Berufsmatura erfolgreich abgeschlossen

15 junge Männer und fünf Frauen bekamen am Donnerstagabend an der Berufsfachschule Ziegelbrücke ihre Berufsmaturitätszeugnisse. Gastreferent Tobias Meyer zeigte auf, was man mit grossem Einsatz erreichen kann.




Draussen brauten sich dunkle Wolken zusammen, in der Mensa der gewerblich-industriellen Berufsfachschule aber feierten 20 junge Menschen mit ihren Angehörigen und Lehrpersonen fröhlich den erfolgreichen Abschluss der Berufsmatura (BM). Diese verbindet die berufliche Grundbildung mit einer erweiterten und vertieften Allgemeinbildung und erschliesst eine Reihe von höheren Bildungswegen. In der jetzigen Form ist sie 1994 ins Leben gerufen worden mit dem Ziel, die Berufslehre aufzuwerten und auch für Schülerinnen und Schüler interessant zu machen, die sonst den gymnasialen Weg eingeschlagen hätten.

«Ein Erfolgsmodell»


BM-Leiter und Klassenlehrer Markus Hagmann freute sich speziell, dass auch fünf Frauen die Berufsmatura bestanden hatten – zwei von ihnen wurden gar für die besten Noten ausgezeichnet.

Die Feier fand zum 15. Mal statt. «Es hat sich vollständig bewährt, heute spricht man von einem Erfolgsmodell, das die Erwartungen übertroffen hat», zog der Leiter Bilanz angesichts des kleinen Jubiläums. Zum Erfolgsmodell für die Absolventinnen und Absolventen werde die BM aber nur dann, «wenn sie auch etwas daraus machen. Der erste Schritt ist getan, weitere müssen folgen.»

Was es dazu braucht, zeigte er an der Biografie von Martin Gerber aus dem Emmental auf. Als untalentiert eingestuft, hielt dieser stets an seinem Ziel fest, ein erfolgreicher Eishockeyspieler zu werden. Er trainierte mit eiserner Disziplin und stieg mit 24 Jahren als Stammtorhüter mit Langnau in die höchste Liga der Schweiz auf. «Gerber hatte ein Ziel und war bereit, härter als alle anderen dafür zu arbeiten», erzählte der BM-Leiter. Schweden, die NHL in Kanada – wo er den Stanley-Cup gewann –, und Moskau waren weitere Stationen im Leben des Schweizers. Er erlitt eine schwere Verletzung, kämpfte sich aber wieder zurück. Nun kommt er mit 38 Jahren heim in die Schweiz. Sein Ziel: die Olympischen Spiele in Sotschi. Einen erneuten Transfer ins Ausland schliesst er nicht aus.

Zwei Vorbilder


Seinen Erfolg habe Martin Gerber mit Vehemenz, Zielstrebigkeit, Verbissenheit und einer gesunden Portion Sturheit erreicht. «Auch ihr werdet die Erfahrung machen, dass auf euch niemand gewartet hat. Euren Platz in der Arbeitswelt müsst ihr euch erkämpfen», sagte der BM-Leiter zu den Absolventinnen und Absolventen. Martin Gerber könne ein Vorbild sein – ebenso der 22-jährige Tobias Meyer, gelernter Polymechaniker und ehemaliger Berufsmaturand in Ziegelbrücke.

Dieser schilderte selbstbewusst und humorvoll den «Weg von Leuggelbach nach London». Dort hatte er 2011 an den WorldSkills, der Berufs-Weltmeisterschaft, den vierten Rang im CNC-Fräsen erreicht. «Sie haben nicht auf mich gewartet, ich musste es auch in Teilschritten erkämpfen», sagte der junge Gastreferent. Nach dem Titel an der Schweizer Meisterschaft hatte er ein Jahr Zeit für die Vorbereitung auf die WM – der Weltmeister aus Korea hatte vier Jahre Vorlaufzeit und bestritt das Training als Angestellter, nicht in seiner Freizeit. «Ich habe relativ viel bekommen, weil ich Gas gegeben hatte in der Lehre bei Sauter Bachmann und an der Schweizer Meisterschaft. Unbezahlbar waren die Erlebnisse und Einblicke», meinte der junge Glarner rückblickend. Der erwähnte Koreaner hatte einseitige Fähigkeiten und wusste beispielsweise nicht, wo London lag. «Da bin ich lieber Vierter und weiss, wo London ist», schmunzelte Tobias Meyer.

Er würdigte das Ausbildungssystem der Schweiz und speziell die BM, den «Königsweg an die Fachhochschule». Die heute Gefeierten stünden am Anfang, aber: «Ihr habt den besten Weg eingeschlagen, zieht weiter so.»

Regierungsrätin Christine Bickel dankte für diesen «Werbespot für das duale Bildungssystem» und gratulierte den erfolgreichen Absolventinnen und Absolventen zu den bereits grossen Leistungen in den vergangenen vier Jahren. «Heute ist Geniessen angesagt», meinte die Erziehungsdirektorin vor der Abgabe der Zeugnisse. Für die höchsten Noten speziell ausgezeichnet wurden Daniela Meier aus Schwändi (5,3), François Glur aus Amden (5,2), Beda Berchtold aus Heiligkreuz und Nadine Schrepfer aus Obstalden (beide 5,1). Herzliche Gratulation!