Beirut – Zypern – Rhodannenberg

Oft spielt der Zufall im Leben eine ganz sonderbare Rolle. Nicht immer ist alles vorhersehbar und doch entstehen dadurch die ungwöhnlichsten Geschichten.



Ruth Neidhart bei ihrer Schmuckausstellung im Rhodannenberg (Bild: ehuber)
Ruth Neidhart bei ihrer Schmuckausstellung im Rhodannenberg (Bild: ehuber)

Ausgang der Geschichte

Durch eben diesen Zufall wurde bekannt, dass Frau Ruth Neidhart, am Samstag und Sonntag im Hotel Rhodannenberg eine Schmuckausstellung durchführt. Sie ist die Schwester der Wirtin vom Rhodannenberg und ihre Mutter ist eine geborene Michel aus Glarus. Ruth Neidhart lebt seit vielen Jahren in Zypern und Ihre Tochter Michelle hat auf dieser Insel auch die Schule absolviert. Sie studiert heute in Zürich Chemiewissenschaft, während die Mutter nach wie vor in Nikosia lebt und eigenen Schmuck kreiert. Dies der Ausgang dieser Geschichte.

Flucht aus Beirut

Ihre Tochter Michelle ist mit einem Libanesen verlobt und beabsichtigte am 14. Juli wieder einmal zu ihm nach Beirut zu fliegen. Am Tag vor dem Abflug wurde sie durch ihren Verlobten aufgefordert – aufgrund der politischen Situation im Libanon – den Flug nicht anzutreten. Im Gegenteil noch am gleichen Tag, kurz bevor der Flugplatz in Beirut durch die Israelis bombardiert wurde, flüchtete ihr Verlobter über Jordanien nach Zypern. Dadurch, dass er auch einen zypriotischen Pass besitzt, gelang ihm die Flucht. Unmittelbar danach war der Flugplatz nicht mehr passierbar. Die Kosten für diesen Flug betrugen sagenhafte 2000 Dollar. Für viele Libanesen ist eine Flucht schon rein aus Kostengründen nicht möglich. Zudem sind die Transportwege, ob zu Luft oder zu Wasser, völlig überlastet und verstopft. So gesagt hatte er noch Glück im Unglück gehabt. Den wer flüchtet schon gerne aus seinem Heimatland.

Libanon und Beirut heute

Um die Situation im heutigen Beirut in Erfahrung zu bringen, hat Ruth Neidhart in Gegenwart von glarus24 mit dem Verlobten ihrer Tochter in Zypern telefoniert. Er hatte noch am Morgen mit seinem Vater, der nach wie vor in Beirut lebt, gesprochen. Folgendes hat dieser am Telefon wörtlich gesagt: „Meinem Vater geht es schlecht. In ganz Libanon gibt es keinen Strom. Die Versorgung mit Lebensmittel ist sehr schwierig. Die Gestelle in den Läden sind praktisch leer, da die Strassen für die Transporte nur noch beschränkt - und mit Gefahren verbunden - passierbar sind. Öl und Benzin werden noch knapp für eine Woche ausreichen. Die Stadt Beirut versinkt im Chaos.“ Dies die Worte des Vaters. Er selbst fügt mit bewegter Stimme noch bei: Der Libanon hat in diesem Jahr mit über 1.5 Mio. Touristen gerechnet. Im vergangenen Jahr betrug das Wirtschaftswachstum über 6%. All dies ist nun zerstört. Die Hoffnung und die Zuversicht der Bevölkerung ist auf einen Schlag zu Nichte gemacht worden. Im Libanon leben sehr viel Christen und die Hispola ist nur eine kleine Gruppe. Die Armee war in den vergangenen 15 Jahren damit beschäftigt, beim Aufbau mitzuhelfen. Die militärische Schlagkraft ist sehr gering. Ein Kampf gegen die schwerbewaffnete Hispola und schon gar gegen die israelische Armee ist aussichtslos. Sie stehen auf verlorenem Posten. Eine Rückkehr nach Beirut ist in nächster Zeit unmöglich. Ich hoffe nur, dass mein Vater die schwere Zeit gut übersteht und dass dank internationaler Hilfe dieser sinnlose Konflikt bald ein Ende nimmt. In den letzten 10 Tagen wurde alles zerstört, was in mühevoller Arbeit während den vergangenen 20 Jahren im Libanon aufgebaut wurde.“

Der Libanon und auch Beirut snd weit weg vom Glarnerland. Sobald man aber mit einem Direktbetroffenen sprechen und seine Emotionen spüren kann, ist alles sehr Nahe. Dann wird uns einmal mehr bewusst, wie ruhig und sicher doch unser Leben in der Regel verläuft. Sind doch unsere Sorgen und Nöte ein „Mikro“ im Vergleich zu dem Leiden der Menschen im Krisengebiet. Wie der Zufall halt so spielt: Beirut- Zypern-Rhodanenberg.