Blasmusik, «Schellen-Ursli», Gewitter und Gespräche

Als spürbar wetterfest und Kulturgeniesser erwiesen sich jene Glarnerinnen und Glarner, die im Festzelt beim Springbrunnen des Hauptortes ganz lange verweilten, um den schmissigen und wechselvollen Weisen der Elmer Dorfmusikanten unter der musikalischen Leitung von Jacques Schuler und etwas später dem stimmungsvollen Auftritt der Blaskapelle Glarnerland mit ihrem Dirigenten Markus Meli zu lauschen.



Den Abschluss des vierten der insgesamt sechs «Kulturtage» bildeten ein Gespräch zwischen Claudia Kock Marti und den im «Schellen-Ursli» auftretenden Glarner Herbert Leiser und Christian Zimmermann und die Präsentation des mit einiger Spannung erwarteten Geschehens auf der Leinwand.

Die sehr, sehr zahlreichen Regentropfen untermalten mit artigen Staccati das muntere und heitere Spiel der Bläserinnen und Bläser. Sie und die vielen Zuhörer liessen sich die gute Laune keineswegs verderben. Viel Beifall wurde stets gespendet, die kurzen Ansagen mit Schmunzeln zur Kenntnis genommen. Hinter den Auftritten der Elmer Dorfmusikanten und der Blaskapelle Glarnerland steckte ein gehöriges Mass an Vorproben. Beide Auftritte dauerten jeweils gut anderthalb Stunden. Zugaben waren ebenso willkommen wie die Reichhaltigkeit der Repertoires. Dass sich mitten in den Sommerferien so viele Spielfreudige im Volksgarten Glarus zusammenfanden, um die grosse Zuhörerschaft wahrlich zu verwöhnen, ist nicht selbstverständlich. Der starke Beifall war denn auch herzlicher und anerkennender Dank. Die Mitglieder der Blaskapelle Glarnerland boten einen Abgang der besonderen Art. Einzelne spielten unentwegt weiter, während andere seelenruhig zusammenpackten und die Bühne verliessen. Das war ebenso originell wie witzig.

Vor dem bekannten im vergangenen Jahr unter Regisseur Xavier Koller gedrehten Schweizer Spielfilm «Schellen-Ursli» begrüsste Claudia Kock Marti zwei Glarner, die im Film kleinere Rollen spielten und im Verlaufe eines Gesprächs aufzuzeigen wussten, wie intensiv Dreharbeiten so sein können. Der Einladung konnte eine weitere Darstellerin, Sara Sophia Meyer, ehemals Ennenda, aus terminlichen Gründen nicht Folge leisten.

Herbert Leiser aus Obstalden hat in verschiedenen Filmen unter Xavier Koller und weiteren Regisseuren mitgespielt. An Titeln erwähnte die Moderatorin «Das alte Haus», «Der Teufel von Mailand», «Gefrorenes Herz» und andere. In «Schellen-Ursli» spielt Leiser eine Nebenrolle. Er ist der liebenswürdige, leicht verschrobene Pöstler, der einst in einer grossen Stadt und dann weit ab von Hektik und Stress tätig ist. Die Rolle habe er, so in Beantwortung einer der Fragen, sofort und gerne angenommen. Mit Xaver Koller zu arbeiten, sei schon etwas Besonderes. Stets werde konzentriert, einvernehmlich und in wertschätzender Verbundenheit gefilmt. Die für ihn eine Woche dauernden Dreharbeiten seien fordernd, zeitraubend gewesen, hätten Durchhaltevermögen erfordert . Die Inhalte der Erzählung habe er während seiner Jugendzeit nur am Rande mitbekommen. Natürlich sei es die Kunst des Regisseurs, den eigentlich knappen Inhalt auszuschmücken und einen Film so zu realisieren, wie es mit dem Kinderbuchklassiker geschehen ist. Leiser wurde unlängst mit dem Glarner Kulturpreis und dem Solothurner Filmpreis ausgezeichnet.

Christian Zimmermann, seit 20 Jahren mit seiner Familie in Mühlehorn wohnhaft, war davon angetan, dass eine Sequenz in seiner Hammerschmiede am Fusse des Kerenzen gedreht wurde. Um einem Hauptdarsteller bei der schweisstreibenden, einige Kenntnisse erforderliche Tätigkeit behilflich zu sein, schlüpfte er in eine Nebenrolle. Er erzählte, wie es auf dem Set so zu- und hergegangen sei, wie er sein Markenzeichen – den Haarzopf – habe opfern müssen. Das Schmieden der grossen Glocke, im Film stets «Plumpe» genannt, sei in der ihm vertrauten Umgebung doch etwas sehr Besonderes gewesen, das er noch lange in Erinnerung behalten werde.

Mit der Präsentation des Films wurde bildstark und intensiv verdeutlicht, wie ein eigentlich kurzes Geschehen ausgeschmückt wird, wie Kleinigkeiten zu wuchtigen, ergreifenden, innigen Geschehnissen gefügt werden. Armut, Hunger, Zusammenleben auf engstem Raum, gegenseitige Kontakte der Dörfler, zuweilen heftige Gespräche, Intrigen, Lügen, Verunglimpfungen, dann wieder liebevolle Zuneigung, Jugendfreundschaften, Bedeutung eines Ehrenworts samt Folgen, wenn es gebrochen wird – die Fülle an Bewegendem ist gross. Sie weckt jene Gefühle, die zuweilen in vielen Menschen an Stellenwert eingebüsst haben.

Ab Mittwoch herrscht im Volksgarten wieder «Normalbetrieb». Erinnerungen an willkommen Ungewohntes bleiben – samt Hoffnung auf eine neue Sommerbühne im kommenden Jahr.