gehörigen Portion Schwung, Charme und Herzlichkeit. Er dankte dem Gast auf der ganz speziellen Sommerbühne für die sofortige Zusage zum Mittun, er rühmte dessen Talente und Vielseitigkeit – wissend, dass da gar nichts übertrieben war. Bänz Friedli zeigte auf, dass Freys Anfrage betreffend Auftritt fast einem Marschbefehl gleichgekommen sei, da werde gehorcht – und fertig.

Und wenig später legte Bänz Friedli, bekannt durch eine Vielzahl von Kolumnen und laut eigenem Bekunden beinahe unzähligen Auftritten in irgendwelchen Kirchgemeindehäusern, Mehrzweckhallen, Beizen und anderswo, so richtig «volksnah» los. Sein gestalterischer Reichtum basiert nicht auf elitärer Sprache und übertriebenem Getue. Er ist ein gar aufmerksam Betrachtender, der sich das eine oder andere wohl notiert. Er freut sich an Alltäglichem, das nicht einfach banales, oft wiederkehrendes Geschehen ist. Er muntert zum Betrachten, Mitvollziehen und Mitteilen auf. Es ist nur einer begrenzten Anzahl von Mitmenschen möglich, derart virtuos auszugestalten. Friedli ist einer, der Sachen aufgreift, die fürs Gemüt gedacht sind. Er ist kein grossspurig einherredender Weltverbesserer. Er muntert vielmehr auf sympathische Art auf, sich aufmerksam umzusehen, nie verletzend und allzu negativ wertend zu werden, den Humor zu pflegen. Schmunzeln und Lachen tun gut. Und wenn es dem Schreibenden gelinge, auf sich aufmerksam zu machen, zu sensibilisieren, schade das niemandem. Und wenn sich bei oder nach der Lektüre zuweilen leicht Auf- und Anregendes ergeben, sei das ebenfalls gut.

Im «Richisau» stellte er seinen Erstling mit dem die Neugierde weckenden Titel: «Es ist verboten, übers Wasser zu gehen» vor. Und beginnt man den Titel in der Friedli` schen Manier zu hinterfragen, kommt man nicht gross weiter. Da braucht es das aufmerksame Hinhören oder das Lesen der entsprechenden Kolumne. Und recht rasch ist man nicht bloss Konsument von Heiterem. Man fühlt sich unwillkürlich bemüssigt, ebenfalls genauer zu lesen, hinzuschauen, zu kombinieren. In solchen Momenten ist Friedli der behutsam anweisende Sprachlehrer.

In besagter Kurzgeschichte ist es nicht bloss verboten, übers Wasser zu gehen (so erblickt auf einem Warnschild am Lago die Bracciano). Anderes gesellt sich dazu. Es sei – so anderswo erspäht – untersagt, beim Lüften die Fenster zu öffnen. Die heitere Aufzählung geht nahtlos weiter.

Und es ist schon erstaunlich, was diesem handlichen Erstling alles zu entnehmen ist. Die Fülle ist nicht zu katalogisieren, und das ist gut. Man erfährt beispielsweise von einem Sommererlebnis in Seattle, liest über Gefühlsmelodien, vernimmt Erhellendes über einen König in 3D; sieht sich mit dem Jugo im Haus, einem himmelblauen Armreif, dem Heiligen Francesco, den Bildern einer Ausstellung, einem berndeutschen Geschichtlein und anderem konfrontiert. Es ist nicht vermessen, von einer literarischen Wundertüte zu schreiben. Das Eintauchen in ein Meer von Besinnlichem, Lakonischem, Wundersamem, Überraschendem, Beseeltem, Sonnenklarem, Unerwartetem ist echt spannend.

Es empfiehlt sich, diese Fülle zu portionieren, der Genussfaktor ist grösser. Dass der Bänz Friedli 1965 in Bern geboren wurde, mit der Familie in Zürich lebt, über Jahre hinweg als Journalist in den Segmenten Sport und Populärkultur tätig war, seit 2003 zahlreiche Bücher, CDs und DVDs veröffentlicht hat, Radiosatiriker für SRF1 ist und 2015 mit dem bedeuten Kleinkunstpreis «Salzburger Stier» ausgezeichnet worden ist und beim Bäschlin-Verlag sein erstes Kinderbuch «Machs wie Abby, Sascha!» war auf einer der letzten Seiten des nun mehrfach erwähnten ersten literarischen Werks nachzulesen.

Und dass der Bänz Friedli mit ganz, ganz viel Applaus verabschiedet wurde, war absolut verständlich.