Buchvernissage mit Christine Gubler

In die Landesbibliothek Glarus waren alle Freunde spannender Krimilektüre eingeladen. Wer aber in Erwartung der Bekanntgabe des oder der mordenden Unbekannten hinging, sah sich arg getäuscht.



Buchvernissage mit Christine Gubler

Weder Christine Gubler, Autorin ihres dritten Krimis mit dem Titel «Tierfehd» noch der einfühlend und klug gliedernde Moderator Fridolin Hauser gaben den Namen preis. Und alle Insider – also Kenner des seit einiger Zeit vorliegenden Romans – wurden deutlich gebeten, keine Geheimnisse preiszugeben; zu stark würde das die Neugier und das Interesse neuer Leser schmälern. Das klappte bestens, dennnoch erfuhr man einiges aus der Handlung, die im hintersten Teil unseres Kantons, eben im Tierfehd, geschieht und in einigen Sequenzen mit dem Glarner Sprinter, der Grossbaustelle auf Limmern, der neu lancierten Zigerproduktion und einem Bordell, fiktiv oder eben nicht, zu tun hat. Der Moderator ging so weit, dass er – was das axpo-Projekt und die Zigergeschichte betraf, von guter Reklame für unseren Bergkanton sprach und dabei auch noch auf Landschaften einer sehens- und besuchswerten Welt hinwies. Und dass das Tierfehd ein Kraftort sei, habe mit dort ansässigen Bewohnern und dem geheimnisvollen Charisma zu tun. Und ob der Ausdruck Tierfehd, dessen erster Wortteil klar ist, die Weiterführung mit Faden oder Fehde zu tun hat, konnte nicht abschliessend beantwortet werden. Für die erfreulich zahlreichen Besucher war das Dekor auf den ersten Blick verwirrlich, waren doch schwarze Tücher mit den Namen jener drapiert, die im Krimi vorkommen, die ihrerseits von zahlreichen weissen Ballons getragen schienen. Und mittendrin standen zwei Sessel, die der Autorin und dem Moderator als vorübergehende Bleibe dienten.

Fridolin Hauser, alias Fridli Osterhazy, freute sich spitzbübisch auf Inhalte des Krimis, den Christine Gubler auszugsweise las. Es war beispielsweise zu erfahren, dass Gilles Wetter Rechtsanwalt oder ein gewisser Daniel Egli neu gewählter, seit wenigen Jahren diensttuende Kommandant der Polizei sei. Viele im Krimi agierende Personen wurden nur ansatzweise vorgestellt. Das lag an den von der Autorin ausgewählten ersten drei Kapiteln des Romans. Die Informationen tröpfelten auf die Hinhörenden ein, die Autorin las mit wenig Leidenschaft – die kommt ja im Krimi schliesslich in genügend grossen Portionen vor. Man gewann bald den Eindruck, dass da leicht fasslich geschildert wird, dass man auch Komplexerem wahrscheinlich gut folgen kann und dass sich dieses Geschehen ganz gut für Abende im kuscheligen Sessel eignet. Christine Gubler beschreibt das glücklicherweise nicht Alltägliche in lebhafter Art, ist mit ihrer Sprache nahe bei den Agierenden. Dank Fridolin Hausers Fragen erfuhr man, weshalb sich Christine Gubler von ihrer einstigen beruflichen Tätigkeit als Gynäkologin vollends abgewendet und sich dem Betätigen als Autorin verschrieben hat, weshalb sie das Glarnerland und dessen Bewohner schätzen und achten gelernt hat, wann die Ideen fürs Schreiben aufkommen. Christine Gubler antwortet geduldig, interessierend. Das Vierteljahrhundert Glarnerland haben Inhalte ihrer Krimis beeinflusst, die Lektüre der Tageszeitung liefert Ideen.

Der Moderator zitierte zwischendurch aus einer Studie, welche die Rangierung der Glarner bezüglich Egoismus, Urbanem, Ehrgeiz und anderes betraf, aber mit der Lesung nur geringfügig zu tun hatten. Zu den Figuren des Krimis hätte es gar viel zu deuten und hinterfragen gegeben. Da reichte die Zeit nicht aus – was wiederum dem Bücherkauf zugute kam. Den anregenden Leseabend hatten nämlich der Südostschweizer Buchverlag und die Stadtglarner Buchhandlung Wortreich mit Christa und Janis Pellicciotta gemeinsam und in attraktiver Art angeboten. Das Publikum dankte mit viel Interesse und Anteilnahme.