Brooks Traverse, Teile von Alaska – zu Fuss und rudernd

Auf Einladung des Kulturvereins Glarus Süd machten Manuel Meier und Lukas Mathis mit Fakten bekannt, die Grizzlybären, reissende Flüsse, moorigen Böden, schneebedeckte Pässe, absolut menschenfeindlich gesinnten Mückenschwärme, grossartigen Landschaften und teilweise widrigstes Wetter betrafen; nicht in unseren Breitengraden, sondern im weit entfernten Alaska. Die beiden 25-Jährigen aus dem Aargauischen zeigten im Hänggiturm des Mühleareals Schwanden auf, was sie während 60 Tagen über exakt 1870 Kilometer, davon deren 700 im aufblasbaren Ruderboot hinweg sorgsam geplant, dann durchlebt, bewältigt und erfahren haben.




Was diese Ausdauersportler der erfreulich grossen Zuhörerschaft erzählten und mit beeindruckenden Bildern dokumentiert hatten, bezeichneten sie schlicht als «Projekt», das den Rahmen des Gewöhnlichen weit übersteigt und Bewunderung weckte. Nach langem Vorbereiten, den umfassenden Kartenstudien, Kontaktnahmen nach Alaska, Probewandern, Zusammenstellen der tauglichen Ausrüstung, dem Organisieren von Verpflegungsorten im Bereich der Brooks-Gebirgskette, Erstellen eines Notfallszenarios, der Auswahl von tauglichen und geeigneten technischen Hilfsmitteln (Satellitentelefon, Drohne), ging es im Sommer des letzten Jahres los, über den kurzen, arktischen Sommer in Alaska hinweg.

Und schon war man mittendrin in einem wirbligen, spannenden Geschehen, das für die beiden Unternehmungsfreudigen enorm fordernd war, das viele Entscheidungen vor Ort bedingte und mit grossem Mut angegangen wurde. Es war ja schon etwas ganz Spezielles, das sich Manuel Meier und Lukas Mathis da vorgenommen hatten. Dem zweiwöchigen «Probegalopp» schloss im vergangenen Jahr dieses Erwandern in neuen, die Zuhörer absolut faszinierenden Dimensionen an. Und es wurde stets sachlich, ehrlich, mit grosser Direktheit berichtet. Da wurde nicht um der Sensation Willen etwas unternommen. Es ging ums Ausloten der eigenen Fähigkeiten, ums Anpacken und beharrliche Bewältigen von Ungewohntem.

Das präsentierte Bildmaterial und die Videosequenzen entführten in farbenprächtige, unberührte Weiten. Es wurden Einblicke gewährt, die wirklich aufhorchen liessen. Mit grossem Respekt gegenüber der Natur und der notwendigen Vorsicht beim Erwandern eines menschenleeren Gebietes wurde durchlitten, erlebt, zuweilen durchaus genussvoll verweilt. Über das Miteinander, das sehr fordernde Zwischenmenschliche, das frühe Lösen sich anbahnender Konflikte und die verschiedenartigen Befindlichkeiten wurde erzählt – ab Fairbanks als Ausgangsort bis Kotzebue als Endziel und den unzähligen dazwischenliegenden Stationen. Es wurden Einblicke in die beiden Tagebücher gewährt. Man vernahm, was der erfahrene, einheimische Pilot namens Kirk mit «auf den Weg» gab, wie untauglich der Kompass war, wie nahe man den Grizzlybären kam, den Lachse jagenden Seehunden folgte, wie zahlreich Karibus unterwegs waren, wie fordernd und kräftezehrend das Queren von Flüssen und Durchwandern der feuchten Tundra-Böden war.

Und man staunte, was bewältigt werden musste. Man bewunderte die Umsicht, die da gelebt wurde. Man erfuhr, was an Ausrüstung mitzunehmen war. Man nahm schon fast erleichtert zur Kenntnis, dass die Standorte der Verpflegungsfässer aufgefunden wurden. Man lernte jemanden kennen, der abseits jeder Zivilisation wohnte, erfuhr von Dörfern der Inuit, die dank ununterbrochen laufenden Dieselgeneratoren sogar über Strom verfügen. Man konnte mitvollziehen, weshalb das Mitführen von Schusswaffen keinen Sinn ergibt. Die ersten zwei Wochen seien ein dauernder Kampf gegen Kälte und Nässe gewesen. Man habe sich zuweilen nur schlecht schützen können, ans Trocknen der Kleider sei gar nicht zu denken gewesen. Kochen und Essen hätten zuweilen echte Probleme beschert. Man folgte den beiden beim Queren riesiger Schneefelder, wo man zuweilen hüfttief einsank. Man erkannte, wie schwierig und gefährlich das Queren der reissenden Flussläufe war. Und es war nachvollziehbar, wenn über die ausbleibende Körperpflege, die stinkigen Schuhe, Darmtätigkeiten und anderes erzählt wurde. Verletzungen blieben nicht aus. Es wurde nicht selten während zehn bis zwölf Stunden pro Tag gewandert. Regelmässig galt es, Pausen einzulegen, um sich zu verpflegen. Kochen, Feuer entfachen, Zelt aufbauen – der Alltag reduzierte sich auf Weniges, sich Wiederholendes.

Dann änderte die Landschaft, das Befahren des Novatak-Rivers – nochmals 700 Kilometer – war nicht einfach Genuss. Mit neuen Situationen sahen sich die beiden konfrontiert. Und das Wiedersehen der Zivilisation war nach so langer Zeit so etwas wie eine neue Erfahrung, war Wiedereintritt in Gewohntes.

Es gab viele Fragen, es ergaben sich zahlreiche, verständlich engagierte Gespräche über Dinge, die so aussergewöhnlich und faszinierend dargestellt worden waren.