«Der F-5-Tiger ist am Ende seiner Nutzungsdauer», erklärte Hugo Kühne, Oberst der Luftwaffe a.D., den eigentlichen Ursprung der Abstimmung und der Debatte. Die Jets wurden vor 35 Jahren in Betrieb genommen und beruhen auf der Technologie der 50er- und der 60er-Jahre. «Vergleichen Sie einmal, wie sich Ihr Mobiltelefon allein in den letzten zehn Jahren verändert hat», gab er an der Medienkonferenz des überparteilichen Komitees am letzten Montag zu bedenken. Die Situation habe sich innert dieser relativ kurzen Zeitspanne enorm verändert und entwickelt.
F/A 18 reichen nicht aus
Die Aufgaben der Luftwaffe bleiben aber weiterhin die gleichen, meinte dazu Hans Jörg Riem, Präsident der Glarner Offiziersgesellschaft. Dazu gehören die Überwachung des Luftraums und die Durchsetzung von Luftraumbeschränkungen. «Im Notfall gehört dazu auch das-zur-Landung-zwingen oder im schlimmsten Fall das Abschiessen eines feindlichen Flugzeugs.» Um dieses Ziel 24 Stunden und sieben Tage in der Woche zu gewährleisten, reichen die nach der Ausmusterung der Tiger verbleibenden 32 F/A 18 bei Weitem nicht aus, erläuterte Kühne weiter. «Um die Sicherheit im Schweizer Luftraum in Zukunft zu gewährleisten, benötigen wir neue Flieger», ist sich Riem sicher. Eine gründliche und intensive Evaluation hat dem Bundesrat die Grundlage gegeben, dass er sich für den schwedischen Gripen entschied. «In der Abstimmung vom 18. Mai geht es deshalb nicht mehr nur um den Typ des Flugzeuges, sondern um eine mögliche Finanzierung.
Nicht einfach 3 Milliarden zusätzlich
Die Vorlage sieht die Finanzierung durch einen Spezialfonds vor. Hier wird jährlich aus dem ordentlichen Armeebudget in den nächsten zehn Jahren rund 300 Millionen Franken einbezahlt. «Die Armee bekommt so nicht einfach 3 Milliarden Franken mehr, sondern speist einen Teil des Gesamtbudgets von aktuell 4,7 Milliarden Franken in den neuen Fonds ein», betonte Riem weiter. In den 3,126 Milliarden Franken sind dabei nicht nur die 22 Flugzeuge, sondern auch das Lenkwaffen-Simulatoren-Logistikmaterial, aber auch die Aufrüstung der Flugplätze in der Schweiz beinhaltet.
«Gerade im Vergleich zur Beschaffung von anderen Jets, hat der Bund hier sehr gute Bedingungen ausgehandelt», erklärte Kühne. Dazu gehören auch die vertraglich festgelegten Gegengeschäfte (Offsetgeschäfte), erläutert Peter Rufibach, Präsident der Glarner Handelskammer.
Chance für die Schweizer Wirtschaft
«Von den rund 3 Millarden Franken fliessen rund 2,5 Milliarden von Schweden wieder zurück in die Schweiz.» Der Hersteller Saab sowie seine Unterlieferanten haben sich dazu nämlich vertraglich verpflichtet. Dies entspreche rund 10 000 Mannjahre Arbeit in einem sehr interessanten Sektor. «Die einheimischen Firmen können so im Hightech-Segment der Luftfahrtindustrie tätig sein, und so wichtiges Know-how erhalten oder erweitern», erleuterte Andrea R. Trümpy, Präsidentin des Gewerbeverbands des Kantons Glarus. Ausserdem sei dies ein wichtiger Türöffner in einem interessanten Markt. Gerade die Glarner Firma Sauter Bachmann AG hat gezeigt, wie nachhaltig die Offsetgeschäfte sein können. Während der Beschaffung der Dassault Mirage III in den 60er-Jahren bekam die Firma erste Aufträge. Und noch heute liefert die Firma Teile für den aktuellen Jet Rafale.
«Neue Kampfflieger sind für die Sicherheit der Schweiz absolut notwendig und die Anschaffung des Gripen eine grosse Chance für die einheimische Wirtschaft», billanzierte Riem zum Abschluss der Medienkonferenz. Das Komitee hofft mit Referaten und Aktionen das Glarner Stimmvolk von dieser Meinung überzeugen zu können.
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