Es ging, unter dem Vorsitz von Landrat Martin Landolt, Näfels, dessen Austritt aus der SVP die Parteigründung letztlich ausgelöst hatte, rassig zu und her. Nach gut einer Stunde „stand“ die neue Partei, die bereits über eine achtköpfige Landratsfraktion verfügt.
Historisches Datum 28. August
Regierungsrat Robert Marti hatte mit einigen Fakten zum 28. August begrüsst. U.a. wurde an diesem Tage im Jahre 1749 Johann Wolfgang Goethe geboren. Marti stellte erfreut fest, dass die BDP schneller wachse als erwartet. Die glarnerische Partei fusst auf der Tradition der frühern Demokraten; diese Herkunft sei bis heute nicht vergessen worden. Unmittelbarer Anlass für die Neugründung waren der Hinauswurf der Bündner aus der SVP, aber das Unbehagen über die SVP-Politik in der Schweiz wie im Kanton Glarus dauerte schon länger - vor allem auch des Stils wegen. Die neuerdings proklamierte militärpolitische Ausrichtung der SVP, die sich gegen Bundesrat Schmid richtet, gibt ebenfalls sehr zu denken. Die neue BDP wolle eine solide Politik mit ländlicher Verankerung betreiben und konstruktiv sein statt zu blockieren und die Gegner verächtlich zu machen. Es gehe um „Anstand und Augenmass“.
Einstimmiger Gründungsbeschluss
Regierungsrat Marti schlug Landrat Martin Landolt als Tagespräsident, Landrat Peter Rufibach, Riedern, als Tagessekretär. Alsdann wurden die Statuten diskussionslos und einstimmig genehmigt, womit der Grundsatzentscheid über die Parteigrünung gefällt werden konnte, der ebenso einstimmig - und applaudiert - erfolgte.
Auch das Parteiprogramm wurde einstimmig gutgeheissen. Darin bekennt sich die BDP u.a zu „gegenseitiger Toleranz und Achtung“, ebenso zum konstruktiven Dialog - „wir sind keine Oppositionspartei“ - ferner zu schlanken Strukturen speziell im Blick auf die Neuorganisation der Gemeinden, zu einer sorgfältigen Ausgabenpolitik, zur bessern Verkehrserschliessung, sowie zu einem hochstehenden Bildungssystem. Das Programm werde noch weiterentwickelt werden, erklärte Landolt.
Wahlen
Martin Landolt beliebte (natürlich) als Präsident. Er sei sich der hohen Erwartungen, die in ihn gesetzt werden, bewusst, sagte er, er hoffe aber, dass das Parteiorchester gute Musik spiele. Die bisherige Mannschaft sei bereits einspielt. Man wolle lösungsorientiert handelt, auch in Zusammenarbeit mit den andern Kantonalsektionen und mit andern Parteien.
Zum Vizepräsidenten wurde der Rütener Gemeindepräsident Mathias Vögeli erkoren. Dem Vorstand gehört von Amtes wegen Regierungsrat Robert Marti an, ebenso Ratsschreiber Hansjörg Dürst und Fraktionspräsident Ernst Disch. Einsitz werden auch die Vorsitzenden der Jungen BDP und der Frauengruppe nehmen. Sozusagen vorsorglich gewählt wurden die ebenfalls dem Vorstand angehörenden Präsidenten der drei Ortsparteien, für Glarus-Süd Landrat Fridolin Luchsinger, Schwanden; für Glarus-Mitte Landrat Karl Mächler, Ennenda, für die Glarus-Nord Landrat Beny Landolt, Näfels. Sekretär ist Peter Rufibach.
Der Jahresbeitrag wurde auf 30 Franken festgesetzt.
Grüsse aus Bern und Graubünden
Die Grüsse der Berner BDP überbrachte Parteipräsidentin Beatrice Simon, Grossrätin aus Seedorf. Die BDP sei eine bürgerliche Partei, die mit Stil, Anstand und Respekt politisiere, aber auch mit Humor, denn „Lachen ist die schönste Art, dem Gegner die Zähne zu zeigen“.
Als Vertreter der Bündner dankte Markus Hasler für die Solidarität mit der ausgeschlossenen Bündner SVP. Es geht um selbstständiges Denken und Handeln.
Bundesrat Samuel Schmid
Bundesrat Samuel Schmid, bei seinem Eintritt in den Saal bereits herzlich applaudiert, gratulierte für den Mut zur Selbständigkeit. Das grösste Fass überlaufe einmal, und das sei nun geschehen, sodass die Neugründung notwendig geworden sei. Schmid verlangte Respekt gegenüber Andersdenkenden, aber man müsse einen festen Standpunkt haben, um einen für alle guten Kompromiss zu erarbeiten. Es gebe da eine „Philosophie der Optimierung“. Man könne den 95 Prozent nicht einer Partei angehörenden Mitbürgern zeigen, was gute Politik sei; sie hätten alle Platz in der BDP. Schmid übergab Martin Landolt sein Sackmesser.
In aufgeräumter Stimmung verliess man das GH.
(Das Parteiprogramm und die Statuten können über Internet www.bdp-glarus.ch abgerufen werden; hier kann man sich auch für die Parteimitgliedschaft anmelden.)






