Beseelte Kraft im Wortreich Glarus

Die Blueskonzerte in der Kulturbuchhandlung Wortreich erfreuen sich spürbar grosser Beachtung und Wertschätzung. Die «Blues-Familie» ist gross, swingt und klatscht mit, honoriert die wechselvollen Angebote, die sich gut und gerne über zwei Stunden dahinziehen, mit starkem, verdientem Beifall.



Beseelte Kraft im Wortreich Glarus

Diesmal begrüsste Christa Pellicciotta mit dem Hinweis auf Events, die beinahe im Wochentakt angeboten sind, Filme nehmen breiten Raum ein. In ihrer Einführung wies sie auf die Erkrankung des Bassisten Fabio Bianchi hin. Ihn ersetzte der spanische Saxofonist Juanjo Cabillas auf beeindruckende Weise. Einbezogen sei die Besonderheit des Beginns mit dem unüberhörbare Klang einer Kuhglocke – die mit Soulklang rein gar nichts zu tun, aber als besonderer Tupfer zu gelten hat.

Mit Kraft, Beseeltheit, Wechselvollstem und grandioser mimischer Vielfalt des Sizilianers Stefano Barigazzi ging es los. Rasch sah man sich eingebunden, vernahm bruchstückhaft, was sich in der Blues- und Lebenswelt im englischen Sprachraum zu ereignen pflegt. Es war eine packende Vermischung von höchst Leidenschaftlichem, Kraft, Träumerei, Herbeigesehntem, zuweilen temporeich in höchsten Lautstärken, dann wieder flehentlich Anbetungswürdigem. Es war ein Entführen in eine bunte, lautstarke und kraftreiche Welt. Insider wussten nach den kurzen Titelansagen, was zu erwarten war, andere liessen sich noch so bereitwillig durch eine ganz besondere Vielfalt führen.

Stefano Barigazzi, auf verschiedenen europäischen Bühnen und Festivals zu Gast, war unüberhörbare Ganzheit, kräftig, gefühlvoll, temporeich, dann wieder kurz verharrend, spürbar einfühlend Er lebt mit seinem Gestalten, ist unüberhörbares Zentrum Einheit, deutet vielschichtigst aus, lebt eine Ganzheit, die packend ist.

In nichts steht ihm der Saxofonist nach, nimmt zuweilen Impulse des Gitarristen auf, schmückt trickreich aus, ist hochkonzentriert. Es werden einander kurze Melodien zugespielt, aufgenommen, verziert, zurückgegeben. Nicht bloss in solchen Momenten spürt man Kraft und Eleganz, inhaltlichen Reichtum.

Und wenn der Saxofonist mit dem blossen Mundstück auszuschmücken, wechselvoll zu begleiten weiss, ist man für kurze Zeit in einer ganz besonders auskomponierten Musikwelt aufgehoben. Eingeschoben sei, dass alles ohne Noten gespielt wurde, dass in allen Kompositionen nie etwas auseinanderfiel, die Kompaktheit echt bemerkenswert war.
Die Zugabe mit dem sinnigen Titel «Good Night» war Abschied, bedeutete für einige Gedankenaustausch und Verbleiben an der «hauseigenen» Bar.