Calefax Reed Quintet – exklusives Verwöhnprogramm

Ankündigungen von Veranstaltungen haben stets Erfolg, wenn damit ein geschicktes Sensibilisieren verbunden ist, wenn Neugierde geweckt wird. Und mit der Aufwartung des Calefax Reed Quintets samt dem auf «umwerfende Bearbeitungen für Bläserquintett» hinweisenden Untertitel war dem so. Seit leicht mehr als drei Jahrzehnten ist das aus hervorragenden Bläsern bestehende Ensemble unterwegs – und die Männer fühlen sich in verschiedensten Stilepochen gleichermassen wohl, souverän, brillant, ansteckend stimmungsstark.




Kälte, Nässe und Ungastliches liess man beim Betreten der Aula unserer Kantonsschule hinter sich. Von leicht schummerigem, eher gespenstischem Blau war der Zuschauerraum umgeben, von hellerem Licht die Bühnenfläche erfüllt. Und dort lagen Teile von Instrumenten in leicht wirrem Durcheinander – so quasi im Stil der «Kleinen Ausstellung vor der Vorstellung». Und der Beginn liess sich vergnüglichst an, zeugte vorerst vom komödiantischen Talent der Bläser. Man fand sich an der speziell gedeckten niedrigen Tafel ein, schnappte sich ein Teil aus der Sammlung, probierte das aus, stellte es wieder sorgsam hin, wenn es nicht zu passen schien, wenn andere ihren Anspruch anzeigten. Das dauerte so seine Zeit, war Einstimmung der ungewohnten Art. Zwischendurch war zu vernehmen, dass dies auch der Beginn der sonntäglichen Familienveranstaltung sei – deren Inhalt sich an alle richte, die «Jung im Geist» seien – und wer beansprucht das nicht für sich? So waren denn die Ansagen ab Bühne stets vergnüglich, ein durchwegs charmantes Kommunizieren!

Mit dem Zusammensetzen der Instrumente wurden Klänge, kurze Signale an die Adresse des Publikums ausprobiert. Es hupte, quietschte, flötete, schnatterte – mal gebieterisch, dann wieder leicht klagend. Diese Form des Einstimmens war ebenso ungewohnt wie spannend. Und mit kunstvollen Bearbeitungen, beispielsweise von Robert Schumanns «Waldszenen» oder einer Suite im alten Stil von Edvard Grieg wurde man auf die Spuren vieler Vögel geradezu entführt. Da war der gefiederte Zeitgenosse schon mal Prophet, der seine Botschaften dezidiert kundtat. Das war ein kurzweiliges Suchen, Träumen, Tanzen, bestimmendem Feststellen, Enteilen, eine munter spannende Vermischung von anregendem Geschwätz, Vergnüglichem, Traurigem, Schwärmerischem. Die Vielfalt der riesig elegant ausgespielten Gefühlswelt war faszinierend. Die Eleganz, der hohe Kunstsinn, die gegenseitige Abgestimmtheit, das Harmonieren in rasenden Tempi, das Aufnehmen angespielter Intentionen, das Miteinander, ganz kurze Soli, das Ausdrücken im Duett oder Trio – einfach alles war brillant, weckte Bewunderung und Anteilnahme. Das Ende dieses Anbietens wünschte man sich in weite Fernen, derart genussreich war das Hinhören. Charme, riesiges Einfühlungsvermögen, brillantes Ausgestalten, Spielwitz, Perfektion, hohe Flexibilität und kreative Spielkunst zeichnen die Interpreten aus.

Mit Carola Bauckholts (*1959) «Zugvögel» (2011/12) wurde man noch vor der Pause an einen See samt Umland entführt. Da wurde drauflosgeschnattert, gestritten, gequakt, reklamiert, gebieterisch gerufen, aufbegehrt, resigniert festgestellt, vor sich hingeträumt, ein Zwiegespräch geführt, enteilt, geklagt. Um derartige Effekte auszugestalten, bediente man sich zuweilen des Mundstücks, pustete in den Resonanzkörper. Das war ein vergnügliches gefühlsschwangeres Auseinandersetzen.

Und nach der Pause war die Bearbeitung der Suite e-Moll für Cembalo «Le rappel des oiseaux» von Jean-Philippe Rameau (1683 – 1764) angeboten, ein musikalisches Dessert erster Güte. Heiterkeit, Anmut, Tanz, überbordende Fröhlichkeit, Einherträumen, Sehnsucht, elegantes Bewegen auf irgendeiner Tanzfläche klangen auf – so unvergleichlich charmant, mit reifer Eleganz und hohem Kunstsinn ausgespielt.

Man verabschiedete sich nur ungern, dankte mit langem und herzlichem Beifall und war froh um die bereitwillig offerierte Zugabe.