Candle Light, Dinner und Ils Fränzlis

Eine erfüllendere Verknüpfung von Fakten kann man sich kaum vorstellen, als wenn sich eine Hundertschaft Erwartungsfreudiger und festlich Gestimmter nach Schwanden begibt und damit einer sorgsam gestalteten Einladung des Kulturvereins Glarus Süd in den Brauereigasthof Folge leistet, im Wissen, dass ein hoher Genussfaktor zu erwarten ist.




Angekündigt waren der Auftritt der Fränzlis da Tschlin und kulinarisches Verwöhnen auf echt hohem Niveau. Reden gab es – mit Ausnahme der liebenswürdigen, kurzen Begrüssung durch Ruth Tüscher, Präsidentin des Kulturvereins – gar nicht, dafür eine Vielzahl von Tischgesprächen und natürlich Musik und nochmals Musik – auch für Tanzfreudige. So ein «Rundum – Verwöhnprogramm» galt es ausgiebig zu geniessen.

Ils Fränzlis da Tschlin sind seit leicht mehr als 30 Jahren unterwegs, nach wie vor ungemein kenntnisreich und so richtig «anmächelig» ausgestaltend. Ihre Freude an der Musik ist in dieser langen Zeitspanne nicht auf der Strecke geblieben. Die Breite des Repertoires ist bewunderungswürdig gross. Volkstümliches mit Walzern, schwungvollen Tänzen, Entführungen in sonnenwarme, weite Gebiete an irgendeinem Meer, charmante gesangliche Einlagen, liebenswürdige Programmansagen, ungeheure Abgestimmtheit, das mühelose Rumswitchen in verschiedensten Stilrichtungen, das Erwecken alter Ohrwürmer samt genüsslichem Mitsingen an den gedeckten, von festlich leuchtenden Kerzen geschmückten Tischen, ungemein viel Applaus, aufmerksames Zuhören. Alles wirkte so hingezaubert, mit einer Leichtigkeit, die ungemein mitreisst, fasziniert. Und es wurde auf die Intensität des jeweiligen Gesprächspegels ein klein wenig schulmeisterlich eingegangen; wird es an den Tischen zu laut, wird einfach leise gespielt. Das funktioniert bestens. Gern Gehörtes wurde von den fünf Musikerinnen und Musikern in mehreren Blöcken angeboten, alles auswendig, virtuos. Man wurde auch kulinarisch riesig verwöhnt, aufmerksam bedient; es blieb kein Wunsch offen. Kürbiscrèmesuppe mit karamellisierten Marroni, Nüsslisalat mit Pinienkernen und Parmesan, Eierschwämmli, Spätzli und ein leckeres Dessert gehörten zu diesem «Programmteil».

Und alles fügte sich bestens. Die Mitternachtsstunde war beinahe zu schnell erreicht. Man schied ungern aus dieser Gemütlichkeit, hoffend, dass man die Fränzlis bald wieder mal hört. Die sind nämlich nicht nur in Konzerträumen, sondern auch in Berghütten, grossen Kirchen, winzigen Beizen und Turnhallen anzutreffen, wohl immer gleichermassen charmant aufspielend. In einem Punkt hat das glarnerische Publikum übrigens versagt; niemand verstand die romanische Ansage, somit gab es keine Punkte zu vergeben. Dafür folgte man beispielsweise dem Getue der Semiramis, der Hommage an Wysel Gyr, den Oberkrainern oder man verweilte in der Toskana, kurzzeitig in einem Wiener Kaffeehaus und anderswo. Und dass einige wenige Fränzlis urgrossmütterlicherseits mit Teilen von Glarus Nord verbunden sind und womöglich die musikalische Basis diesen nahen Breitengraden entstammt, wurde mit gebührendem Interesse zur Kenntnis genommen.

Und wer sich über Geschichtliches zu den Fränzlis informieren will, erfährt nach Konsultation der einschlägigen Suchdienste etwas über das Gründungsjahr 1982, Men Steiner und Domenic Janett, über den Stil des blinden Musikers Fränzli Waser, über Jazz, klassische Musik, italienische, wienerische, jenische und rätoromanische Einflüsse, den musikalischen Leiter Domenic Janett.

Und wenn abschliessend angemerkt wird, dass es «rundumme eebig schüü» war, entspricht das absolut den Tatsachen.