Bettagsgottesdienst steht im Zeichen der Solidarität

Am vergangenen eidgenössischen Dank-Buss und Bettag durften das ökumenische Pfarrteam und die Gottesdienstbesucherinnen und -besucher Nationalrat Martin Landolt als Prediger in der Stadtkirche begrüssen.



Bettagsgottesdienst steht im Zeichen der Solidarität

Schon in seiner Begrüssung legte Pfarrer Sebastian Doll die Richtung des Gottesdienstes fest. Im Bettagsmandat, welches er auszugsweise zitierte, sei die Rede von einer fragilen Normalität, die nach der Pandemie Stück für Stück zurückgewonnen werden könne. Die biblischen Lesungstexte und die Gebete, die von Pfarrer Bernd Rosner und Diakon Markus Niggli gelesen wurden, unterstrichen diese Aspekte. So mahnt der Apostel Paulus im Philipperbrief um Einigkeit: Die gehe nur, so zitierte Rosner die Bibel, wenn nicht jede und jeder auf das Seine schaue, sondern auf das, was dem anderen diene.

Diese Aspekte nahm Martin Landolt in der Predigt auf und nahm als Eröffnung das Thema unserer Werte unter die Lupe. Wir alle bräuchten Werte. Was aber, wenn dieses Einhalten von Werten plötzlich Solidarität fordere? Wenn wir etwas an unserem Dasein verändern müssten? Martin Landolt zielte dabei auf die Corona-Pandemie ab, die seit 20 Monaten unseren Alltag dominiere. Hier seien wir nun gefragt, ob wir unsere Freiheit und Eigenverantwortung so verstehen, wie sie in der Verfassung postuliert werden: «Gewiss, dass frei nur ist, wer seine Freiheit gebraucht, und dass die Stärke des Volkes sich misst am Wohl der Schwachen.»

Und eben, wie es in der Bibel stehe: «Ein jeder sehe nicht auf das Seine, sondern auch auf das, was dem andern dient.»

Daraus schloss der Nationalrat: «Wer also beispielsweise den Empfehlungen zur Bewältigung der Pandemie folgt, leistet nicht nur solidarisch seinen gesellschaftlichen Beitrag im Sinne unserer Verfassung, sondern lebt christliche Werte.»

Uns ginge es hier gut. Während jeden Tag in der Welt 14 000 Kinder sterben würden, bevor sie 5 Jahre alt seien, scheine es unsere grösste Sorge zu sein, im ÖV eine Maske zu tragen oder am Abend nicht mehr das Feierabendbier in der Beiz ohne Zertifikat trinken zu dürfen. Er habe grossen Respekt vor denen, die die Pandemie hierzulande hart getroffen habe. Bei alle dem müssten wir aber trotzdem dankbar, demütig und solidarisch bleiben. Normalität könne erreicht werden, wenn sich die Menschen impfen lassen würden. Auch das sei eine Form von Solidarität. «Die Solidarität der anderen hat noch keinem die eigene erspart.»

Martin Landolt sprach eindrücklich zu den rund 100 Gottesdienstbesucherinnen und -besuchern, die mit einem Zertifikat den Gottesdienst besuchen konnten. Feierlich umrahmt wurde der Gottesdienst mit Orgelklängen und Trompetenmusik von Lara Schaffner und Werner Eberle.