Büne Huber: «Glarnerinnen und Glarner sind mir sehr sympathisch»

13 Jahre nach seinem letzten Gastspiel in Glarus verschlug es Büne Huber wieder ins Glarnerland. Zusammen mit seiner legendären Mundart-Combo Patent Ochsner schloss er spätabends den ersten Tag am Stadt-Open-Air Sound of Glarus ab. Kurz nach dem Konzert traf er glarus24.ch zum Interview.




glarus24: Büne Huber, vor 13 Jahren hast du zum letzten Mal im Glarnerland Halt gemacht. Damals mit deinem Solo-Projekt «Honigmelonemond» im Kulturzentrum holäStei. Schön, bist du zurück.

Büne Huber: Ist das schon so lange her? Schön, dass mich die Leute trotzdem noch kennen. (lacht).

glarus24: Auf den ersten Blick fällt auf, dass es bei Patent Ochsner immer wieder Bezug zu mediterranen Gegenden gibt. Sei dies bei Songs mit italienischem oder spanischem Text, der sommerlichen Hemd- und Hut-Garderobe einzelner Bandmitglieder oder auch beim Untertitel der letzten beiden Alben («The Rimini Flashdown», Teil 1 und 2).

Da muss es schon recht speziell oder auch ungewohnt sein, jetzt plötzlich, umringt von Bergen, auf einer Bühne zu stehen.


Büne Huber: Ich bin schon eher der «südliche» Typ. Es zieht mich immer wieder ans Meer. Dennoch erlebte ich heute einen speziellen Moment, als wir nach unserer Ankunft auf der Terrasse des «Glarnerhof» sassen, unser Nachtessen genossen und ich dann diesen grossen, mächtigen Berg (Anm. d. Red.: der Schilt) direkt vor meiner Nase sah. Ein Berg, der mich ebenso fasziniert, wie auch beängstigt hat. Das ist schon recht wuchtig und übt eine starke Wirkung auf den Betrachter aus.

glarus24: Eine unangenehme Wirkung?

Büne Huber: Unangenehm nicht. Eher erdrückend. Aber nicht ausschliesslich im negativen Sinn. Ich schrieb daher einem guten Freund, der hier aufgewachsen ist (Anm. d. Red.: Tom Etter, Gitarrist bei Züri West), wie er das Ganze in seiner Kindheit ertragen habe. Das sei ja gewaltig, für mich fast schon ein bisschen «too much». Daraufhin schrieb er mir zurück, dass ihm die Berge hier das Gefühl von Geborgenheit gäben. Und das kann ich absolut nachvollziehen.

glarus24: Dann fühlst du dich geborgen?

Büne Huber: Naja, nach der heutigen Anreise, die uns quer durch die halbe Schweiz von Stau zu Stau geführt hat, und wo wir schon befürchteten, demnächst die Ortstafel von Wladiwostok zu erspähen, waren wir froh, hier wieder festen Boden unter den Füssen zu spüren. Fernab von sämtlichen Autobahnstaus. Da hätten wir uns wahrscheinlich auch am Nordpol sofort geborgen gefühlt. (lacht)

glarus24: Das ist nicht gerade schmeichelhaft für das Glarnerland.

Büne Huber: Nun gut, ich muss beifügen, dass mir die ganze Rauheit, das Archaische und auch die Direktheit dieses Tals sehr gefallen. Das hat etwas Magisches an sich. Ich bin ein grosser Bewunderer von Tim Krohn. Meiner Meinung nach gehören seine Werke «Quatemberkinder» und «Vrenelis Gärtli» schlicht zum Grossartigsten, was die Schweizer Literatur hergibt. Diese Bücher, diese Sprache – das alles berührt mich zutiefst.

glarus24: Und die Bewohner?

Büne Huber: Als ich heute vor dem Konzert durch das Festivalgelände gegangen bin, gab es hier und da kurze Gespräche mit Einheimischen. Und es kam mir vor, wie wenn dieses magische Gefühl, das sich bei der Fahrt in den Kanton oder auch beim Lesen der Bücher von Tim Krohn entwickelt, auch in den Menschen hier spürbar sei. Glarnerinnen und Glarner sind mir sehr sympathisch. Manchmal habe ich das Gefühl, dass die Leute in Städten wie Bern oder Zürich eher etwas abweisend gegenüber anderen Menschen sind. Und das ist hier keineswegs der Fall. Die Menschen hier sind offenherzig und freundlich. Und das finde ich extrem schön.

glarus24: Dennoch werdet ihr heute Abend noch nach Bern zurückfahren. Weg von den erdrückenden Bergen.

Büne Huber: Ja. Ich mag die Weite. Ich mag es, wenn der Blick nicht eingeschränkt ist. Aber ich kann nicht sagen, dass es mir hier nicht gefällt. Vielleicht bin ich tief drin auch «es Bärgler-Gmüet». Wer weiss.