Baeschlin wird zum Marktführer für Sprachen und Lehrmittel

Die Glarner Traditionsbuchhandlung hat mehr als 150 Jahren nach ihrer Gründung wieder einen markanten Schritt nach vorne getan. Mit dem Kauf der international bekannten Zürcher Spezialbuchhandlung für Sprachen und Lehrmittel Staeheli Interlingua AG hat sich die Baeschlin Bücher AG eine Perle unter den europäischen Lehrmittel-Buchhandlungen gesichert.



Am vergangenen Donnerstag lud das alteingesessene Familienunternehmen seine Sprach- und Lehrmittelkunden zu einer Präsentation der besonderen Art in ihr neues Logistikzentrum im Jenny-Areal in Ziegelbrücke ein. Eingeladen wurden die Gäste zunächst nach Glarus in die Buchhandlung , von wo sie dann – very British – mit einem Original Londoner Doppeldecker-Bus nach Ziegelbrücke gefahren wurden, wo ein ebenso british style Event angesagt war. Wunderbare Stimmung verbreiteten dabei gleich zu Beginn Peter Ferndriger (Violine) und Esther Lerch (Gitarre) mit zauberhaften altenglischen Weisen.

Baeschlin-Geschäftsführerin Gaby Ferndriger begrüsste die zahlreich erschienenen Gäste und wies in ihrer engagierten Begrüssungsrede darauf hin, dass man auch im Zeitalter der elektronischen Bücher keineswegs den Glauben an das traditionell gedruckte Werk verloren habe. Wer seine Arbeit gerne mache, meinte sie, sei auch bei schwierigen Aufgaben immer zu besonderen Leistungen bereit. Wer sich dem Buch und der Sprache verschrieben habe, übernehme eine besonders verantwortungsvolle und zukunftsgerichtete Aufgabe. Interkulturelle Kompetenz beginne mit der Sprachkompetenz. Hier hätten die Gäste, darunter sehr viele Sprachlehrkräfte, zusammen mit den (Sprach-)Buchhändlern den schönsten Beruf, den man sich denken könne: Den Menschen dazu zu verhelfen, mit Menschen anderer Länder zu kommunizieren.

Silvia Fust, die Geschäftsführerin der jüngsten Baeschlin-Tochter Staeheli, wies auf die jahrzehntelangen persönlichen Händlerkontakte hin, die das Zürcher Unternehmen vorab in die englische Welt, aber auch zu Verlegern rund um den Globus pflege. Es sei gerade in diesem weltumspannenden Geschäft von grosser Wichtigkeit, die Handelspartner persönlich zu kennen, denn das internationale Schulbuchgeschäft sei ein Spezial-Geschäft, das mit dem herkömmlichen deutschsprachigen Buchhandel wenig gemeinsam habe. Umso wichtiger sei es, als Sprachen-Spezialbuchhandlung auch persönlicher Ansprechpartner von Schulen, Bibliotheken, Kursorganisationen und Privatkunden zu sein. Die fachliche Kompetenz solle schliesslich den Kunden die Beschaffung der richtigen Bücher in schnellstmöglicher Zeit garantieren. Persönlicher Kontakt, statt anonymer Service-Nummern in weit entfernten Call Center, sei das Geheimnis des Erfolges von Staeheli wie von Schuler und Baeschlin.

Sowohl Gaby Ferndriger wie Silvia Fust wiesen darauf hin, dass die traditionellen Buchhandlungen der Baeschlin-Gruppe weiterhin alle Sprachlehrmittel besorgen und zum Teil ab Lager verkaufen, dass aber, wer direkt bei Staeheli in Zürich Kunde sei oder bleibe, automatisch auch Baeschlin-Kunde sei und von allen Vergünstigungen der Baeschlin-Gruppe profitieren könne.

In einer sympathischen und klugen Rede überbrachte Stadtpräsident Christian Marti die Grüsse und Glückwünsche von Glarus – und – in Stellvertretung seines Amtskollegen – auch jene von Glarus Nord. Er erinnerte daran, dass gerade in der heutigen Zeit der Mut des Familienbetriebes zu neuen Investitionen und zum Glauben an das Medium Buch wichtig seien. Nur so könne die wirtschaftliche und die kulturelle Bedeutung der Versorgung der Bevölkerung mit Büchern auch in Zukunft gesichert werden. Wenn dies auch mit der Schaffung von neuen Arbeitsplätzen verbunden sei, dann sei die Wertschöpfung besonders interessant. Marti beglückwünschte das Familienunternehmen zu seinem unternehmerischen Mut und erinnerte sich – schmunzelnd – an die Zeit, in der er vor vielen Jahren selbst aus Aushilfskraft bei Baeschlin gearbeitet habe.

Anschliessend las Susan Spiess, Englischlehrerin aus Weesen, Briefe vor, die der englische Forscher und Reisende William Coxe Ende des 18. Jahrhunderts von seiner Expedition ins Glarnerland nach Hause schrieb: Seine uneingeschränkte Bewunderung galt dabei dem unbändigen Freiheitswillen der Glarner, deren Schlacht bei Näfels er dem historischen Kampf um Marathon gleichsetzte . Überhaupt schien es dem königstreuen Engländer, der auch als Lehrer für Kinder der britischen upper class wirkte, dass das politische System der damaligen Eidgenossenschaft anderen Regierungsformen doch in Vielem überlegen sei, von der guten Luft in den Bergen, der besten Milch und dem süssesten Honig ganz abgesehen. Susan Spiess meisterte ihre Aufgabe mit Bravour und machte mit ihren ergänzenden Bemerkungen zu Autor, Zeit und Thema sowie mit ihrem professionell vorgetragenen Altenglisch den stimmungsvollen Abend zu einem unvergesslichen «English Evening».

Da zauberten dann die liebevoll extra für diesen Anlass kreierten Muffins und die Cookies aus der Backstube von Claude Studer aus Niederurnen wahrhaft englische Stimmung in die Lagerhalle von Ziegelbrücke, sodass die Rückfahrt mit dem Londoner Bus manchem viel zu früh erschien. Kunststück, denn der Abend hatte zu dem geführt, was Sprachbücher bewirken sollen: Einen regen kulturellen Austausch – in Glarner Dialekt, in Hochdeutsch und natürlich – in English as well …