Bettagsmandat 2007 der Glarner Regierung

Der Regierungsrat erlässt für 2007 folgendes Bettagsmandat:



Bettagsmandat 2007 der Glarner Regierung

Nachfolgend ein kuzer Ausschnitt aus dem diesjährigen Bettagsmandat. Das ganze Mandat finden Sie unter dem angehängten pdf-file.

Akzeptanz

Geschichte des Landes Glarus zeugt von Akzeptanz

Akzeptanz ist ein schillernder Begriff, der Annehmen, Übernehmen, Billigen, Gutheissen bedeutet. Eine andere Meinung, eine andere Wertvorstellung oder eine andere Lebenshaltung wird nicht einfach abgelehnt, sondern unvoreingenommen geprüft. Wer akzeptiert, nimmt etwas an, verhält sich konstruktiv, baut auf – statt dass er ablehnt, sich verweigert und querstellt. Akzeptanz hängt eng mit Toleranz zusammen. Die Geschichte zeigt, wie nicht akzeptierte, nicht tolerierte unterschiedliche Vorstellungen in Gesellschaft, Wirtschaft, Politik und Religion zu Unfrieden, Krieg, Terror führen: einst Kreuzzüge, Hexenverfolgungen, 30-Jähriger-Krieg, Eroberungszüge und in unserer Zeit Kalter Krieg, Grenzsperrungen, Konflikte um Bodenschätze und Vorrangstellungen, zu allem bereite Untergrundorganisationen, böswillige Zerstörung symbolträchtiger Kulturgüter, Geiselnahmen, Sabotageakte, Selbstmordattentate...

Dass es auch anders geht, belegt insbesondere die Glarner Geschichte. 1523 wird Zürich durch das Wirken des früheren Glarner Pfarrers Huldrych Zwingli reformiert, und in der Folge zerfällt die Eidgenossenschaft in neu- und altgläubige Orte. 1529 nehmen die meisten, aber nicht alle Glarner Kirchhörinen die Reformation an. Glarus wird einziger Ort der alten Eidgenossenschaft, der beide Konfessionen als gleichberechtigt anerkennt und Glaubensfreiheit zugesteht. ..........


Landsgemeindedemokratie von Akzeptanz abhängig

Akzeptieren ist eben mehr als gleichgültiges oder verzagtes In-Kauf-Nehmen; es ist innerliche Billigung, echtes Einverständnis, überzeugte Zustimmung. Selbst wenn die Versuchung dazu besteht, darf es – vor allem auch in der Politik – nicht um Publikumsgunst und Effekthascherei gehen. Wer aus diesen Gründen der Versuchung nicht zu widerstehen vermag und «Akzeptanz» als süsse Frucht vom Baum pflückt, obschon er besser mit beiden Beinen auf dem Boden bliebe, handelt gefährlich. Wir leben weder als Bewohner unseres kleinen Kantons noch als Angehörige der ganzen Weltgemeinschaft von Blendern und Besserwissern, sondern von denen, die ernsthaft und hilfreich Verantwortung mittragen und auch Unpopuläres und Unbequemes benennen und angehen.........


Akzeptanz Voraussetzung für Freiheit

Akzeptanz spricht eine weitere grundlegende Voraussetzung für das Gelingen des menschlichen Lebens an: Freiheit. Die christliche Lehre, welche unsere Werte und Geschichte prägt, macht Mut, sie wahrzunehmen. Unsere Grundhaltung ist Gleichwertigkeit. Diejenigen, die miteinander zu tun haben, müssen aus freien Stücken zu einem Entscheid Ja sagen können oder Nein. Bei Abhängigkeiten der einen gegenüber der andern Seite bekommt Akzeptanz Schlagseite. Keine Seite darf sich über die andere erheben, respektive sich ihr unterwerfen, sonst herrscht statt Freiwilligkeit, die zur Akzeptanz gehört, zerstörerisches Machtgefälle..........

Die mit der Akzeptanz verbundene Spannung ist nur auflösbar mit Vertrauen in sich selbst und in die andern. In diesem Sinne gelebte Akzeptanz öffnet einen gemeinsam begehbaren Weg zu einer guten Zukunft: Nicht eigene Interessen sollen das Ziel sein, sondern das Wohlergehen der Gemeinschaft, misst sich doch laut Bundesverfassung „die Stärke des Volkes am Wohl der Schwachen“. Am Wegfundament können wir alle mitarbeiten. Dies zu tun, dazu fordern wir Euch, getreue, liebe Mitlandleute, auf.

Glarus, im September 2007 Namens des Regierungsrates

Der Landammann: Robert Marti

Der Ratsschreiber: lic. iur. Hansjörg Dürst