Balkan und Osteuropa – Musik vom Allerfeinsten

Markus Bissig, umsichtiger Ansager und guter Hausgeist des sakralen Raumes, war nicht der Einzige, der sich am vergangenen Sonntag auf eine ganz besondere Musik freute. Die vor wenigen Jahren sorgsam und umfassend restaurierte Kirche erwies sich einmal mehr als Konzertraum mit hervorragender Akustik.



Balkan und Osteuropa – Musik vom Allerfeinsten

Dieser Umstand kam dem aus sechs Personen bestehenden Ensemble Polifonia sehr entgegen. Die aufeinander hervorragend abgestimmten Musikerinnen und Musiker boten über mehr als eine Stunde hinweg zumeist Ungewohntes, selten Gehörtes mit einer immensen Fülle an wechselnden Stimmungen derart an, dass der herzliche, verdiente Beifall kaum enden wollte. Es war eine Verquickung von musikalischen Erlebnissen, die von schnellen Wechseln, Sehnen, Träumereien, Flehen, immenser Lebensfreude, Tanz, Plaudereien, spannender Dynamik und hoher spielerischer Intensität erfüllt war. Das erzeugte bei den erfreulich vielen Konzertbesuchern Spannung und Anteilnahme. Die wechselreichen musikalischen Impressionen waren von riesiger Freude und Hingabe erfüllt. Man liess sich gerne mitführen, anregen. Umgeben war man stets von einer grossen Fülle an beseelt Interpretiertem. Man hörte die Liebe zu einer Heimat, einer Kultur, die distanzmässig fern, aber inhaltlich so nah und greifbar ist, einen ergreift. Irgendwie verstand man gesungene Botschaften ohne Kenntnisse der jeweiligen Sprache. Man spürte, was gemeint war, freute sich am Schalk, am sanften Mahnen, nahm von der grossen Lebensfreude, dem mitreissenden Tanz, auch der Wehmut und kindlichen Hingabe Kenntnis.

Man verweilte gerne in derartigen Klangmomenten, die zuweilen einem flüchtigen, leisen Wind ähnlich waren, beim Hinhörenden ankamen, sich aber schnell verflüchtigten, um Neuem Platz zu machen. Riesig schön, kraftvoll, leichtfüssige Heiterkeit, beseelte und innige Hingabe prägten die vielen Stücke. Die Ensemblemitglieder spielten in wechselnden Besetzungen, mit stets hoher Präsenz und spürbarer Freude am Ausgestalten, das so gut geriet und ein Beenden recht schwierig machte. Weisen aus verschiedenen Ländern des Balkans brachten ein Kulturgut näher, liessen erahnen, dass auch andernorts die tiefe Liebe zur eigenen Heimat ganz stark lebt, sorgsam gepflegt und angeboten wird. Man begriff, dass die Interpretierenden nicht stehen bleiben konnten, dass ein sanftes Mitschwingen, ja Mittanzen zum Ausspielen gehörte. Es kamen eine grosse Fülle an Spannung und Bewunderung über die immense Virtuosität und das kenntnisreiche Umsetzen auf. Die Mitglieder dieses Ensembles sind überzeugende Kulturbotschafter, die mit viel Liebe, Respekt, Können und Sorgfalt auszuspielen wissen und damit Wertvolles so ganz im Stillen zu vermitteln wissen.