Balz Trümpys Klangwelten

Aus der ehemaligen Gemeindestube Schwanden ist der Kulturverein Glarus Süd mit neu Verantwortlichen entstanden. Präsidentin ist Ruth Tüscher aus Betschwanden. Sie und der ungemein kreative Vorstand haben ein Saisonprogramm zusammengestellt, das auf hoffentlich grosse Beachtung stossen wird. Eingeladen wurde am vergangenen Sonntag zu einer ganz besonderen musikalischen Matinee, deren Inhalte weit weg von Gewohntem, Ohrwurm-Verdächtigem, klassisch Bewährtem für ein garantiert grosses Publikum waren.




Dem Programm war zu entnehmen, dass zum 70. Geburtstag des glarnerischen, hauptsächlich in Basel lebenden und tätigen Komponisten Balz Trümpy einige seiner Kompositionen gespielt würden. Es seien auch Uraufführungen darunter. Dazu kämen Werke von Paul Hindemith, Franz Schubert und Robert Schumann. Hatten die Organisatioren einen musikalischen Spagat gewagt, um neben offensichtlich enorm Modernen noch etwas für vielleicht strapazierte Gehörgänge anzubieten?

Im herbstlich geschmückten Gemeindezentrum Schwanden war lediglich ein Teil der bereitgestellten Sitzgelegenheiten belegt. An der Seite von Balz Trümpy begrüsste Ruth Tüscher. Dass sich Balz Trümpy im Verlaufe des Novembers mit vier Musikerinnen auf Tournee in Deutschland und der Schweiz befindet, war einem Beiblatt zu entnehmen, machte hellhörig, neugierig. Wie wird das wohl tönen? Wie gross sind Forderungen und Erwartungen an die Interpretierenden? Wie kommt die musikalische Moderne beim Zuhörer an? Welche Bilder und Gefühle wachsen im Innern jener, die sich zu diesem Auseinandersetzen bereitgefunden haben?

Das Studieren der Angaben zu den Beteiligten war erhellend. Balz Trümpy war Dozent für Musiktheorie und Komposition am Konservatorium (Hochschule für Musik) in Basel. 2008 erhielt er die Professur. Seine Werke werden in Europa, Asien und Amerika gespielt, dies an bedeutenden Festivals. Trümpy arbeitet mit bedeutenden Künstlern zusammen und schrieb verschiedene Auftragswerke. Die Violonistin Virginie Raemy, die Cellistin Chisaki Kito und die Pianistinnen Ioana Ilie und Araksya Sargsyan sind mit der Musikhochschule Basel, damit auch mit dem Trümpys Schaffen verbunden. Sie alle gestalten derart ausdrucksvoll, mit hoher Fertigkeit und spürbarem innerem Engagement, dass alle Erwartungen irgendwelcher Art erfüllt wurden. Sie führten in musikalische Welten, die von Geheimnisvollem, Träumereien, Stürmischem, genussvollem Verharren, Weiterspinnen kecker Gedankenblitze, Innehalten, Auskosten vieler Gefühle – einer beinahe überquellenden Vielfalt – geprägt waren. Für kurze Momente kamen zuweilen Ruhe, Innehalten, dann wieder flüchtiges Enteilen auf. Das ergab Kurzweil, Spannung, weckte auch Bewunderung über die unerhörte Reife des Ausgestaltens, des Miteinanders, des solistischen Spiels. Man staunte über Klangverfremdungen, über zarteste Piani, forsche Forti. Gewiss verlassen Trümpys Kompositionen gewohnte harmonische Welten, durchstrukturierte Dynamik und anderes, das so vertraut, hin und wieder beinahe kitschig schön aufklingt.

Es ergaben sich zahlreiche faszinierende, absolut spannende Momente, die artig, beinahe zurückhaltendArtikel applaudiert wurden. Diese Matinee hat ein Auseinandersetzen geboten, das in guter Weise als Hinführen zur gemässigten, auch zur ungewohnten Neuzeit verstanden werden darf, ohne irgendwelche mündliche Erläuterungen.

Auf begrüssenswerte Weise haben die neu Verantwortlichen des Kulturvereins Glarus Süd die Türe zu einer musikalischen Welt geöffnet, die vielen recht fremd ist. Hoffentlich wird dieses Begegnen weitergeführt.