Bereit für den Härtetest

Die Glarner Schachspieler setzen sich nach vier Runden an der Tabellenspitze der 1. Liga fest und schicken die Gäste von Sprengschach Wil mit einer 6,5:1,5-Packung nach Hause. Auch die zweite Mannschaft siegt erstmals und holt damit wichtige Punkte für den Verbleib in der 3. Liga.




Zugegeben: Sprengschach Wil ist in Normalbesetzung eine bissige Mannschaft, die den Glarnern auch schon vor arge Probleme stellte. Durch viele Ausfälle geschwächt, trat Sprengschach jedoch an den ersten vier Brettern gegen die Glarner Topspieler mit Junioren an, die noch eher im Frühling ihrer Schachkarriere stehen. Die St. Galler stellten ihre Schwergewichte taktisch an den Brettern 5 bis 8 auf und hofften, durch das Hintertürchen einen Überraschungscoup landen zu können. Glarus hingegen musste ohne seinen Teamleader Fabian Bänziger antreten. Der Ausgang des Matchs würde somit an den hinteren Brettern entschieden werden.

Schnelle Entscheidungen

Der Stärkeunterschied an den ersten vier Brettern war denn auch nicht zu übersehen. Ufuk Tuncer und Dario Bischofberger überspielten ihre jungen Gegner rasch und brachten Glarus 2:0 in Führung. Oswald Bürgi am dritten Brett erlaubte sich sogar ein riskantes Figurenopfer und erhöhte auf 3:0. Zwei klare Gewinnstellungen bei Olga Kurapova und Guido Neuberger versprachen für Glarus beste Aussichten. Olga Kurapova realisierte den Punkt auch mit einem schönen Angriffsspiel. Jetzt fehlte nur noch ein halber Punkt für den Sieg. Aus taktischen Gründen bot der Mannschaftsleiter Martin Dürst seinem Gegner, dem ELO-stärksten Wiler Manuel Sprenger, in leicht vorteilhafter Stellung remis an, was dieser nach kurzem Überlegen akzeptierte.

Fast alles ging auf

Guido Neuberger am Spitzenbrett lieferte in seinem zwölften Einsatz für Glarus den elften Vollerfolg – eine beeindruckende Bilanz. Glarus lag nun mit 5,5:0,5 vorne und den Wilern drohte eine veritable Klatsche. Doch noch gaben die Gäste nicht auf. Jan Selinga hatte ein ähnliches Figurenopfer wie Oswald Bürgi gespielt, fand sich nach vielen taktischen Wendungen jedoch in einem schlechteren Endspiel wieder, das er schliesslich nicht mehr halten konnte. Fabian Ferster, der erstmals für Glarus antrat, setzte mit seinem geduldig herausgespielten Sieg den Schlusspunkt zum klaren Verdikt von 6,5:1,5. Weil der bisherige Leader St. Gallen sein Match verlor, setzt sich Glarus als Aufsteiger erstmals an die Spitze der Erstliga-Gruppe Ost.

Neues Mannschaftskonzept zahlt sich aus

Glarus hat die Lehren aus dem letzten Aufstieg in die 1. Liga gezogen, der 2016 noch als eher unverhoffter Glücksfall in Angriff genommen worden war. Obwohl Glarus postwendend wieder in die zweite Liga zurückkehren musste, zeigte sich, dass in der Mannschaft das Potenzial für mehr steckte. In der Saison 2019 präsentiert sich Glarus als Mannschaft mit einer Mischung aus starken Junioren aus der Region und erfahrenen Spielern. Dadurch hat das Mannschaftskader sowohl an Substanz als auch Breite gewonnen. In dieser Form wagt Glarus sogar erstmals in seiner Vereinsgeschichte einen Blick in Richtung NLB. Doch in den nächsten Runden warten mit Winterthur und Wollishofen die unmittelbaren Verfolger. Bestehen die Glarner diesen Härtetest, sind sie wohl reif für ein neues Ziel.

Wichtige Punkte für die zweite Mannschaft

Auch die zweite Mannschaft holte mit ihrem ersten Sieg entscheidende Punkte im Kampf gegen den Abstieg. Gegen das leicht favorisierte Dübendorf gelang Glarus ein knapper, aber enorm wichtiger Sieg. Volker Horn und Fritz Bolliger beendeten ihre Partien erfolgreich, Werner Weibel musste sich geschlagen geben. Werner Furthmüller und Jacques Jenny remisierten, und so hing alles von der Partie von Danny Pinggera ab. Um den Sieg zu sichern, brauchte er ein Remis. Nach einer langen Partie, die bis weit in die Nacht hinein gespielt wurde, rang Pinggera seinem höher eingestuften Gegner diese entscheidende Remis ab. Glarus 2 liegt nun auf dem gemeinsamen 6. Rang und hat die Chancen auf den Ligaerhalt gewahrt.