Beat Sterchi las im «Wortreich» Glarus

Und wenn für einmal aus dem kleinen, feinen Hauptort über eine ganz besonders kleine und feine Veranstaltung berichtet wird, hat das so seine Berechtigung. Es war auf der einen Seite das in nicht eben grosser Zahl erschienene Publikum, das sich in der Buchhandlung an der Abläschstrasse eingefunden hatte, dann waren es die kurzen Texte, die Beat Sterchi in unbernisch rasantem Tempo vortrug und zu guter Letzt die so vernommenen Inhalte aus Geschehnissen, die sich da und dort zutragen und die einer ertragreichen, kreativen Urquelle namens Sterchi entsprudeln.




Und es wuchs eine auf Zeit befristete Zusammengehörigkeit, die mit Gemütlichkeiten, Zeitkritischem, Feinsinn, Humor, Wortakrobatik der höheren Liga, zahllosen Begegnungen, Herzlichkeit, Staunen und Anteilnahme umschrieben werden darf. Verantwortlich waren Beat Sterchi als mitgeniessender Literat sowie Christa und Gabriele Pellicciotta als charmante Gastgeber.

Beat Sterchi bevorzugte zur Hauptsache die sprachliche Kürze; widmete sich Wortwiederholungen, die schon fast beschwörende Dichte annahmen; wies in verblüffend kreativer, wortwitziger Art auf dieses und jenes hin, das sich ereignet. Man muss sich in Sterchis Wortreichtum, der gar keiner ist, reinhören, schnellstens mitvollziehen und begreifen können. Man muss derart Reduziertes auch mitgeniessen, das eigene Staunen und die persönliche Anteilnahme wecken. Sterchi spielt mit Wörtern und Inhalten, wirbelt Erkenntnisse auf.

Schönreden und schön reden stellt er einander gegenüber. In der Autobiografie wird in aller Kürze über das Sein, Haben, Werden, Können, Sollen und Wollen ansatzweise nachgedacht, das Weitersinnieren wird den Lesenden überlassen und zugemutet. Wenig später ruft er seinem wieder enteilenden Kopf zu: «Nimm mich mit!» In «Das Literarische und das Politische» stellt er unter anderem unumstösslich fest, dass das Literarische immer politisch, aber das Politische nicht immer literarisch ist. In weiteren Kurztexten entführt er an den Strand und das Meer, verweilt in den Bergen, befasst sich mit grossen und kleinen Menschen – wobei die Grossen in grossen Sachen oft kleiner sind als die Kleinen und das Umgekehrte ebenfalls Gültigkeit hat. Muttertag und eine im Wald gefundene Schraubenmutter verknüpft er mit ebenso feinsinnigem Gespür wie die Dichtung und den Dichtungsring.

Er verblüfft und erfreut die gebannt Hinhörenden – auch bei seinem Exkurs über Gotthelf und dessen Romane. Das hat er alles aufgearbeitet und alphabetisch geordnet. Der sympathische Wortakrobat vereint in sich eine begnadete Fülle von Zeitkritischem, Genüsslichem, liebevollen Urteilen und Schlussfolgerungen, feinsinnigem Humor. Verletzend ist er nie, er führt eine feine Feder.

So richtig vergnüglich war es zuweilen, beispielsweise im Gespräch zwischen Grossenbacher und seinem Nachbarn. Manfred Grossenbacher hasste den, beschimpfte ihn, deckte ihn mit einem auf …loch endenden Schimpfwort ein, wurde vor den Richter gezogen und musste wegen übler Beleidigung zahlen. Der Nachbarn kaufte sich einen Hund, den er «Grossenbacher» taufte und der immer zur Kasse gebeten wurde, wenn der Nachbar Manfred wieder mal im Garten war.

Wenig später sinnierte er über die Bedeutung eines währschaften Fondues samt Zutaten und Tischgespräch, oder das unumstösslich Wertvolle an einem Gipfeli, den mit einer üppigen Schlagrahmportion zugekleisterten Meringues im Freiburgischen, Ferienfotos der Trudi einher.

Man sass da, hörte gebannt zu, hätte gerne noch länger gelauscht – aber es gab ja die Bücherecke mit Sterchis literarischem Schaffen. Und das konnte man mühelos nach Hause mitnehmen.